Nach Attacke in Frankfurt Seehofer will Sicherheit an deutschen Bahnhöfen verbessern

Als Reaktion auf die tödliche Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof will Bundesinnenminister Seehofer die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen verbessern. Mögliche Maßnahmen seien mehr Polizeipräsenz, mehr Videoüberwachung und Umbauten an den Bahnhöfen. Zum mutmaßlichen Mörder aus Eritrea wurden weitere Details bekannt.

Horst Seehofer gibt eine Pressekonferenz
Bundesinnenminister Horst Seehofer Bildrechte: dpa

Als Konsequenz aus der tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen im Frankfurter Hauptbahnhof hat Bundesinnenminister Horst Seehofer eine größere Polizeipräsenz an Bahnhöfen verlangt. Nach einem Treffen mit Vertretern der deutschen Sicherheitsbehörden sagte Seehofer, man müsse zudem technische Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheit prüfen. Der CSU-Politiker erneuerte auch seine Forderung nach einer stärkeren Videoüberwachung im öffentlichen Raum.

Spitzentreffen mit Verkehrsministerium und Bahn

Seehofer kündigte ein Spitzengespräch mit dem Bundesverkehrsminister und Vertretern der Deutschen Bahn an, um über solche Maßnahmen zu beraten. Auf Nachfrage wollte er nicht ausschließen, über das Anbringen von Schranken vor Bahnsteigen zu diskutieren - trotz der hohen Kosten. Am Geld sollten solche Maßnahmen nicht scheitern. Es sei "kein Argument" zu sagen: "Das kostet Millionen und deshalb machen wir das nicht." Es gehe hier um die Sicherheit der Bevölkerung. Zugleich betonte er, es handele sich dabei um eine komplexe Aufgabe, weil es in Deutschland rund 5.600 Bahnhöfe mit völlig unterschiedlichen Strukturen gebe.

Mutmaßlicher Mörder galt in Schweiz als gut integriert

Unterdessen wurden weitere Details zum mutmaßlichen Mörder bekannt, der am Montag einen achtjährigen Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen hatte.

Polizisten und Feuerwehrleute spannen im Hauptbahnhof Frankfurt Main eine weiße Plane als Sichtschutz vor einen ICE
Die Attacke ereignete sich am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. Bildrechte: dpa

Bei dem Mann handelt es sich laut Bundespolizeipräsident Dieter Romann um einen 40 Jahre alten Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte, verheiratet ist und drei Kinder hat. Er sei einer festen Arbeit nachgegangen und "aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz vorbildlich" gewesen. Der Mann sei in Publikationen sogar als Beispielfall gelungener Integration genannt worden, ergänzte  Seehofer.

Von Schweizer Behörden gesucht

Gleichwohl war der Verdächtige von der Schweizer Polizei gesucht worden. Er soll am 25. Juli seine Nachbarin mit einem Messer bedroht und eingesperrt haben und dann geflohen sein. Da die Schweiz zum Schengen-Raum gehört, konnte er ohne Kontrolle die Grenze passieren. Nach Angaben der Kantonspolizei Zürich war er außerdem in psychiatrischer Behandlung. Darauf ließen Dokumente schließen, die bei einer Hausdurchsuchung gefunden worden seien.

Zu seinem Motiv gab es laut Polizeipräsident noch keine Erkenntnisse. Der Eritreer hatte zuerst die Mutter, dann den Jungen vor den Zug gestoßen. Während die Frau sich wegrollen konnte, wurde der Junge von einem einfahrende Zug erfasst und getötet. Außerdem stieß der Mann auch noch eine 78 Jahre alte Frau in Richtung Gleis, die Frau war aber noch vor der Gleiskante zu Fall gekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2019 | 16:00 Uhr