Soldaten in der Grundausbildung marschieren
Bei der Bundeswehr wurden vermehrt Verdachtsfälle von sexuellen Straftaten angezeigt. Bildrechte: dpa

Angezeigte Fälle Mehr sexuelle Gewalt bei der Bundeswehr

In der Bundeswehr ist die Zahl der Vergewaltigungsvorwürfe stark angestiegen. Verteidigungsministerin von der Leyen geht davon aus, dass es nicht mehr Vorfälle gibt, sondern dass mehr Opfer die Taten anzeigen.

Soldaten in der Grundausbildung marschieren
Bei der Bundeswehr wurden vermehrt Verdachtsfälle von sexuellen Straftaten angezeigt. Bildrechte: dpa

Bei der Bundeswehr ist in diesem Jahr die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe stark angestiegen. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" nahmen vor allem die gemeldeten Verdachtsfälle von Vergewaltigung zu. Die Zeitung beruft sich dabei auf Zahlen aus dem Bundesverteidigungsministerium.

Demnach wurden bis Mitte November elf Vorfälle angezeigt, bei denen ein Bundeswehrangehöriger eine Soldatin oder Soldaten vergewaltigt haben soll oder dies zumindest versucht habe. Im gesamten Vorjahr gab es fünf Fälle.

Bis September wurden 187 sexuelle Übergriffe angezeigt. 2016 waren es insgesamt 128 Fälle. Die Vorwürfe reichen vom Berühren des Oberschenkels bis zur Vergewaltigung. Aufgenommen sind dabei auch Vorfälle, die vor 2017 lagen, aber noch einmal gemeldet wurden, weil die Betroffenen nicht zufrieden waren, wie mit dem Vorwurf umgegangen wurde.

Von der Leyen: Tabus werden aufgebrochen

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht am 10.06.2017 auf dem Truppenübungsplatz nahe der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) zu Soldaten, die zuvor eine Gefechtsübung vorgeführt hatten. Die Bundeswehr präsentiert sich am «Tag der Bundeswehr» den Bürgern und öffnete an 16 Standorten die Tore der Kasernen.
Ursula von der Leyen besucht Soldaten in Augustdorf (NRW). Bildrechte: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geht aber nicht davon aus, dass es plötzlich viel mehr Vergewaltigungen gibt. Vielmehr habe sich die Dunkelziffer verringert, weil immer mehr Opfer die Tat anzeigen. Von der Leyen sagte der Zeitung: "Sexuelle Übergriffe, die wir in der Gesellschaft ächten, ahnden wir ebenso in der Bundeswehr. Wir wollen in der Truppe ein Klima der Offenheit, in dem sich jeder und jede traut, Unrecht und Gewalt zu melden." Es sei ein positives Zeichen, dass Vorgesetzte und Mannschaften häufiger Vorfälle anzeigten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im : Radio | 19.11.2017 | 04:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2017, 11:56 Uhr

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4 Kommentare

19.11.2017 13:31 Georgi 4

Da will man garnicht wissen, wie die dann erst mit den Menschen umgehen, denen sie rund um die Welt mittels Panzern die Demokratie beibringen...
Bei all den zur Normalität gewordenen Skandalen um Vergewaltigungen, Ekel-Rituale und NS-Ideologie beim Bund, helfen auch keine Millionen teuren Propaganda-Filmchen um Rekruten auf bewaffneten Abenteuerurlaub mehr.
Zum Glück konnte ich meinem Sohn ausreden, sich da verpflichten zu lassen.

19.11.2017 12:32 Demokrat 3

Wenn eine Spitzenpolitikerin in diesen neubraunen Zeiten eine solche Verharmlosung von Sexualstraftaten in Bezug auf Ausländer geäußert hätte, dann wären hier breits tausende hasserfüllte Kommentare zu lesen und die Ministerin müsste schon bald zurücktreten. Aber in diesen braunen Zeiten ist es eben auch so, dass ein nassiver Anstieg sexueller Straftaten durch weiße Deutsche in Uniform offenbar kaum einen der hyperaktiven rechten Trolle und Wähler kratzt.

19.11.2017 12:25 Gohlis 2

Grundsätzlich ist es gut, dass mehr Fälle gemeldet werden und eine Enttabuisierung stattzufinden scheint. Angesichts eines gesellschaftlichen Klimas, in dem Wörter wie "Sexuelle Gewalt", "Sexismus" und "Diskriminierung" ausschließlich weiblich verortet werden, bleibt der Artikel aber verschwommen. Z.B.: In wie vielen der 11 genannten besonders schweren Fälle sind Männer die Opfer?

19.11.2017 08:53 Volkmar 1

Schönrederei von vdL ! Wenn mehr Übergriffe angezeigt werden, dann ist ja wohl die Voraussetzung das auch mehr Übergriffe Stattgefunden haben. Soviel Genie beherrscht unsere Landesverteidigung.

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