Kräne stehen auf einer Baustelle für Wohnhäuser.
Prognosen gehen von einem erheblichen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen aus. Bildrechte: dpa

Vor "Wohngipfel" Steueranreize sollen Wohnungsbau ankurbeln

Die Bundesregierung will den Mietwohnungsbau durch eine befristete Sonderabschreibung fördern. Bauherren können fünf Prozent der Kosten einer neuen Mietwohnung zusätzlich bei der Steuer geltend machen - jedoch nicht für Luxuswohnungen. Der Städtetag forderte kurz vor dem "Wohngipfel" im Kanzleramt vom Bund ein dauerhaftes Milliarden-Programm für den sozialen Wohnungsbau.

Kräne stehen auf einer Baustelle für Wohnhäuser.
Prognosen gehen von einem erheblichen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen aus. Bildrechte: dpa

Steueranreize für Investoren sollen den Mietwohnungsbau in Deutschland ankurbeln. Die Bundesregierung brachte eine bis 2022 befristete Sonderabschreibung auf den Weg. Damit können Bauherren jeweils fünf Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten einer neuen Mietwohnung zusätzlich bei der Steuer geltend machen.

Zusammen mit der üblichen jährlichen Abschreibung von zwei Prozent können sie somit in den ersten vier Jahren 28 Prozent bei der Steuer absetzen. Dafür muss die Wohnung zehn Jahre vermietet werden. Eine Mietenobergrenze für die geförderten Wohnungen ist in dem Gesetzentwurf nicht vorgesehen. Der Bundestag muss das Vorhaben noch beschließen.

Keine Förderung für Luxuswohnungen

Die Bundesregierung erwartet durch den Steuernachlasse Mindereinnahmen von etwa 235 Millionen Euro jährlich. Die Förderung gilt für Bauanträge oder Bauanzeigen nach dem 31. August 2018 und vor dem 1. Januar 2022.

Luxuswohnraum soll nicht gefördert werden: Den Steuernachlass gibt es nur, wenn die Anschaffungs- und Herstellungskosten 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigen. Für die Sonderabschreibung geltend machen können Investoren jedoch höchstens 2.000 Euro pro Quadratmeter.

Anders als eine 2016 gescheiterte weitaus höhere Sonderabschreibung ist die nun geplante Förderung nicht auf Regionen mit einem angespannten Wohnungsmarkt beschränkt.

Kommunen fordern dauerhaft Milliarden für Wohnungsbau

Die Kommunen fordern indes vom Bund dauerhaft jährlich zwei Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau. Städtetagspräsident Markus Lewe sagte der "Rheinischen Post", der Bund müsse sein finanzielles Engagement in der sozialen Wohnungspolitik über 2021 hinaus fortsetzen.  

Die bisherigen Planungen des Bundes sehen vor, im Jahr 2019 die Mittel für den Wohnungsbau auf 1,5 Milliarden und 2020 sowie 2021 auf zwei Milliarden Euro aufzustocken.

Der Münsteraner Oberbürgermeister rief zugleich Bund und Länder auf, Bauflächen für bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Außerdem sollten das Bauordnungsrecht vereinfacht und Umwelt- und Baurecht besser aufeinander abgestimmt werden. Am Freitag ist im Kanzleramt ein "Wohngipfel" mit Vertretern von Ländern, Kommunen, Wohnungs-, Immobilien- und Bauwirtschaft geplant.

Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Wir müssen hier unverzüglich handeln, damit in dieser Legislaturperiode 1,5 Millionen Wohnungen neu gebaut werden.

Horst Seehofer (CSU): Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat

Bsirske: Wohnungsmarkt stärker regulieren

Die Gewerkschaft Verdi verlangte eine "wohnungspolitische Kehrtwende".

Verdi-Chef Frank Bsirske sprach sich ebenfalls für eine stärkere Rolle der öffentlichen Hand bei der Gewährleistung bezahlbaren Wohnraums aus. Dabei sollten genossenschaftliche und gemeinnützige Wohnungsunternehmen eine zentrale Rolle spielen.

