Bundeskanzlerin Merkel Ukraine Präsident Selenskyj
Bundeskanzlerin Merkel empfing am Dienstag Ukraines Präsident Selenskyj. Bildrechte: dpa

Ukrainischer Präsident Selenskyj in Berlin Merkel will Druck auf Russland vorerst nicht erhöhen

Es war sein erster offizieller Besuch in Berlin: Der neue ukrainische Präsident forderte bei Kanzlerin Merkel eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland – und machte danach Halt bei den Grünen.

Bundeskanzlerin Merkel Ukraine Präsident Selenskyj
Bundeskanzlerin Merkel empfing am Dienstag Ukraines Präsident Selenskyj. Bildrechte: dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem Deutschlandbesuch eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland gefordert. "Wenn wir sehen, dass dieses Instrument nicht ausreichend ist, dann sollten weitere Instrumente gefunden werden", sagte er mit Blick auf mögliche neue Wirtschaftssanktionen.

Merkel will lediglich bestehende Sanktionen fortsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ging bei dem Treffen im Kanzleramt aber nicht auf Selenskyjs Forderungen ein. Sie sagte dagegen, dass es jetzt um eine Verlängerung der bestehenden Strafmaßnahmen gehe. "Das ist auch der Weg, den wir jetzt beim Europäischen Rat beschreiten werden", so Merkel. Beim EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag und Freitag sollen die Handels- und Investitionsbeschränkungen zum neunten Mal verlängert werden.

Gleichzeitig zeigte sich Merkel gegenüber Russland gesprächsbereit: "Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir ohne Gespräche und ohne Kontakte die Probleme auch nicht aus der Welt ausräumen können", sagte die Kanzlerin. Es gebe daher Bemühungen, für Russland einen Weg zurück in den Europarat zu finden. Dazu müssten allerdings "bestimmte Bedingungen erfüllt sein". Konkret wurde sie aber nicht.

Selenskyj wendet sich an Sanktionsgegner

Zuletzt hatte es in Deutschland eine Diskussion um eine mögliche Aufhebung der Russlandsanktionen gegeben. Ausgelöst hatte sie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Auf einem Gipfel in St. Petersburg hatte er ein Ende der Sanktionen gefordert und damit für Unmut in der CDU gesorgt – aber auch Zustimmung vorwiegend aus Ostdeutschland geerntet.

Selenskyj sagte an die Gegner der Sanktionen gerichtet: "Ich hoffe, dass Sie mich hören. Wir haben diesen Krieg nicht angefangen. Aber wir hoffen, dass wir ihn so schnell wie möglich beenden können." Seine Regierung wolle nicht, dass die europäischen Partner unter diesen Sanktionen leiden würden, "aber das ist der einzige Weg, ohne Blutvergießen zu einer Beendigung dieses Konflikts zu kommen".

Der frisch gewählte ukrainische Präsident traf neben Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer überraschend auch Grünen-Chef Robert Habeck. Dieser kritisierte nach dem Gespräch mit Selenskyj, dass der russische Präsident Wladimir Putin in der Ukraine keinerlei Friedenswillen erkennen lasse. "Die verhängten EU-Sanktionen müssen deshalb so lange aufrechterhalten werden, wie die Gründe dafür bestehen", sagte er.

Aufregung um Zitteranfall von Merkel

Aufsehen erregte bei Selenskyjs Besuch ein Zitteranfall von Bundeskanzlerin Merkel. Als sie den ukrainischen Präsidenten mit militärischen Ehren empfing, zitterte sie plötzlich sehr stark. Auf der anschließenden Pressekonferenz sagte sie, dass es ihr wieder gut gehe. "Ich habe inzwischen mindestens drei Gläser Wasser getrunken, das hat offensichtlich gefehlt", sagte sie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 20:49 Uhr

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20 Kommentare

20.06.2019 18:16 Afterburner 20

@ 13 @17
Wischen Sie sich doch erst mal die Geifer ab.
Es geht um Sanktionen und die Gründe dafür.
Es wird schlicht und ergreifend mit zweierlei Maß gemessen.
Wo bleiben die Sanktionen gegen z.B.Saudi-Arabien(führt Krieg im Jemen)
Israel(hat die Golan-Höhen annektiert)
China ist auch nicht als Hort der Menschenrechte bekannt.
P.S.
Für was soll ich dankbar sein?
Wäre sie in Leipzig 89 mit auf der Straße?
Mir hat keiner etwas geschenkt.

20.06.2019 12:59 Dh 19

@17, beeindruckend Ihre Zahlenkolonnen. Tja mit Wikipedia ist es halt immer leicht "Nachhilfe" zu erteilen. Trotzdem sind Ihre Zahlen völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich bin Diplommilitärwissenschaftler und erlaube mir halt eine eigene, empirische Meinung über den Verlauf des 2. WK. Ihre Sicht darüber, warum Ostdeutsche Ihnen gegenüber dankbar sein sollen, sei Ihnen belassen. Ist halt ihre Sicht der Realität. Nur von mir und vielen
anderen Ostdeutschen werden Sie keine Dankbarkeit erhalten. Dazu ist uns zu übel mitgespielt worden, was mit läppischen 100 DM nicht wieder gut zu machen ist. Aber im Artikel ging es um Sanktionen gegen Russland. Sie verstiegen sich da gleich in Beleidigungen, den Ostdeutschen gegenüber und beschimpften uns als Russenknechte. Glauben Sie wirklich, dass ein so gespaltenes Land einer Weltmacht gegenüber Forderungen stellen sollte? DE sollte erst mal seine eigenen Probleme lösen, ehe es mit den Finger auf andere zeigt.

