Der Eingang zum Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg
Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg sorgt mit einem Brief an Diesel-Besitzer für Diskussionen. Bildrechte: dpa

Abgasskandal Kraftfahrtbundesamt irritiert mit Brief an Diesel-Besitzer

Rund 1,5 Millionen Halter älterer Diesel haben Post vom Kraftfahrtbundesamt bekommen. Darin werden sie unter anderem über die Umtauschprämie von Herstellern informiert. ADAC und Verbraucherschützer sehen die Aktion kritisch.

Der Eingang zum Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg
Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg sorgt mit einem Brief an Diesel-Besitzer für Diskussionen. Bildrechte: dpa

Das Kraftfahrtbundesamt ist wegen eines Briefs an Besitzer älterer Diesel in die Kritik geraten. Nach dem Verbraucherzentrale Bundesverband warf auch der ADAC der Behörde vor, die Verbraucher zu irritieren.

Hinweis auf deutsche Hersteller

In dem Brief werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums Halter älterer Diesel darüber informiert, dass ihr Wagen in einer Region zugelassen ist, in der ein Jahresmittelwert von 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft überschritten wird und ihr Wagen nicht der neuesten Abgasnorm entspricht. Es handele sich um ein "reines Informationsschreiben".

Die Halter werden darin auch auf Umweltprämien und Hardware-Nachrüstungen in besonders belasteten Regionen hingewiesen. Zugleich werden Hotlines und Internetauftritte von BMW, Daimler und VW genannt. Es heißt aber auch: "Es bleibt ihnen unbenommen, sich auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen zu informieren."

Keine neutrale Beratung laut ADAC

Der ADAC warnte nun, viele Betroffene verstünden die Briefe des Kraftfahrtbundesamts als "einseitige Werbeaussage zugunsten der genannten Hersteller". ADAC-Technikchef Reinhard Kolke schrieb an den Vorsitzenden des KBA-Beirats, Karsten Lemmer, einige Halter hätten den Brief so verstanden, dass man drohende Fahrverbote nur durch Umtausch des Autos bei BMW, Mercedes oder VW vermeiden könne.

Kolke kritisierte, mit der Nennung der drei deutschen Hersteller werde keine neutrale Beratung zur Ausgestaltung von Prämien oder eine Vergleichsmöglichkeit gewährleistet. Das KBA sollte neutral über Maßnahmen aller Hersteller informieren.

Besonders belastete Städte 2017
Besonders belastete Städte in Deutschland im Jahr 2017. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Müller: KBA macht keine gute Figur im Abgasskandal

Zuvor hatte bereits der Verbraucherzentrale Bundesverband erklärt, die Hinweise des Kraftfahrtbundesamts auf Umtauschaktionen von Autoherstellern lasse die nötige Distanz zur Industrie vermissen. Der Brief zeige keine Lösungen für viele von Fahrverboten bedrohte Verbraucher.

Vorstand Klaus Müller sagte, Betroffene erwarteten vom KBA neutrale Informationen, wann es sinnvoll sei, seinen Wagen zu tauschen oder auf die Hardware-Nachrüstung zu warten. Die Behörde sollte deshalb eine Hotline einrichten, an die sich Verbraucher mit ihren Fragen wenden könnten. Müller betonte, die Flensburger Behörde habe abermals keine gute Figur im Abgasskandal gemacht.

Fahrverbote für erste Städte verhängt

Extra-Rabatte für den Kauf sauberer Fahrzeuge gehören zu einem Maßnahmenpaket, mit dem die Bundesregierung Diesel-Fahrverbote in Städten mit hoher Luftverschmutzung vermeiden will. Für mehrere Städte haben Gerichte bereits Fahrverbote für ältere Diesel verhängt, zuletzt für Köln und Bonn.

Um die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen gibt es weiter Diskussionen. VW und Daimler sicherten inzwischen bis zu 3.000 Euro pro Fahrzeug zu. Das gilt allerdings nur für Euro-5-Diesel in den von Fahrverboten bedrohten Regionen, die nach den Umtauschaktionen der Hersteller übrig bleiben. Bisher hatten die Hersteller hierfür lediglich 2.400 Euro pro Wagen angeboten.

Bericht: Erste Anträge für Hardware-Nachrüstung

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, liegen dem Kraftfahrtbundesamt aktuell vier Anträge zweier Hersteller für Hardware-Nachrüstungen vor. Die Zeitungen berufen sich auf eine Anwort des Bundesverkehrsministerium auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Noch am Donnerstag hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erklärt, es gebe kurzfristig keine marktreife technische Lösung für die Hardware-Nachrüstung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2018, 11:18 Uhr

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14 Kommentare

17.11.2018 15:32 terry 14

Wo soll Mann Geld kriegen für Neu Wagen??? Hat jemand von Ministerium an Normale Leute gedacht oder auf Schwerbehinderten???? Mein Mann hat immer gearbeitet und seit einige Zeit schwer Krank geworden, dafür müssen wir für Ärzte Danke sagen das die hat ein Herzinfarkt übersehen und mein Mann zu weitere Gesundheitlichen Problemen gebracht. Aus dem Grund kann er nicht arbeiten. Von wo soll ich jetzt Geld haben für Anschaffung eines neuen Autos????
Na Ja, so sind unsere Politiker, für die ist egal was passier mit andere Leute, Hauptsache ihnen geht es gut. Wenn die würde für seine Arbeit gleiches Lohn bekommen oder werde die schwer Krank, dann würde ich gerne sehen von wo musst euch Geld rauskratzen für ein neues Wagen.