Konkret verlangte Bsirske eine strengere Regulierung des Wohnungsmarktes und der Mietpreise. Die Zahl der Sozialwohnungen sinke seit Jahren, weil Wohnungen aus der Preis- und Mieterbindung herausfielen. Koalitionsvorhaben wie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau oder das Baukindergeld kritisierte der Verdi-Chef als "teuer" und "nicht zielführend".  

Um den Wohnungsbau anzukurbeln sei aber auch mehr Personal bei den Behörden nötig, moniert Bsirske. Zwischen 1991 und 2010 sei in den Kommunalverwaltungen jede dritte Stelle für Infrastrukturaufgaben abgebaut worden. Bis 2015 sei die Beschäftigtenzahl erneut um knapp neun Prozent gesunken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. September 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 11:22 Uhr

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8 Kommentare

20.09.2018 06:57 ein schon länger in Deutschland lebender 8

@Peter 4

was hat ihre Antwort vorhandenen Wohnraum zu nutzen mit Rassismus zu tun?

sie sind mir schon ein Schlingel das hier einzubauen ;-)

19.09.2018 20:03 Peter 7

@6: Sie sollten eigentlich festgestellt haben, dass ich dem User @3 geantwortet habe.
Na ja, bestimmte Konsequenzen hört man halt nicht gern.
Die Jugend stimmt halt mit den Füßen ab, wenn die Älteren mit dem Stift abstimmen.

19.09.2018 19:08 Altmeister 50 6

@ 4 Peter
Es bedarf schon einer speziellen Fähigkeit oder Unfähigkeit, das Thema Wohnungsbauförderung in den Kontext zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu stellen.
Als mdr- Redakteur hätte ich geantwortet: "Bitte bleiben Sie beim Thema und halten Sie sich mit Propaganda zurück".

19.09.2018 16:33 Wutbürger 5

Bla...bla...bla...Seit wievielen Jahrzehnten versprechen ie C- und S-Parteien Besserung???????? Warum versprechen ich die Menschen bei jeder Wahl Besserung von denen, die für die Probleme verantwortlich sind? Bei der geplanten Zwangsräumung ihrer Wohnung hat sich eine 70-jährige Frau aus Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) am Mittwochvormittag in den Tod gestürzt. Die Rentnerin sprang aus dem siebten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Georg-Rost-Straße in Lerbeck. Finde den Fehler!

19.09.2018 14:39 Peter 4

@3 D.o.M.: Auch diesbezüglich zitiere ich gern noch einmal den Wirtschaftsforscher Fratzscher (heute in der LVZ): "Der unverdeckte Hass verursacht riesige wirtschaftliche Schäden. Er könnte den Anstoß für eine Spirale nach unten geben. Denn was macht eine Region wirtschaftlich erfolgreich? Es sind die drei Ts: Technologie, Talent und Toleranz. In der Technologie ist Deutschland super, auch im Osten. Bei den Talenten bekommen Städte, die wie jetzt Chemnitz durch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auffallen, ein Riesenproblem. Denn die Mehrheit der Deutschen will unter solchen Vorzeichen dort nicht hin, junge Menschen gehen weg."

19.09.2018 12:43 D.o.M. 3

Wie wäre es denn mal damit, Arbeitsplätze dorthin zu bringen, wo massenhaft Wohnraum leer steht ?
Dem Drang in die Ballungszentren durch Wohnraumbau nachzugeben heißt, diesen Drang noch zu beflügeln

19.09.2018 11:07 Fragender Rentner 2

Das ist doch von vielen Kommunen verlogen, erst den alten Bestand verscheuern und nun nach neuen Geld rufen !!! :-(((

Und so manche Stadt hat sich noch groß gerühmt wir haben keine Schulden mehr! :-(

Die bekommen jetzt bestimmt auch nicht das gesammte Geld für den sozialen Wohnungsbau, müssen doch auch wieder Kredite aufnehmen.

19.09.2018 10:51 Matthias 1

Ich freu mich schon auf viele Hanoi´s , Grünau`s und Marzahn`s .. weil sowas wird wie zu Ostzeiten , Betonbunker , schnell und billig musses sein … sollen die Politiker die das verteufelt haben , noch mal den Zeigefinger erheben , denn jetzt wird's neu erfunden ..