Nach Kritik an Finanzminister Wirecard: Scholz verspricht lückenlose Aufklärung

Der Fall des kurzzeitigen Börsenlieblings Wirecard lastet schwer auf Finanzminster Olaf Scholz. Die Frage: Was wusste die Regierung und wann? Vor der Tagung eines Bundestagsausschusses geht Scholz in die Offensive.

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, gibt ein Statement zur Außerordentlichen Lufthansa-Hauptversammlung.
Finanzminister Scholz steht wegen des Wirecard-Skandals in der Kritik. Bildrechte: dpa

Kurz vor seiner Aussage vor dem Finanzausschuss des Bundestages ist Olaf Scholz seinen Kritikern entgegengekommen und hat Aufklärung im Wirecard-Skandal versprochen. Im ZDF-Morgenmagazin sagte der Finanzminister am Mittwoch: "Es gibt nur eine einzige Vorgehensweise: Voran, nichts verbergen, aktiv an der Spitze der Aufklärung stehen und dafür zu sorgen, dass alle Sachen geklärt werden."

Scholz forderte erneut schärfere Gesetze und schob die Schuld für die Affäre um Wirecard auf ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen, das für die Wirecard-Jahresabschlüsse von 2009 bis 2018 jeweils einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt hatte: "Das, was uns jetzt am allermeisten bewegen muss, ist, dass eine ziemlich große, sehr effiziente Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zehn Jahre lang prüft und nichts herausbekommt." Das zeige, dass alles, was das Gesetz heute vorsehe, bisher nicht ausreiche.

Untersuchungsausschuss droht

Scholz muss sich am heutigen Mittwoch zusammen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier vor dem Finanzausschuss des Bundestages äußern. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob und wann die Bundesregierung von Unregelmäßigkeiten beim Dax-Konzern gewusst hatte.

Die Ausschussvorsitzende und FDP-Politikerin Katja Hessel sagte MDR AKTUELL, man wolle erfahren, was die Bundesregierung wann gewusst habe und warum viele Alarmglocken nicht angegangen seien. Die FDP-Politikerin hält auch einen Untersuchungsausschuss für möglich.

Der inzwischen insolvente Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni gefälschte Buchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" aus, und zwar seit 2015. Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein.

Auch Anleger haben mit den erst vor weniger als zwei Jahren in den Dax-Handel aufgenommenen Aktien viel Geld verloren. Die Wirecard-Aktie stand noch Mitte Juni bei mehr als 100 Euro, und stürzte dann innerhalb weniger Tage auf zeitweise unter zwei Euro ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juli 2020 | 09:06 Uhr