Leere Sitzreihen in einem Kinosaal
Vor zehn Jahren seien mehr Menschen ins Kino gegangen als heute, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Bildrechte: imago images / Frank Sorge

Immer weniger Kinobesucher Bundesregierung will Kinos helfen

Große gemütliche Sitze, Popcorn und ein guter Film auf riesiger Leinwand. Ein Besuch im Kino ist doch eigentlich ein besonderes Erlebnis. Doch die Zeiten scheinen vorbei: In Zeiten zunehmender Konkurrenz durch Streaming-Dienste wie Netflix, die uns Hollywood zu jeder Zeit auf den heimischen Flachbildschirm bringen, scheint das Kino an Reiz zu verlieren. Die Besucherzahlen sind jedenfalls gesunken. Nun will die Bundesregierung den Kinos finanziell unter die Arme greifen.

von Kristin Kielon, MDR AKTUELL

Leere Sitzreihen in einem Kinosaal
Vor zehn Jahren seien mehr Menschen ins Kino gegangen als heute, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Bildrechte: imago images / Frank Sorge

Mit aufwendigen Kampagnen und Spots werben Kinoverbände um Besucher. Denn die haben offenbar immer weniger Lust auf Kino: Nur noch knapp 37 Prozent der Deutschen gingen mindestens einmal im Jahr ins Kino, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters der "Süddeutschen Zeitung". Vor zehn Jahren seien es noch 45 Prozent gewesen.

Bundesregierung plant Soforthilfe

Damit es so wieder mehr Menschen geht, plant Grütters ein Soforthilfe-Programm vom Bund. Fünf Millionen Euro in diesem Jahr, und im nächsten soll es bis zu 17 Millionen Euro geben. Christian Bräuer begrüßt diese Initiative. Er ist nicht nur Vorsitzender der AG Kino, dem Branchenverband der deutschen Filmkunsttheater, sondern auch Geschäftsführer mehrerer Kinos, unter anderem des Programmkinos Ost in Dresden.

"Also das ist ganz toll, dass man letztlich auch die Rolle des Kinos als Kulturort anerkennt. Und Kinos sind einfach teure Orte: Es sind technikgetriebene Betriebe, es sind Spezialimmobilien. Und gerade für traditionelle Kinos ist die Erlösstruktur, wie sie sich jetzt aufstellt, nicht ausreichend, um diese Orte angemessen zu modernisieren."

Was die Kinos selbst tun können

Denn das müssten die Kinos zwingend tun, um sich gegen die Herausforderungen der digitalen Welt mit Streamingdiensten wie Netflix und Co. zu rüsten. Wenn Kinos ansprechende Foyers, schöne Säle und vor allem ein vielfältiges Angebot hätten, würde das nachhaltig mehr Besucher anziehen. Das zeige sich an vielen Orten – im Bereich Filmkunst hat es Bräuer zufolge sogar ein Besucherplus von zehn Prozent gegeben.

Doch auch ins Marketing müssten viele Häuser deutlich investieren, sagt Bräuer. "Ich bin nicht pessimistisch, was die Zukunft des Kinos anbetrifft, aber ich sehe auch, dass das sehr große Herausforderungen sind, die wir – die Kinos – bewältigen müssen, dass wir in einer digitalen Welt, auch mit verstärkter, teils sehr aggressiver digitaler Konkurrenz, bestehen können."

Wird das Kino überleben?

Kino überlebe vor allem, weil es ein kultureller Ort sei und auch ein sozialer Ort, an dem Menschen zusammenkämen, erklärt Bräuer. Das habe sich schon bei den Herausforderungen durch Fernsehen und Video gezeigt.

"Natürlich spüren wir die Veränderungen, spüren neue digitale Angebote. Auf der anderen Seite sehen wir, dass dort, wo Kinos ein Programm nah am Publikum machen, wo Kinos tolle schöne Orte gestaltet haben, durchaus auch sehr positive Entwicklungen haben."

Doch diese schönen Orte müssen die Besucher dann auch finden. Deshalb liegt ein Augenmerk von Kulturstaatsministerin Grütters auf dem Marketing. Die Soforthilfe soll den Kinos also auch helfen, ihre Kunden an sich zu binden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2019 | 06:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 10:51 Uhr

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9 Kommentare

03.08.2019 09:16 die Nachtigall trappst schon wieder 9

Hervorragende Idee. Die paar Konzerne als Zeitungs-Verlage fördert man ja auch über Stütze für die Zeitungsausträger, damit die wiederum uns, und unsere Werte-Demokratie unterstützen, und nicht etwa noch das Falsche schreiben, was wiederum Mühlen auf das Wasser wäre. Eine Hand wäscht besser als die Andere, oder so. Man muss jede Gelegenheit nutzen, mit politischer Bildung auch die, die für unsere freien und unabhängigen Medien nicht mehr erreichbar sind, oder sich sogar als x-beliebige Feinde verweigern, wieder auf den guten Weg zu bringen. Am Geld kann es nicht scheitern, da sind in weiser Voraussicht 200 Mill. gegen die Nixversteher und Widersacher unserer Werte-Demokratie Beiseite gelegt - als allerbestegute Tat. Sowas wie eine Neuauflage der "Wochenschau" oder "Augenzeuge". Natürlich mit modernisierten Namen, wie "Demokratie-Fakt", "Fakten-Beobachter", "Mit-Denker", "Demokratie-Schutz-Kino".

