Razzien in mehreren Bundesländern Seehofer verbietet Neonazi-Gruppe "Sturmbrigade 44"

Die Gruppe hat sich nach einem berüchtigten SS-Kommandeur benannt und träumt von einem neuen Nazi-Staat. Nun hat Innenminister Horst Seehofer die "Sturmbrigade 44" – auch "Wolfsbrigade 44" genannt – verbieten lassen.

Horst Seehofer
Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die rechtsextreme Gruppierung "Sturmbrigade 44" verboten. Bildrechte: dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die rechtsextreme "Sturmbrigade 44" verboten. Das teilte ein Ministeriumssprecher auf Twitter mit. Die Gruppierung tritt auch als "Wolfsbrigade 44" und mit ähnlichen Namen auf. Seehofer erklärte, wer die Grundwerte der freiheitlichen Gesellschaft bekämpfe, bekomme die Reaktion des Rechtsstaates zu spüren.

Seit dem frühen Dienstagmorgen durchsuchten mehr als 180 Einsatzkärfte Wohnungen von elf Gruppenmitgliedern in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt seien 25 Objekte durchsucht worden, davon 20 in Hessen, vier in Nordrhein-Westfalen und eins in Mecklenburg-Vorpommern.

Ebenfalls geplante Durchsuchungen in Sachsen-Anhalt waren dem Ministerium zufolge nicht möglich. Das Verwaltungsgericht Halle habe keine ausreichende Grundlage für einen Durchsuchungsbeschluss gesehen. Auch eine Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht Magdeburg sei ohne Erfolg geblieben.

Bei der Razzia sollten nach Ministeriumsangaben unter anderem Vereinsvermögen und mögliche rechtsextremistische Propagandamittel beschlagnahmt werden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Vormittag wurden Waffen gefunden, und zwar Einhandmesser, eine Armbrust, Bajonette und eine Machete. Außerdem entdeckte die Polizei Hakenkreuze und NS-Devotionalien sowie digitale Beweismittel und Speichermedien. Aus den Ländern war auch die Rede von sichergestellten Mobiltelefonen, Drogen und Tonträgern mit rechtsextremistischer Musik.

Schlosskirche Lindenau (Oberlausitz) 24 min
Bildrechte: imago images/Shotshop

Zahlen-Symbolik erinnert an NS-Kriegsverbrecher

Die Neonazi-Gruppe existiert nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden seit 2016 und verfügt über eine feste Struktur. Die Zahl 44 in verschiedenen Versionen des Namens der Neonazi-Gruppe steht als Code für den vierten Buchstaben im Alphabet: DD als Abkürzung für "Division Dirlewanger" bezieht sich auf einen als besonders sadistisch berüchtigten Kriegsverbrecher und Kommandeur einer Sonderheit der Waffen-SS, Oskar Dirlewanger.

Bereits im Juli 2019 hatte die Bundesanwaltschaft Wohnungen in vier Bundesländern durchsuchen lassen, unter anderem in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Damals standen sechs Beschuldigten im Verdacht, die "Sturmbrigade" als bewaffneten Arm der Gruppe "Wolfsbrigade" gebildet zu haben.

Erklärtes Ziel der "Sturmbrigade" ist nach Behördenangaben das "Wiedererstarken eines freien Vaterlandes" nach dem "germanischen Sittengesetz". Die Ziele sollten offenbar auch mit Gewalt verfolgt werden.

In diesem Jahr wurden mit "Combat18" und "Nordadler" bereits zwei rechtsextremistische Gruppen verboten sowie eine antisemitische Reichsbürger-Vereinigung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2020 | 07:00 Uhr