Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Notaufnahmen in Krankenhäusern sollen entlastet werden. Bildrechte: dpa

Neuorganisation Gesetzentwurf für Reform der Notfallversorgung

Notaufnahmen in Krankenhäusern sind oft überlastet, weil dort auch Patienten landen, die keine Notfälle sind. Die von Gesundheitsminister Spahn geplante Reform der Notfallversorgung nimmt nun Gestalt an. Zentraler Punkt ist eine bessere Vorauswahl akuter und weniger dringender Fälle.

Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Notaufnahmen in Krankenhäusern sollen entlastet werden. Bildrechte: dpa

Zur Entlastung von Notaufnahmen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Gesetzentwurf für eine Neuorganisation der medizinischen Notfallversorgung vorgelegt. Wie Zeitungen der Funke Mediengruppe melden, sollen Hotlines wie die 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116  117 für Termine bei niedergelassenen Ärzten zusammengelegt werden.

Wann die 116 117 wählen?

Bei einer Erkrankung, bei der man gewöhnlich den Hausarzt oder einen anderen niedergelassenen Arzt in einer Praxis aufsuchen würde, die Behandlung aber nicht bis zum nächsten Tag warten kann, ist der ärztliche Bereitsschaftsdienst zuständig. Dazu gehören nach eigenen Angaben Erkältungen mit hohem Fieber, Magen-Darm-Erkrankungen, Hals- und Ohrenschmerzen, akute Rückenschmerzen usw..

Unter der Nummer 116 117 kann der Dienst außerhalb der gewöhnlichen Praxisöffnungszeiten und am Wochenende erreicht werden. Ist man sich nicht sicher, ob man den Bereitschaftsdienst oder den Notruf unter der 112 anrufen sollte, kann man auch den Bereitsschaftsdienst anrufen. Dieser ist an die Rettungsleitstelle angebunden und kann bei medizinischer Dringlichkeit weiterleiten.

Vorauswahl dringender von weniger akuten Fällen

Geplant ist demnach, dass Patienten sofort eine erste Einschätzung bekommen, ob ihnen in einer Klinik oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann.

Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Bildrechte: dpa


Parallel sollen "Integrierte Notfallzentren" (INZ) in Krankenhäusern eingerichtet werden, die von den Kliniken und den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden sollen. Patienten sollen dort je nach Schwere der Erkrankung sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiter behandelt werden. Spahn erläuterte: "Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte." Das führe zu unnötigen Wartezeiten für akute Fälle.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 07:43 Uhr

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14 Kommentare

23.07.2019 03:18 Querdenker 14

Zitat: „Wie Zeitungen der Funke Mediengruppe melden, sollen Hotlines wie die 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 für Termine bei niedergelassenen Ärzten zusammengelegt werden.“

Ist doch schon heute so, das man bei 112 ggf. zum ärztliche Bereitschaftsdienst weiter verbunden wird. Insofern stellt sich die Frage, ob hier viel Lärm um wenig gemacht wird?

Zitat: „… Krankenhäusern … ... Patienten sollen dort je nach Schwere der Erkrankung sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiter behandelt werden.“

Das ist durchaus sinnvoll. Hätte man aber auch vor etwa 20 Jahren schon drauf kommen können. Diese Lösung liegt ja nahe. Insofern stellt sich die Frage, welche Regierungsparteien da so viele Jahre versagt haben?

Ein Bienchen kann der Jens Spahn (CDU) dafür deswegen nicht erwarten.

22.07.2019 20:52 Andreas 13

Irgendwas muss schon gemacht werden. Es ist dort halt zu voll und nur wenige sind wirkliche Notfälle. Für manche ist halt ne Grippe auch ein Notfall. Und egal was passiert gemeckert wird eh immer.

22.07.2019 19:29 colditzer 12

Warum lassen wir Probleme nicht von Ärzten und Medizinern klären?
Warum versuchen sich im medizinischen Bereich immer Menschen mit Null Ahnung?
Wann gibt der Herr Minister den Chirurgen kluge Ratschläge bei den Operationen am offenen Herzen?
Motto:
"Wähle 3 3 3 und ich bin dabei...

22.07.2019 19:27 Carolus Nappus 11

@Arbeitende Rentnerin: Doch doch, dass sind schon in der Mehrheit noch Exemplare aus der Urbevölkerung. Und natürlich kostet dann auch das Sortieren erstmal Zeit und die sinnlosen Dialoge mit den Exemplaren, die das nicht einsehen.

22.07.2019 18:36 Alice Merkur 10

Gut so. Gibt es schon in Suhl und funktioniert gut.

22.07.2019 17:11 Schneemann - lieber "rechts" als käuflich 9

"Geplant ist demnach, dass Patienten sofort eine erste Einschätzung bekommen, ob ihnen in einer Klinik oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann. "

Tja dann lade ich euch mal ins schöne Erzgebirge ein. Wo es nicht nur an Polizei, Lehrern, Fachkräften, Pflegekräften und und und mangelt sondern auch an Fachärzten. Und man gezwungenermaßen in die Notaufnahme muß.

22.07.2019 14:22 Martin 8

Die 112 ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst -
und so sollte es auch in Zukunft bleiben.

22.07.2019 14:15 Komet 7

Meine tägliche Erfahrung sagt mir, dass den Ministerialbürkraten mit diesem Vorhaben nichts praxistaugliches eingefallen ist, es sei denn, in den Leitstellen sitzen Hellsehr, die aus der Ferne beurteilen können, ob es sich um wahre Notfälle handelt. Das Problem des Fachkräftemangels bzw. der ungünstigen Verteilung der Leistungserbringer wird damit nicht gelöst. Purer Aktionismus also!

22.07.2019 12:21 Arbeitende Rentnerin 6

Wenn ich noch zum Hausarzt laufen kann und der auch zufällig aufhat, brauche ich natürlich keine Notaufnahme. Sollte ich aber wirklich mal in Not sein, erwarte ich allerdings Hilfe und keine neunmalklugen Ratschläge. Mit Schnupfen in die Notaufnahme wird hier bei uns zumindest unter der Urbevölkerung wohl die Ausnahme sein. Dort stundenlang mit einem gebrochenen Bein unter starken Schmerzen ist sowieso kein Vergnügen, natürlich haben lebensgefährliche Erkrankungen und schwere Unfälle Vorrang, das kann das Personal aber vor Ort sehr gut selbst sortieren, ist sicherer als am Telefon die Leute abzuwimmeln.

22.07.2019 11:00 Kritischer Bürger 5

+...Wie Zeitungen der Funke Mediengruppe melden, sollen Hotlines wie die 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 für Termine bei niedergelassenen Ärzten zusammengelegt werden....+

Kann man dann schreiben: Verwechslung vorausgesehen, vorprogrammiert? So etwas nenne ich persönlich SCHWACHSINN aus "der Not heraus geboren" Ruft jemand die Feuerwehr unter 112 weil es brennt und am anderen Ende meldet sich dann eine Arztpraxis ein Arzt oder ... naja! Vllt. wäre es zu trennen wenn man NUR MEDIZINISCHEN RETTUNGSDIENST unter 116 117 erreichen kann. Nur wird sich da etwas ändern? NEIN! Die Telefonleitungen würden höchstens heiß laufen. Aber das sei wohl der Preis das man auf dem Lande mit Medizinischen Anlaufpunkten nicht mehr wettbewerbsfähig sen kann und letztendlich das Personal, die Ärzte usw. fehlen. Genau wie in Sachsen-Anhalt medizinische Zentren entstehen sollen mit entsprechenden Ausrüstungen und somit die Kranken nur einige Kilometer weiter gefahren werden.