Sachsen-Anhalt Schüler und Lehrer fordern Anpassung von Prüfungen

Online-Unterricht, Video-Konferenzen mit dem Lehrer, eigenverantwortliches Lernen – die Corona-Pandemie beeinträchtigt den Schulalltag stark. Das trifft besonders die Schülerinnen und Schüler, die bald ihren Abschluss machen wollen. Muss man der Situation also Rechnung tragen, wenn es an die Abschlussprüfungen geht – diese beispielsweise leichter machen oder die Themen einschränken?

Ein Schild mit der Aufschrift «Schule geschlossen» hängt an der Eingangstür des Gymnasiums in Bad Waldsee in Baden-Württemberg 3 min
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Sollten Abschlussprüfungen wegen der Pandemie angepasst werden?

MDR AKTUELL Do 14.01.2021 06:06Uhr 02:55 min

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Am Niveau der Prüfungen soll sich nichts ändern, da sind sich Lehrerverbände, Elternrat und Ministerium in Sachsen-Anhalt einig. Selbst der Landesschülerrat wolle keine leichteren Prüfungen, sagt dessen Vorsitzender, Felix Schopf. Denn: "Wir befürchten, dass damit nachher eine Benachteiligung in der Berufswahl erfolgen kann." Es müsse sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler ein gleichermaßen anerkanntes Abschlusszeugnis erhalten wie alle anderen Schüler, die vor der Pandemie ihren Abschluss absolviert haben.

Deswegen müssten sich die Kultusminister bundesweit mit den Hochschulen und Arbeitgebern absprechen, fordert Eva Gerth, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Was aber die Prüfungen selbst angeht, da könne man sicher über Anpassungen reden. "Das beginnt bei Einschränkungen von prüfungsrelevanten Themen, das könnten Terminänderungen sein".

Kürzungen ja, aber nicht in der Qualität

Auch die Lehrerverbände im Land pochen darauf, dass die Qualität der Abschlüsse erhalten bleibt. Der Realschulabschluss etwa sei ein Qualitätssiegel für die mittelständische Wirtschaft, sagt die Landesvorsitzende  des Sekundarschullehrerverbands, Claudia Diepenbrock. "Unser Ziel ist es, die Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten. Im Kompetenzbereich darf also keine Niveauabsenkung stattfinden. Im Bereich der Wissensvermittlung muss man sich allerdings aufs Wesentliche beschränken und sicherlich einige Kürzungen vornehmen."

Auch an den Gymnasien dürfe es kein "Notabitur" geben, sagt der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Thomas Gaube. Trotzdem müsse man in den Prüfungen auf das Corona-Schuljahr reagieren. Diesen Spagat hält er aber für durchaus machbar. "Man guckt, welche Wissensbestände wurden vollumfänglich vermittelt und dann reduziert man – und das ist keine Reduzierung im Niveau, sondern eine stofflich-inhaltliche Reduzierung – auf die, von denen man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen kann, die wurden in allen Schulen ordentlich und in einer vernünftigen Tiefe behandelt und vermittelt."

Bildungsministerium am Zug

Das müsse aber jetzt angegangen werden, fordert Gaube – und nicht erst im März oder April. Das Bildungsministerium suche aktuell nach solchen Möglichkeiten, die Prüfungen so anzupassen, dass sie "fair und situationsgerecht gestaltet werden können", sagt Sprecher Stefan Thurmann. "Beispielsweise eine höhere Wahlfreiheit bei den Prüfungsaufgaben, sodass man vielleicht Aufgaben, die Bereiche betreffen, die nicht so intensiv bearbeitet werden konnten, auch nicht in den Prüfungen bearbeiten muss."

Bereits im Sommer hat das Ministerium den Schulen auch einige Bereiche aus dem Lehrplan genannt, die pandemiebedingt in diesem Schuljahr nicht prüfungsrelevant werden, sagt Thurmann. GEW, Landeselternrat und Philologenverband fordern hier aber Nachbesserungen: Schließlich habe man im Sommer noch nicht gewusst, dass die Schulen im Winter nochmal wochenlang zu sein würden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2021 | 06:08 Uhr

4 Kommentare

skydiver-sr vor 2 Tagen

....sie haben Recht, und ich beschwere mich in diesem Sinne ja nicht.
Ich mache es auch sehr gerne dür meine Kinder, gar kein Problem.
Mir geht es nur darum,das bestimmte Bildungsplattformen digital nicht erreichbar sind und die Lehrer ja auch nicht immer erreichbar sind.
Und meine Schulzeit liegt fast 40Jahre zurück.
Ich kritisiere hier ausdrücklich die Politik, die immer vollmundig Digitalisierung verspricht-aber dies kaum hält.
Und meine Lehrerkritik bezieht sich nur auf diejenigen, denen die „Jacke auch passt“( kann und will und darf ja hier keine Namen nennen-auch zu Recht)

antonrumata vor 2 Tagen

Natürlich tut es mir leid, wie Sie diese Situation erleben.
Verallgemeinerungen, was die Motivation der Lehrer angeht, sind jedoch fehl am Platz. Es gibt genügend Pädagogen, die sich extrem engagieren. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Unsere Schulen sind leider nicht so gut ausgestattet, dass Onlineunterricht flächendeckend angeboten werden kann.

Machen Sie bei den Verantwortlichen der Schule folgenden Vorschlag. Es würde ausreichen, wenn alle Schüler Zugang zu einem Handy mit stabiler Internetverbindung hätten.

Der Lehrer könnte einfach, schnell und sicher bspw. über PC oder Tablet mit dem Programm ZOOM zumindest für 40 min (kostenlos) Unterricht geben. Die Kinder schauen den Stream auf dem Handy, können Ihre Kamera auch ausmachen. Fragen an den Lehrer sind möglich. Von den Kindern werden keine Daten erhoben. Ein Abo (für den Unterrichtgebenden) ist auch bezahlbar (kann bestimmt steuerlich geltend gemacht werden). Das ist keine Werbung, nur so nutze ich das.

Anni22 vor 2 Tagen

Prüfungen sollten nicht angepasst werden, im Zweifel sollte die Wiederholung des Jahrgangs möglich sein. Es nützt auch nichts, die Anforderungen zu senken, weil in der Berufsschule oder in der Uni auf die Grundfähigkeiten aufgebaut wird. Dann hat man den Schulabschluß und scheitert in den weiterführenden Zweigen.