24.06.2015, Niedersachsen, Unterlüß: Ein Schützenpanzer vom Typ Puma wird auf dem Erprobungsgelände des Unternehmens Rheinmetall in der Lüneburger Heide vorgestellt.
Ein Schützenpanzer vom Typ Puma wird auf dem Erprobungsgelände des Unternehmens Rheinmetall in der Lüneburger Heide getestet. Bildrechte: dpa

Bundesverteidigungsministerium Schützenpanzer Puma doppelt so teuer wie geplant

Die Bundeswehr hatte um die Jahrtausendwende 350 Schützenpanzer Puma bestellt, zu geplanten Kosten von drei Milliarden Euro. Inzwischen hat sich der Gesamtpreis mehr als verdoppelt. Der Linke-Politiker Höhn spricht von einem Paradebeispiel für Misswirtschaft und Steuerverschwendung im Bundesverteidigungsministerium.

24.06.2015, Niedersachsen, Unterlüß: Ein Schützenpanzer vom Typ Puma wird auf dem Erprobungsgelände des Unternehmens Rheinmetall in der Lüneburger Heide vorgestellt.
Ein Schützenpanzer vom Typ Puma wird auf dem Erprobungsgelände des Unternehmens Rheinmetall in der Lüneburger Heide getestet. Bildrechte: dpa

Die Kosten für den neuen Schützenpanzer Puma sind deutlich höher als geplant. Wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Linksfraktion mitteilte, sind bis zur "vollständigen Einsatzreife der 350 Schützenpanzer Puma derzeit knapp sechs Milliarden Euro eingeplant". Die Gesamtkosten liegen damit doppelt so hoch wie die bei der ersten Besprechung im Parlament veranschlagten 2,9 Milliarden Euro.  

Das Verteidigungsministerium begründete die Kostensteigerung mit der vertraglich vereinbarten "Preiseskalation" sowie zusätzlichen Anforderungen an den Panzer. Diese haben sich demnach in den vergangenen 17 Jahren aus der "Fortschreibung des Fähigkeitsprofils" der Bundeswehr und technologischen Entwicklungen ergeben.

Höhn: Beispiel für Fehlplanungen des Verteidigungsministeriums

Der Linke-Politiker Matthias Höhn hatte nach einem Gesamtpreis für Beschaffung, Nachrüstung, Leistungsänderungen sowie den Kosten für den Einsatz der Schützenpanzer als Teil der "superschnellen Eingreiftruppe"  der Nato (Very High Readiness Joint Task Force) gefragt. Diese wurde als Reaktion auf die Ukraine-Krise aufgestellt. Besonderheit ist der hohe Bereitschaftsgrad.

Bundesgeschaeftsfuehrer Matthias Höhn Die Linke 5
Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Bildrechte: IMAGO

Höhn bezeichnete den Schützenpanzer als "eine der größten Fehlplanungen des Verteidigungsministeriums", die exemplarisch für das ineffiziente Beschaffungswesen der Bundeswehr stehe. Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer müsse sich daran messen lassen, ob es ihr gelinge, Steuerverschwendung und Skandale im Ministerium nachhaltig abzustellen.

Schützenpanzer Puma Hersteller sind die deutschen Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Das deutsche Heer plant insgesamt mit 560 Pumas, die den Schützenpanzer Marder ersetzen sollen. Der je nach Konfiguration 31 bis 41 Tonnen schwere Puma hat einen 1090-PS-Diesel-Motor, ist auf der Straße bis zu 70 km/h schnell bei 600 Kilometer Reichweite. Hauptbewaffnung ist eine 30-mm-Kanone. Der Panzer hat drei Mann Besatzung und kann sechs Schützen aufnehmen.

Rüstungsindustrie Deutschlands stählerne Exportschlager

Deutschland ist der sechstgrößte Rüstungsexporteur der Welt. Neben Handfeuerwaffen sind Panzer, Panzerfahrzeuge, Artilleriesysteme und U-Boote gefragt. Leopard, Spürfuchs und PzH 2000 heißen die Exportschlager.