20.06.2019 09:20 Bingo 18

Was bildet sich Merkel eigentlich ein ?? Wie kann eine Ameise Druck auf einen Elefant ausüben ?? PS. Schickt Merkel eigentlich Putin noch immer gelegentlich Radeberger Bier oder fällt dies nicht unter die Sanktionen ??

20.06.2019 06:27 Kiel_oben 17

gerne # 14 wir helfen auch bildugsmässig ^^ mentalitätsbedingt sind die alles ohne Gegenleistung bekommen undankbar, angefangen vom Begrüßunsgeld, dem 1:1 Umtausch des Wertlosen bis zu den Billionen die wir in den Osten pumpten und Loser uns bis heute ständig Bild des JammerOssis kommt.
Nachhilfe beim Geschichtsunterricht: 60% allen Flugbenzins wurde ab 41 von Amerika geliefert. Die Sowjetunion erhielt aus den USA Waren im Wert von 9,8 Milliarden. Es waren die direkten Waffenlieferungen,
dazu 8000 Panzer, ca 12000 Jagdflugzeuge, ca 4000 Bomber, ca 200000 Lastkraftwagen, 80000 Geländewagen, 4 Millionen Tonnen Lebensmittel
130000 Maschinengewehre, 50% aller Reifen, 1800 Lokomotiven (Russland hat im Krieg ca 900 hergestellt)
die der Sowjetunion halfen, ohne die USA wäre Russland ende 1941 einfach kollabiert. Leningrad überlebte nur mit USA Hilfe - auch wenn es Weltbild erschüttert!

[sry MDR, wenns meine Antwirt an # 14 nichts zum Thema: selenskyj-merkel-besuch-ukraine beiträgt]

19.06.2019 22:57 Bernd 16

Warum sind so viele Ostdeutsche nicht für die Sanktionen gegen Russland? Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen! Auch viele Ostdeutsche, vor allem die ältere Generation, kann sich mit dem Raubtierkapitalismus der Amerikaner nicht anfreunden. Schon Alexander Solschenyzin (Archipel Gulag) kam mit der Mentalität der US-Amerikaner nicht zu recht, obwohl er ein Gegner des stalinistischen Sowjetsystems war. Das einfache Volk in Russland hatte viel Leid ertragen, auch dieser Umstand erzeugt bei vielen Ostdeutschen Respekt und Anerkennung.

19.06.2019 21:17 jochen 15

Merkel will den "Druck auf Russland nicht erhöhen"

Was bildet die Merkel sich ein - Den Druck auf eine Weltmacht nicht erhöhen.
Wenn die Merkel die Amis nicht im Rücken hätte wäre sie nichts ein absolutes nichts.

19.06.2019 20:56 Dh 14

@13Kiel oben, ein toller Beitrag. In Inhalt und Stil wirklich sehr hochwertig. Bloß bei den Geschichtskenntnissen in Hinsicht Befreier müsste der User noch mal nacharbeiten. Was wären denn die Allierten ohne den Anteil der UdSSR gewesen? Diese hatte nämlich die Hauptlast des Krieges getragen. Aber vielleicht war der Geschichtslehrer oft krank, was die Lücke erklären würde. Was zum Verhältnis Ost/West gesagt wurde stimmt. Deswegen dito. Um es auf den Punkt zu bringen, sind mir viele Russen lieber, als so mancher Wessi. Fragen möchte ich Sie aber gerne einmal, wieso wir Ostdeutschen Ihnen gegenüber dankbar sein müssten? Das können Sie nämlich voll vergessen. Ehr gefriert die Hölle. Trotzdem danke lieber MDR, dass Du uns Anteil an dem Beitrag von Kiel oben nehmen lässt. Dieser Beitrag zeigt doch den Ist-Zustand "Deutsche Einheit" in sehr eindrucksvoller Weise. Ehrlich, schonungslos und ohne verlogenes Pathos. Prima, das nenne ich echter Bildungsbeitrag.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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Ihre MDR.de-Redaktion]

19.06.2019 18:30 Kiel_oben 13

undankbare 40-Jahre Russeknechte hat Spuren hinterlassen. die ex-Russenknechte sind gegen die Sanktionen obwohl die verstärkt werden müssten. Deutschland muss sich von Russlands Öl und Gas trennen und Verbündetes abnehmen! USA waren sind und bleiben unsere Befreier und Beschützer!
Ost und Westdeutschland trennte nicht nur Mauer, die ticken anders und viele waren und wollen den Osten nicht Besuchen und Kennenlernen. Die chaotischen Bilder und Berichte reichen völlig
hier ist massenhaft antiamerikanische Stimmung zu Lesen, einfach undankbare Leute. vllt weil es unchristliche sind die auch Islam ablehnen - arme die gar keinen Gott haben
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19.06.2019 17:58 Winter 12

Ich finde das es ein GROßER Fehler war und ist,sich so gegen Russland gestellt zu haben! Wenn ich dann höre,was Frau M. da zum besten gibt,kann ich nur sagen - lächerlich .Von wegen-Druck nicht erhöhen!Mit was will sie denn überhaupt den Druck erhöhen?? Man sollte so schnell wie möglich mit Putin und Russland wieder die normalen Beziehungen aufnehmen. So wie jetzt kann man und sollte man nicht mit Russland umgehen!

19.06.2019 15:49 Fragender Rentner 11

Zitat von Oben: Merkel will Druck auf Russland vorerst nicht erhöhen

Weshalb ist er da wohl gekommen?

Nur um mal die Hand von Fr. Merkel zu schütteln?

Oder in welches Bündnis will er sein Land führen?