Gesundheitsversorgung Online-Konkurrenz: Spahn will örtliche Apotheken stärken

Medikamente auf Rezept sollten überall dasselbe kosten. Online-Apotheken können aber mit Rabatten werben. Bundesgesundheitsminister Spahn will das nun mit einem neuen Gesetz unterbinden.

von Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Eine Apothekerin am Verkauftresen erläutert dem Kunden die Wirkung eines Medikamentes.
Online-Apotheken sind derzeit ein starker Konkurrent zu Vor-Ort-Apotheken. Bildrechte: imago/Uwe Steinert

Mit dem Rezept zur Apotheke, ein paar Euro zuzahlen und den Rest übernimmt die Krankenkasse – verschreibungspflichtige Medikamente sollen in Deutschland überall gleich viel kosten.

Diese Preisbindung hat der Europäische Gerichtshof aber vor fast drei Jahren für ausländische Versandhändler gekippt: Das behindere den freien Warenverkehr in der EU, erklärten die Richter. Seitdem gibt es ein Ungleichgewicht.

Das kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon im vergangenen Jahr. Es sei ein unhaltbarer Zustand, "wo die einen alles dürfen und die anderen gar nichts."

Gesetzentwurf liegt schon vor

Jens Spahn
Gesundheitsminister Spahn möchte Apotheken vor Ort mehr stärken. Bildrechte: imago images / Jens Jeske

Nun sollen alle nichts dürfen. Heißt: Es soll bei Online-Apotheken keinerlei Rabatte oder Gutschriften für rezeptpflichtige Medikamente mehr geben. Wie man das umsetzen will, ist in den letzten Monaten viel diskutiert worden.

Die Lösung des CDU-Ministers: Die Preisbindung wird aus dem Arzneimittelgesetz gestrichen und kommt dafür ins Sozialgesetzbuch. Begründet mit der gesetzlichen Krankenversicherung: Rabatte würden das Sachleistungs- und Solidaritätsprinzip unterlaufen, heißt es im Gesetzentwurf, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Zustimmung von EU benötigt

Ob die EU das akzeptiert, da sind nicht alle überzeugt. Das Justizministerium hat Bedenken, berichtet das "Handelsblatt": Deshalb musste Gesundheitsminister Spahn zusichern, dass er sich mit der EU-Kommission austauscht, bevor er seinen Vorschlag in den Bundestag einbringt.

Ein Gesetz ändert nichts am Sachverhalt

Zweifel haben auch die deutschen Online-Apotheken. Für sie gilt, anders als für ihre ausländische Konkurrenz, ebenfalls die Preisbindung. Und natürlich wären sie froh, wenn diese Ungleichheit vorbei wäre, berichtet der Bundesverband Deutscher Versandapotheken.

Aber der Sachverhalt bleibe bestehen, sagt der Geschäftsführer Udo Sonnenberg. Denn die internationalen Versandapotheken wären mit der Entscheidung nicht zufrieden.

Diese hätten zuvor schon ihr Recht erstritten, sich nicht an die deutsche Preisbindung zu halten, ergänzt Sonnenberg. "Insofern ist die Chance, dass da wieder geklagt wird, relativ groß."

Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Apotheken

Besser fänden es die deutschen Versandapotheken, wenn alle Rabatte geben könnten, aber nur innerhalb gewisser Schranken. Das wiederum lehnen die Apotheken vor Ort ab. Eigentlich wollten sie sogar den Onlinehandel für verschreibungspflichtige Medikamente komplett abschaffen. Doch das ist vom Tisch.

Zumindest Rabatte verbieten – das begrüßt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Denn die Befürchtung war: Spätestens wenn das digitale Rezept kommt, würden viele Apotheken vor Ort in die Knie gehen.

Konkurrenzkampf zu stark

Mit den großen ausländischen Versandhändlern könnten sie im Preiskampf nicht mithalten, erklärt ihr Sprecher Reiner Kern. "Das hätte zur Folge, dass das bis jetzt noch recht gute und engmaschige, wohnortnahe Apothekennetz ausgedünnt würde. Und das wiederum würde die Versorgung der Patienten verschlechtern, vor allem die Akutversorgung."