Kampfpanzer Leopard 2 in der PSO (Peace Support Operations) Ausführung
Kampfpanzer Leopard 2 Er ist DER Exportschlager der deutschen Rüstungsindustrie schlechthin - der Leopard 2 der Münchner Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Außer in der Bundeswehr ist das 62 Tonnen schwere Waffensystem der Standardpanzer in 18 weiteren Streitkräften der Welt, so unter anderem in Chile, Kanada, Griechenland, der Türkei, Katar und Saudi-Arabien. Eine der modernsten Varianten des Kampfpanzers ist der Leopard 2 PSO (Peace Support Operations) bzw. Leopard 2A7+, an dem zuletzt auch Saudi-Arabien und Katar großes Interesse zeigten. Mit seinem Schiebeschild und einem 360-Grad-Kamerasystem ist der 2A7+ besonders für den Städte- und Häuserkampf geeignet. Bildrechte: IMAGO
Kampfpanzer Leopard 2 in der PSO (Peace Support Operations) Ausführung
Kampfpanzer Leopard 2 Er ist DER Exportschlager der deutschen Rüstungsindustrie schlechthin - der Leopard 2 der Münchner Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Außer in der Bundeswehr ist das 62 Tonnen schwere Waffensystem der Standardpanzer in 18 weiteren Streitkräften der Welt, so unter anderem in Chile, Kanada, Griechenland, der Türkei, Katar und Saudi-Arabien. Eine der modernsten Varianten des Kampfpanzers ist der Leopard 2 PSO (Peace Support Operations) bzw. Leopard 2A7+, an dem zuletzt auch Saudi-Arabien und Katar großes Interesse zeigten. Mit seinem Schiebeschild und einem 360-Grad-Kamerasystem ist der 2A7+ besonders für den Städte- und Häuserkampf geeignet. Bildrechte: IMAGO
Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr während eines Feuergefechts in Afghanistan 2010
Panzerhaubitze 2000 Mit einer Reichweite von bis zu 56 Kilometern, einer Feuergeschwindigkeit von drei Schuss in zehn Sekunden und der Fähigkeit, bis zu sechs Schüsse abzugeben, die gleichzeitig im Ziel einschlagen, gilt die Panzerhaubitze 2000 derzeit als bestes selbstfahrendes gepanzertes Artilleriegeschütz der Welt. Das gemeinsam von KMW und Rheinmetall produzierte Waffensystem wird außer von Deutschland noch von sechs weiteren Staaten genutzt, darunter auch Katar. Bildrechte: dpa
Indienststellung der Unterseeboote U31 und U32 der Klasse 212 A mit Brennstoffzellenantrieb.
U-Boote der Klassen 212 und 214 Die U-Boote der Klasse 212 A sind die weltweit ersten U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb. Damit sind sie zugleich die ersten außenluftunabhängigen U-Boote, die nicht auf einen Atom-Antrieb angewiesen sind. Bisher wurden sechs der rund 600 Millionen Euro teuren Boote durch die Deutsche Marine und vier Boote durch die italienische Marine in Dienst gestellt. Die weiterentwickelte Klasse 214 wird auf Werften in Südkorea, Griechenland und der Türkei für die Marinen dieser Länder sowie für Portugal gebaut. Bildrechte: imago/photothek
Ein gepanzertes Transportfahrzeug GTK Boxer bei der ersten gemeinsame Informations- und Lehrübung (ILUE) von Heer und Streitkräftebasis der Bundeswehr.
GTK Boxer Das Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug, kurz GTK Boxer, wurde gemeinsam von Rheinmetall und KMW entwickelt. Der 25 Tonnen schwere Transportpanzer mit seinen drei Mann Besatzung kann als Radschützenpanzer, Gruppentransporter, Führungs-, Sanitäts- und Pionierfahrzeug eingesetzt werden. Außer der Bundeswehr setzen bisher lediglich die niederländischen Streitkräfte den Boxer ein. Auch Saudi-Arabien hatte in der Vergangenheit Interesse bekundet. Bildrechte: imago/photothek
Spürpanzer Fuchs der Bundeswehr während der Gefechtsübung
Spürpanzer Fuchs Der Transportpanzer Fuchs ist ein amphibischer Radpanzer, von dem es zahlreiche Spezialvarianten gibt. Zum wahren Exportschlager entwickelte sich dabei die ABC-Version, die in der Lage ist, radioaktive, biologische und chemische Kontamination festzustellen. "Spürfüchse" wurden bisher auch an die USA, Großbritannien, die Niederlande, in die Türkei, nach Saudi-Arabien, Kuwait, Israel und Venezuela verkauft. Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juli 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 08:07 Uhr

