Mi 06.03. 2019 20:45Uhr 29:45 min

Exakt - Die Story Wölfe – Schützen oder schießen?

Film von Herbert Ostwald

Komplette Sendung

Wolfsrudel mit Nachwuchs im Wald. 29 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mi, 06.03.2019 20:45 21:15

Wölfe – Schützen oder schießen?

Wölfe – Schützen oder schießen?

Ein Wolf steht in seinem Gehege im Wildpark Eekholt.
Bis vor einigen Jahren war uns eher der "böse Wolf" aus den Märchen vertraut. Doch jetzt hat er wieder einen Platz in unseren Wäldern. Das gefällt nicht jedem. Bildrechte: dpa
Ein Wolf steht in seinem Gehege im Wildpark Eekholt.
Bis vor einigen Jahren war uns eher der "böse Wolf" aus den Märchen vertraut. Doch jetzt hat er wieder einen Platz in unseren Wäldern. Das gefällt nicht jedem. Bildrechte: dpa
Tote Schafe nach Wolfsriss in Förstgen
Bei Niesky hatte es beispielsweise im Oktober 2018 einen Wolfsübergriff auf eine Herde mit rund 140 tragenden Mutterschafen gegeben. Etwa 40 Moorschnucken und fünf Ziegen sind tot, viele Tiere werden noch vermisst. Bildrechte: Danilo Dittrich
Ein überfahrerener Wolf liegt mit dem Gesicht am Rand einer Straße.
Doch auch der Wolf ist häufig Opfer - hier liegt ein überfahrenes Tier. Bildrechte: MDR/Autobahnpolizei Thüringen
Ein Wolf
In den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zum Beispiel leben laut dem aktuellen Monitoring 18 Rudel und vier Wolfspaare. Bildrechte: dpa
Der Wolf ist hinter einem Zaun zu sehen.
Auch in Sachsen-Anhalt, wie hier in Buckau, fühlen sich die Tiere wohl. Bildrechte: Sandra Gauck
Der betäubte "Problemwolf" Kurti bekommt einen Sender, damit Forscher seine Wege verfolgen können.
Der zu den "Problemwölfen" zählende Kurti wird betäubt und bekommt einen Sender, damit Forscher seine Wege verfolgen können. Bildrechte: MDR/WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner, honorarfrei
Neugierige Wolfswelpen im Winterfell sind leicht mit ausgewachsenen Raubtieren zu verwechseln.
Neugierige Wolfswelpen im Winterfell sind leicht mit ausgewachsenen Raubtieren zu verwechseln. Bildrechte: MDR/WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner
Zwei Wölfe stehen nebeneinander
Ein Film mit überraschenden Einsichten und einzigartigen, zum Teil noch nie im Fernsehen gezeigten Bildern von wilden Wölfen in Deutschland. Bildrechte: Colourbox.de
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Ein Wolf
In den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zum Beispiel leben laut dem aktuellen Monitoring 18 Rudel und vier Wolfspaare. Bildrechte: dpa
Die Wölfe sind zurückgekehrt und breiten sich in Deutschland aus. Ob in Niedersachsen, Sachsen oder jüngst in Nordrhein-Westfalen, allerorten werden die Raubtiere gesichtet. Derzeit gibt es 73 Rudel sowie 29 Paare, insgesamt etwa 800 Tiere – und immer mal wieder Begegnungen zwischen Mensch und Wolf. Schäfer beklagen Verluste, Dorfbewohner fürchten um ihre Kinder, Politiker von CDU, SPD, FDP und AfD schlagen Alarm und fordern inzwischen den Abschuss von Wölfen und eine Obergrenze für ihren Bestand. Alles nur Hysterie? Oder geht von Wölfen tatsächlich eine Bedrohung aus? Stimmt der Eindruck, dass sich Wölfe in Deutschland unkontrolliert ausbreiten und eine Gefahr darstellen?

Monatelang hat Filmautor Herbert Ostwald mit Wolfsforschern, Bürgermeistern, Dorfbewohnern, Tierfilmern und Schäfern gesprochen, um Antworten zu bekommen. Seine Recherchen zeigen ein wesentlich differenzierteres Bild, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Manches Missverständnis beruht auf der verbreiteten Annahme, Wölfe seien scheu. Tatsächlich sind sie "von Natur aus neugierig, aber auch vorsichtig", so Tierfilmer Sebastian Koerner, der seit vielen Jahren Wölfen so nahe gekommen ist wie niemand sonst.

Fakt ist: In den 20 Jahren, seit Wölfe in Deutschland wieder heimisch sind, gab es keinen einzigen Angriff auf Menschen, keinen einzigen Verletzten. Der heimgekehrte Räuber ist so gut erforscht wie kaum ein anderes Wildtier: Hunderte Wolfsberater sammeln bundesweit täglich Spuren, die akribisch ausgewertet werden. Dadurch haben Wolfsforscher einen guten Überblick, welche Tiere sich wo niederlassen.

Wenn Wölfe trotzdem ein unnormales Verhalten zeigen, können Behörden schon heute dank vorhandener Managementpläne einzelne "Problemwölfe" erschießen lassen. Für Nutztierhalter gibt es Subventionen für Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Hat der Wolf dennoch ein Schaf gerissen – und ist das beweisbar – gibt es Ausgleichszahlungen. Allerdings müssen viele Schäfer für den Schutz ihrer Tiere einen erheblichen Aufwand betreiben und bleiben auf einem Teil der Folgekosten sitzen.

Jagd auf Wölfe halten Forscher trotzdem für Unsinn. Denn die Zahl der Raubtiere reguliere sich allein über ihr Nahrungsangebot und die Reviergröße. In einem Revier pendelt die Größe des Rudels immer zwischen etwa zwei und fünfzehn Tieren, einwandernde Konkurrenten werden vertrieben. Die Zahl der Wölfe bei uns wird weiter zunehmen: Die Tiere sind in der EU streng geschützt. Der Abschuss von Problemwölfen wird erst dann leichter möglich sein als heute, wenn das Überleben der einst ausgerotteten Art gesichert ist.

Ein Film mit überraschenden Einsichten und einzigartigen, zum Teil noch nie im Fernsehen gezeigten Bildern von wilden Wölfen in Deutschland.

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