Mehr Geld für Apotheken vor Ort

Stattdessen will der Bundesgesundheitsminister Spahn die Apotheken vor Ort stärken. Deshalb verspricht das Gesetz auch mehr Geld: für eine bessere Betreuung von Kunden, die zum Beispiel viele oder starke Medikamente nehmen, sowie mehr Honorare für Not- und Nachtdienste von Apotheken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 07:46 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

14 Kommentare

18.07.2019 19:01 Carolus Nappus 14

@9: Verbraucherschutz würde man doch auch mit einem Höchstpreis erreichen? Oder muss es dazu unbedingt ein Festpreis sein? Welcher Verbraucher würde denn geschädigt, wenn er den Höchstpreis bezahlt oder aber weniger? Auch die Kassen haben dann hinischtlich der Planungssicrheit erstmal vom erwarteten Bedarf an Medikamenten x Höchstpreis auszugehen. Wenn dann am Jahresende 12,80€ weniger bezahlt wurden, jo mei.

18.07.2019 16:50 ups 13

@12 einfach Unsinn, am Ende zahlt der Verbraucher nur noch mehr.

17.07.2019 22:35 Rheinhesse66 12

Wir brauchen eine Steuer von ca. 20€ für jedes Versandhandelspaket. Zu zahlen vom Endverbraucher, um die Kommunen für die entgangene Gewerbesteuer durch den Versandhandel zu entschädigen. Oder zahlen Holland-Versender in Deutschland Gewerbesteuer? Der Versandhandel mit Medikamenten muss sofort verboten werden. Wir brauchen sofort eine Versandhandelssteuer, die die Kommunen für die verlorenen Steuern entschädigt.

17.07.2019 14:21 Mane 11

Wie immer ,der kleine muß bezahlen,wenn er nicht viel Geld hat.

17.07.2019 12:29 aus Dresden 10

Stärkung des Mittelstandes und der ortsnahen Versorgung: gute Sache

17.07.2019 12:11 Michael Staesche 9

Das Problem, um das es den deutschen Apotheken geht, liegt woanders, aber das kriegt irgendwie niemand verstanden: wenn man Rabatte auf Rezeptzhuzahlungen erlaubt, endet die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente (über die reden wir hier, nicht über Aspirin. Übrigens, wenn ein Medikament auf Rezept weniger als 5€ kostet, zahlt man weniger - den vollen Preis nämlich...). Die Preisbindung sorgt momentan dafür, das man überall in Deutschland das gleiche fürs Medikament zahlt und ist damit gesetzlicher Verbraucherschutz. Sie sorgt für Planungssicherheit bei Kassen und ja, auch bei Apotheken (denn irgendwie leben wollen die auch). Sie sorgt aber auch dafür, das kein Patient erst die billigste Apotheke suchen muß, oder sich ein Medikament nicht leisten kann. Denn, liebe Neoliberale Neider, freie Preise heißt nicht: billiger. Schaut mal nach Amerika (und zwar auch verschreibungspflichtige AM, nicht auf Aspirin), da schlackern euch die Ohren...

17.07.2019 12:05 Susi 8

Wir haben bereits sehr oft feststellen müssen, dass man ein Medikament in einer Apotheke vor Ort leider nicht sofort bekommt; es muss erst bestellt werden. So hat man doppelte Wege. Das ist sehr umständlich und kundenunfreundlich, hinzu kommt noch der Rabatt bei Online-Apotheken, die einfache Frei-Haus-Lieferung und die nicht schlechtere Beratung.

17.07.2019 11:29 Frank 7

Wer in Deutschland in der Apotheke kaufen muss, wird abgezogen. Die Preise entsprechen in keinster Weise der Wert der Medikamente. Für den Preis von einer deutschen Packung Paracetamol bekomme ich im Lande meiner Frau die handliche Familienpackung zu 100 Stk!

17.07.2019 10:32 ReneS 6

Wie wäre es denn mal endlich die Preise zu senken. Und warum soll man 5€ zuzahlen, wenn das Medikament der Krankenkasse dank Rabattverträge nicht einmal soviel kostet... Und da gibt es einige davon, wie ein z.B. Blick in den ABDA-Artikelstamm verrät.

Alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente werde ich auch weiterhin bei einer Versandapotheke bestellen. Apothekenpreise ? - Nein Danke!

17.07.2019 10:07 Dieter 5

Medikamente sind bei uns hoffnungslos überpreist (man kaufe mal Aspirin in Griechenland). Wir haben zu viele Apotheken- eine Konsolidierung wäre nötig.