Eine Hand hält drei Organspendeausweise.
Bislang gilt in Deutschland: Ohne Organspendeausweis keine Organspende. Bildrechte: IMAGO

Erst Debatte im Bundestag Spahn für Widerspruchslösung bei Organspende

Rund 10.000 Menschen in Deutschland warten auf eine Organspende, doch im vergangenen Jahr gab es nur 800 Spender. Bundesgesundheitsminister Spahn plant daher eine Gesetzesänderung. Künftig soll jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht. Doch vor einem Gesetzentwurf möchte Spahn erst eine Debatte im Bundestag. Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach kritisiert die Zögerlichkeit.

Eine Hand hält drei Organspendeausweise.
Bislang gilt in Deutschland: Ohne Organspendeausweis keine Organspende. Bildrechte: IMAGO

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will bei der Organspende die sogenannte Widerspruchsregelung durchsetzen. Der CDU-Politiker sagte der "Bild"-Zeitung, künftig sollte jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, so lange er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen. Nur mit der Widerspruchslösung könne die Organspende zum Normalfall werden. begründete Spahn seinen Vorschlag.

Die Widerspruchslösung stelle zwar einen Eingriff des Staats in die Freiheit des Einzelnen dar, räumte der Minister ein. Doch seien alle bisherigen Versuche der Politik, die Zahl der Organspenden zu erhöhen, erfolglos geblieben.

In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, sodass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

Erst Debatte, dann Gesetz

Jens Spahn
Will erst eine Debatte über die Widerspruchslösung und dann einen Gesetzentwurf vorlegen: Jens Spahn Bildrechte: imago/Müller-Stauffenberg

Einen eigenen Gesetzentwurf will Spahn allerdings noch nicht in den Bundestag einbringen. Es fordert zuvor eine Diskussion dazu im Parlament und eine breite gesellschaftliche Debatte über eine Widerspruchslösung.

Spahn rief auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, in die Diskussion über die Organspende einzusteigen: "Ich bin sehr gespannt auf ihre Meinung", sagte der CDU-Parteikollege.

Merkel begrüßt Debatte

Kanzlerin Angela Merkel reagierte am Montag umgehend auf Spahns Aufforderung. Über Regierungssprecher Steffen Seibert ließ sie mitteilen, dass es richtig sei, eine solche Debatte im Bundestag zu führen. Welche Position Merkel vertritt, blieb allerdings offen. Regierungssprecher verwies darauf, dass die Kanzlerin in der Vergangenheit mehrfach für Organspenden geworben habe.

Zunächst mehr Geld für Kliniken

Das Gesundheitsministerium hat bereits einen Gesetzentwurf erarbeitet, um durch eine bessere Vergütung der Krankenhäuser die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Zudem ist eine Stärkung der vor wenigen Jahren eingeführten Transplantationsbeauftragten vorgesehen.

Lauterbach fordert Tempo

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte es unverständlich, warum Spahn die Widerspruchslösung nicht in seinen Gesetzentwurf integriert habe. Lauterbach sagte der "Passauer Neuen Presse", ohne Widerspruchslösung werde die Zahl der Organspender nicht steigen. Sie sei notwendig, um viel Leid abzuwenden. Erforderlich sei deshalb auch schnelles Handeln.

Es ist doch nicht unethisch, von einem Menschen, der im Notfall gern das Organ eines anderen hätte, selbst Spendenbereitschaft vorauszusetzen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Organspende Rund 10.000 Menschen in Deutschland warten auf eine Organspende. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Stiftung Eurotransplant allerdings nur etwa 800 Spender. Und das Missverhältnis wird immer drastischer: Von 2016 auf 2017 sank die Zahl der Spender um acht Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. September 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2018, 18:11 Uhr