01.08.2019 17:51 Eulenspiegel 8

„Bundesregierung will Kinos helfen“
Ja aber nicht für Cineast und CO.
In unserer Stadt gibt es ein keines Programmkino. Da haben sich vor über 30 Jahren ein paar junge Leute zusammengefunden und haben ein altes Kino aus den 50 ger Jahren neu belebt. Also reich werden diese Leute damit nicht. Sie haben aber immer ein interessantes Angebot an anspruchsvollen Filmen. Und sie haben in diesem Kino ihre Erfüllung gefunden. Das ist beispielsweise ein Form von Kino die förderungswürdig ist.

01.08.2019 13:38 Uborner 7

Wenn die Kinos fast ausschließlich nur noch amerikanischen Hollywoodscheiß und Klamauk bringen brauch ich auch nicht mehr nach dem Programm gucken.
Wer sich so selbst abschießt muß halt untergehen. Ferdsch.

01.08.2019 12:40 Spottdrossel 6

Reine Geldverschwendung! Wer braucht in Zeiten von Streamingdiensten und hochwertiger Heimkinotechnik noch den ollen, muffigen Kientopp???

01.08.2019 10:49 Howard 5

Was soll schon wieder das Gerede um Subventionen für martwirtschaftliche Einrichtungen? Ich kann gut verstehen wenn Theatern, Opern und Einrichtungen für die bildende Kunst seitens des Staates unter die Arme gegriffen wird. Auch die Unterstützung für Vereine und Institutionen welche Programmkinos betreiben ist nachvollziehbar. Hier hat der Staat eine Verpflichtung gegenüber einer breiten kulturellen Bildung der Bevölkerung. Aber Subventionen für martwirtschaftlich geführte Unternehmen wie Cinestar oder Cineplex, welche sich in kartellrechtlich bedenklicher Weise die Gebiete in Deutschland aufgeteilt haben, ist grundweg abzulehnen. Es gibt da wahrlich wichtigeres als solche "Dinosaurier" künstlich am Leben zu halten.

01.08.2019 09:35 Critica 4

Das geht "in die Hose", und das Geld muss man nicht an dieser Stelle ausgeben.

01.08.2019 09:32 Michael Möller 3

Geld für Kinder; Rentner und Vollbeschäftigt ohne fairen Lohn die Aufstocken müssen , da ist kein Geld da. jedoch für Banken ,Firmen und jetzt auch noch für Kinos. das verstehe wer will ich nicht . keine Steuergelder mehr für so etwas ausgeben. das Volk sollte entscheiden ob es bereit wäre diese zu unterstützen und nicht mehr die Politiker. den diese kann man nicht vertrauen. statt seriös mit den Steuergeldern um zugehen werden diese von den Politikern nur veruntreut bzw. verschwendet. es reicht würde ich sagen. und noch etwas viele Menschen und Familien können sich mit dem zur Verfügung stehenden Geld keinen Kinobesuch mehr leisten. das würde ich als Hauptgrund sehen.

01.08.2019 08:46 MarcIl 2

Betrifft mich indirekt, bin Cineast, gehe aber kaum bis nie ins Kino. Dort bekomme ich mehrheitlich amerikanisch Mainstream oder nachgemachtes angeboten oder zugemutet. Wie am TV Einerlei hab ich dafür kein Interesse. Interessiert mich mal ein Film kann ich sicher sein, weit fahren zu müssen um ihn zu Gesicht zu bekommen, zuletzt bei dem auch von Euch vorgestellten Stan & Laurel Film, der mit viel Wohlwollen ansehbar war. In digitaler Zeit müsste die Zeit der "Rollen" doch vorbei sein. Auch im bereich Klassiker würde noch Luft bestehen, von DEFA Klassikern bis hin zu den großen Regisseueren wie Chaplin könnte mich einiges ins Kino bewegen. Babylon Berlin macht das manchmal. Aber auch weit weg.

01.08.2019 07:37 hercule 1

Das Problem ist nicht Netflix und Co nein das Problem ist einfach der Preis den man bezahlt. Wie kann es sein das ne mittlere Cola und Popcorn 17 Euro kostet im Kino ? Das ist mehr als der Eintritt