P.S. Vor 10 Jahren uns wurde gesagt das Diesel für Umwelt ist gut und machst kein Probleme. Und was Jetzt????

12.11.2018 12:54 karola 13

Und wohin werden die alten Dieselfahrzeuge verkauft?!!!!!

Die fahren ist armen Ostblockländern und in Afrika weiter und verpesten dort fröhlich die Umwelt.

Was ist mit der stinkigen Feinstaubbelastung durch Kamine und Holzöfen??

11.11.2018 20:07 Querdenker 12

@tetyei jános 11

Da habe ich zwei Artikel für Sie:

siehe „wiki Selektive katalytische Reduktion“

Zitat: „Seit 2004 wird die SCR-Abgasreinigung serienmäßig in Lkw-Motoren ab der Abgasnorm Euro 4 verwendet.“

siehe „sueddeutsche Moderne Dieselautos sind größere Dreckschleudern als Lastwagen“

Zitat: „Grund sei, dass bei Lastwagen und Bussen bereits seit Jahren die Werte im realen Betrieb auf den Straßen gemessen würden und die Grenzwerte dort eingehalten werden müssten.“

11.11.2018 17:06 tetyei jános 11

Über Lastkraftwagen hört man wenig. Ich denke, sie haben viel mehr Schmutz ausgepufft als die PKW-s insgesamt.

11.11.2018 16:41 Frederic 10

Diese Palaver um die angebliche Schädlichkeit der Dieselfahrzeuge ist ein von der BRD Politik ins Leben gerufene Verunsicherung der Dieselfahrer. Das Thater begann, als einige der Unfähigen der Politik das E- Schrott - Auto - als die Revolution ins Leben riefen.
Dadurch ist ein unerträglcher Zustand in der BRD aufgekommen. In keinen Lande rings un die BRD wird über den Diesel, so negativ hergezogen wie in der Merkel BRD. Im gegenteil, der Diesel ist dort das Fahrzeug N° 1

11.11.2018 12:05 Rumsdibums 9

Es wird Zeit für mehr Lobbyismus von Tesla.
Jedoch noch verkaufen sich deren Autos auch ohne politische Einflussnahme.

11.11.2018 09:28 Michael Möller 8

was sagt uns dieser Artikel bzw. die Nachrichten darüber im TV, eine Bundesbehörde zeigt genau auf wer dass sagen in Deutschland hat und zwar die Lobbyisten und das unsere Politiker sowie die Kontrollbehörde gekauft ist . so sieht es doch aus , anstatt Recht und Gesetz gegen die Autoindustrie anzuwenden verweigert die Kanzlerin sowie Ihr Verkehrsminister die Anwendung von Recht und Gesetz . das hat in meinen Augen nichts aber auch gar nichts mehr mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu tun , sondern mit Lobbydiktatur . mir soll niemand mehr mit Demokratie und Rechtstaat kommen ,wenn hier offen Betrüger geschont werden und der Kunde weiterhin betrogen werden kann . anstatt die Verantwortlichen Personen abzustrafen .das alles trifft nicht nur für die Autoindustrie zu sondern für sehr viele Bereiche. meine persönliche Meinung

11.11.2018 06:12 Querdenker 7

Hat das Kraftfahrtbundesamt auch auf weitere Schrottautos hingewiesen, die zum Verkauf bei den Autoherstellern stehen?

siehe „wdr In Autohäusern nur Euro-6-Schrott ?“
Zitat: „Jetzt wird die Branche ihren Euro-6-Schrott los: Benziner ohne Partikelfilter und Diesel, die noch nicht Euro 6d erfüllen. Insofern ist die sogenannte Umweltprämie in Wahrheit eine Abverkaufsprämie für Technik, die heute schon von gestern ist.“

11.11.2018 06:12 Querdenker 6

Zitat: „... die Hinweise des Kraftfahrtbundesamts auf Umtauschaktionen von Autoherstellern lasse die nötige Distanz zur Industrie vermissen.“

Wer glaubt denn daran noch? Politik und Konzerne verschmolzen im Sumpf des Lobbyismus. Die Behörde macht da keine Ausnahme.

Bezüglich Hardware-Nachrüstung gibt es eine Initiative. Darauf hätte das Kraftfahrtbundesamt hinweisen können und auf Klagemöglichkeiten gegen die Hersteller.

siehe „spiegel Initiative nimmt Hardware-Nachrüstung für Dieselautos selbst in die Hand“

Zitat: „Erst zahlt der Autobesitzer, dann wird auf Erstattung geklagt … … Insgesamt entstehen voraussichtlich Kosten von knapp 2000 Euro … … Nachrüstung würde Fahrverbote obsolet machen“

10.11.2018 22:30 Reiner Wahnsinn 5

Max W. - Vorwärts und nicht vergessen @3
"Wo ist das Problem? Kaufen sie ein "Fremdfabrikat". Werter @3, lesen Sie sich den Artikel von @2 nochmal. Das Problem liegt in der Portomonaise. Auch Fremdfabrikate werden nicht verschenkt! Was nützen mir Abwrackprämien für´s Alte, wenn ich mir die restlichen 15- oder 25000 € für´s Neue beim besten Willen nicht leisten kann? Aber trotzalledem, wer nicht unbedingt in diese schlecht belüfteten Städte einfahren "muß", bleibe glücklich mit seinem alten Diesel und fahret ihn bis der TÜV Euch scheidet.