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24 Kommentare

20.07.2019 16:11 Bernd Escher 24

Der Schützenpanzer "Puma" ist nur teurer
geworden als geplant, weil der der eben halt
als "Puma"... einen anderen Namensgeber
gabs wohl nicht...wie zum Beispiel "Wolf"gang
aber der ist ja noch...
mfg Bernd Escher

20.07.2019 09:31 Werner 23

@20:48 MaP 22: Und das Geld-Vermögen halbiert, falls vorhanden, bzw. mögliches Erbe an Geld (*) halbiert, und die Altersvorsorge halbiert, und die Zinsen auf Null gesetzt, damit sich das vorhandene Vermögen/ Altervorsorge mit der Inflation auch langsam aber sicher halbiert. Wegen der Populisten-Parole "der Euro ist Wohlstand für Alle", und so. Aber halt, falsch, Populisten sich doch immer nur die Anderen, die von Politik und Medien ganz sicher identifizierten "Europa-" und "Demokratie-" Feinde - da kann man ganz schön durcheinander, und wie das Rotkäppchen vom "guten Weg" abkommen, wenn es nicht die Rund-um-die-Uhr-Multi-Dings-Demokratieabgabe-Aufklärung geben würde. (*) deshalb brummt´s auf´m Bau und im Handwerk wie die Sau, Gold hat einen gewaltigen Satz nach Oben gemacht, und die Immobilienpreise... Landwirtschaftsflächen und Wald haben sich dafür auch mehr als Ver...explodiert. Junge Familie & Hausbau? - das war mal früher.

19.07.2019 20:48 MaP 22

Man braucht sich hier doch nicht aufzuregen! Ist doch alles ganz normal. Vor 17 Jahren bestellt! Warum soll's der BW besser gehen als den Bürgern. Meine Ausgaben haben sich in den letzten 17 Jahren auch mehr als verdoppelt, schon dank Euroeinführung - dabei wurde nur mein Einkommen halbiert, alles andere (Lebenshaltungskosten, Mieten, Energie, Benzin....) wurde, wenn nicht gleich nur mit dem neuen Symbol versehen, im Laufe der Jahre auf DM-Niveau oder sogar höher angehoben und heißt eben nur Euro.

19.07.2019 16:04 Manni an Kalle Wupdig (18) 21

Ach menno, Kalle Wupdig

Sie machen es sich aber einfach. Die LINKE sitzt nicht erst seit 2017 im Bundestag. Die LINKE sitzt in Fraktionsstärke seit 1998 im Bundestag und hat seither auch Zugang zu allen Greminen und Ausschüssen und Informationen.
Also sollte die LINKE jetzt auch nicht so tun als wären die Sachverhalte alle so neu und überraschend.

Das ist genauso eine Nebelkerze wie der Treuhanduntersuchungsausschuss.

Die REALEN Probleme wie z. B. stetig zunehmende KinderARMUT in diesem reichen Land werden dabei NICHT ANGEPACKT!

[Bitte bleiben Sie beim Thema. Kommentare ohne Themenbezug werden gemäß unserer Netiquette nicht freigegeben. Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 15:39 Mike 20

Ich frage mich schon lange, auf welcher Grundlage diese Verträge geschlossen werden. Auf Hochrechnungen und Vermutungen? Die Taktik ist doch klar - man setzt einen niedrigen Preis an, der sicher durch Ausschüsse und Bundestag läuft - und dann ach oh weh wird´s doch teurer. Das sieht wie ein geplanter Rüstungsdeal aus. Warum tritt man nicht einfach vom Vertrag zurück bei einer Verdoppelung der Kosten? Darauf hat noch ken Politiker eine Antwort gegeben. Den himmelblauen Finger in die Wunde legen, reicht da auch nicht!

