Coronavirus Sars-CoV-2 Spahn rechnet mit Ausbreitung von Coronavirus

Nach den tödlichen Covid-19-Fällen in Italien rechnet die Bundesregierung mit einer Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus in Deutschland. Gesundheitsminister Spahn spricht von einer "sehr, sehr dynamischen Lage".

Jens Spahn (CDU, r), Bundesgesundheitsminister, spricht bei einer Pressekonferenz über die Situation in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Italien und zu möglichen Reaktionen in Deutschland.
Bundesgesundheitsminister Spahn: Corona ist als Epidemie angekommen. Bildrechte: dpa

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 im Norden Italiens bereitet sich die Bundesregierung auch auf eine gravierendere Lage in Deutschland vor.

Spahn: Corona als Epidemie angekommen

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte: "Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen." Man müsse damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten könne. Die "sehr, sehr dynamische Lage" deute darauf hin, dass sich das Virus in Form einer Pandemie ausbreite. Auch die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer "möglichen Pandemie". Es sei sehr ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend.

Weitere Schutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister
Spahn: Theoretisch vieles denkbar Bildrechte: dpa

Zugleich erklärte Spahn, Deutschland sei bestmöglich vorbereitet und verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, das Jahr für Jahr auch die Grippewellen erfolgreich bewältige. Zunächst solle in Deutschland weiter versucht werden, jeden infizierten Patienten zu identifizieren und zu isolieren. Bei einer stärkeren Ausbreitung seien weitere Schutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen.

Auf die Frage, ob ganze Städte abgeriegelt werden könnten, sagte der CDU-Politiker, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht. Bei Maserninfektionen würden auch keine Städte gesperrt, obwohl Masern ansteckender als Corona seien.

Von der Absage von Großveranstaltungen, der Schließung von Einrichtungen wie Schulen oder Kitas bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen.

Spahn: Jeder kann etwas gegen Ausbreitung tun

Spahn betonte: "Wir reagieren jederzeit angemessen und verhältnismäßig" und fügte hinzu, jeder könne dazu beitragen, dass sich das Virus nicht ausbreite: Wichtig sei es, mehrmals am Tag gründlich die Hände zu waschen, beim Husten andere zu schützen und sich nicht selbst ins Gesicht zu fassen.

Keine Grenzschließungen - aber Reisehinweise

Auch Grenzschließungen plant die Bundesregierung derzeit nicht. Entsprechende Überlegungen gebe es im Bundesinnenministerium nicht, sagte ein Ministeriumssprecher. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts verwies auf geänderte Reisehinweise für Italien, nach denen man sich vor einem Reiseantritt gegebenenfalls beim italienischen Gesundheitsministerium unter der Telefonnummer + 39 1500 oder bei der betroffenen Region Lombardei unter 800 894545 informieren solle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 24. Februar 2020 | 19:30 Uhr