19.07.2019 15:30 Michael Möller 19

Versuch2. mal wieder : wann werden die Verantwortlichen Politiker sowie Beamte für das veruntreuen von Staatsgelder vor Gericht gestellt ,denn nichts anderes ist das was in diesen Artikel steht. für mich persönlich zeugt dieser Artikel auch noch auf was anderes und zwar das Deutschland kein Rechtsstaat mehr ist ansonsten hätte die Staatanwaltschaft die verantwortlichen Personen vor Gericht gestellt.

19.07.2019 15:05 Kalle Wupdig 18

Sagen Sie mal. lieber Manni: nicht nur, dass Sie hier keinen Nachnamen angeben, nein, Sie sind ja auch des Lesens einfachster Texte nicht fähig und verbreiten (bewusst?) Falschaussagen.

Herr Höhn sitzt seit seit 2017 im Bundestag. Woher beziehen Sie Ihr Wissen bzw. Nichtwissen?

Schwups, damit sind alle Ihre verschwirbelten Fake-News dahin ... peinlich, oder?

Aber anstatt es mal hochanzurechen, dass es wenigstens eine Partei im BT gibt, die diesen Sachverhalt aufdeckte, gießen Sie in allseits bekannter Manier Dreck über Die Linke.

Meinen Sie allen Ernstes, dass auch nur ein BT-Mitglied irgendwelche Nebenpöstchen bei der Rüstung hätte?

Ich kann Ihnen versichern, die kommen aus anderen Parteien!

19.07.2019 14:04 der Uwe 17

...natürlich kostet der Panzer deutlich mehr, den Auftrag haben ja auch die Dilletanten des Bundes in die Wege geleitet, denen der Sinn für erarbeitete ( Steuer)-Gelder schon längst abhanden gekommen ist. Die " Glücksritter" (diesmal) in der Waffenindustrie reiben sich schon mal die Hände, wieder mal die " Lizenz" zu bekommen, das Steuersäckel ordentlich zu melken.- Hat ja in anderen Wirschaftszweigen auch immer gut " geklappt" - Beispiel Flughafen Berlin oder Gorch Fock oder im Chaos der Flüchtlingskrise, wo jede unsanierte " Garage" zur gut ( vom Amt) bezahlten Wohnimobilie wurde. Ein Glück, das man eine Ausrede hat, um die Steuern im Herbst wieder danach " anzupassen" .- Der Deutsche Michel zahlt dann brav dieses dilletantische "Geschäftsmodell"....
Solche Leute, so dämlich , in der Privatwirtschaft in der Einkaufsabteilung für Material und Maschinen , und die Firma wäre 1,2,3 konkurs...

19.07.2019 13:23 Anton 16

Die Kanone ist zu klein. Was will man damit? Man braucht mindestens 100 mm. MDR hat leider vergessen über Panzerung zu schreiben. Ich vermute, hier ist auch wie mit der Kanone eine Pfuscherei, so etwas wie aus Karton? Eine Parodie für Panzer...

19.07.2019 13:19 Norbert NRW 15

Na mal ganz ehrlich das ist mit jedem Projekt so, das liegt auch generell an diesen seltsamen Ausschreibeverfahren. Das ist an sich schon einfach falsch. Aber die BW will auch immer die Eierlegendewollmilchsau somit sollte man eigentlich das Lastenheft vor der Bestellung fertig haben. Und jede Änderung kostet, das ist nunmal so. Wer nen Golf bestellt aber zum Schluss nen Passat haben will der bezahlt halt mehr. Nur sollten die Spezies mal überlegen mit welchem Material unsere Soldaten losgeschickt werden. Das ist der blanke Hohn.