Die Hartz IV-Empfängerin Sandra Schlensog begrüßt den Gesundheitsminister Jens Spahn.
Ich und Hartz IV wäre eine Farce, meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Aber 200.000 Unterschriften für die Online-Petition von Sandra Schlensog haben ihn überrascht. Bildrechte: dpa

Treffen mit Kritikerin Spahn will nicht Hartz IV testen

Die Aussage von CDU-Hoffnungsträger Jens Spahn, Hartz IV bedeute nicht Armut, hatte im März für heftige Kritik gesorgt. Eine alleinerziehende Mutter rief Spahn auf, es doch mal selbst einen Monat zu testen und startete dazu eine Online-Petition. Mehr als 200.000 Menschen unterschrieben - doch Spahn will nicht.

Die Hartz IV-Empfängerin Sandra Schlensog begrüßt den Gesundheitsminister Jens Spahn.
Ich und Hartz IV wäre eine Farce, meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Aber 200.000 Unterschriften für die Online-Petition von Sandra Schlensog haben ihn überrascht. Bildrechte: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich am Sonnabend in Karlsruhe mit der Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog getroffen. Die 40-jährige alleinerziehende Mutter hatte Spahn öffentlich für seine Aussage kritisiert, dass Hartz IV nicht Armut bedeute. Schlensog rief Spahn auf, selbst einen Monat von Hartz IV zu leben und startete eine Online-Petition. Sie übergab dem CDU-Politiker dazu rund 210.000 Unterschriften.

Spahn teilte nach dem Treffen mit, er wolle Hartz IV nicht ausprobieren. Der Minister nannte es in einer schriftlichen Erklärung jedoch bemerkenswert, wie viele Unterschriften zusammengekommen seien.

Hartz IV wäre eine Farce

Sein Nein zum Hartz-IV-Experiment begründete er folgendermaßen: "Allerdings denke ich, dass es viele Bürger eher als Farce empfänden, wenn ich als Bundesminister versuchte, für einen Monat von Hartz IV zu leben. Denn zu offenkundig käme mein beruflicher Alltag auch dann der realen Lage eines Hartz-IV-Empfängers nicht nahe."

Spahn räumte ein, es sei ohne Zweifel schwierig, von Hartz IV zu leben. Schlensog nannte es schade, dass Spahn sich auf das Experiment nicht einlasse. Seine Einwände seien aber nicht völlig von der Hand zu weisen.

Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt aktuell für einen Alleinstehenden 416 Euro im Monat und für einen volljährigen Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 374 Euro. Ein Kind zwischen sieben und 14 Jahren bekommt 296 Euro. 2017 gab es durchschnittlich 6,07 Millionen Hartz-IV-Bezieher.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2018, 20:15 Uhr

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31 Kommentare

29.04.2018 20:52 Querdenker 31

Jens Spahn (CDU) ist für mich ein typischer neoliberaler Kapitalist und Politikprofi. Und das er jetzt Gesundheitsminister ist, ist nur konsequent. Dann kann er weiter den Gesundheitssektor industrialisieren und rationalisieren auf Kosten der Kranken. Dazu passt dann auch seine asoziale Harz4 Aussage, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen.

siehe „lobbypedia Jens Spahn“

Zitat: „Bereits 2005 war Spahn an wichtigen gesundheitspolitischen Entscheidungen beteiligt bei denen es um Milliardeneinschnitte für die Gesundheitsbranche ging.“

siehe „focus Im Nebenjob Abgeordneter Jens Spahn“

Zitat: „Das Geschäftsmodell des Abgeordneten Spahn ist so klug wie anrüchig: Als Politiker entwickelte er die neuesten Gesetze und Reformen im Gesundheitsbereich, während sein Kompagnon Müller die Kunden aus der Gesundheitsbranche in Echtzeit hätte informieren und beraten können.“

siehe auch „zdf Spahn verteidigt Abbau bei Notfallversorgung“

29.04.2018 20:15 Querdenker 30

Über Frau Sandra Schlensog kann man in folgenden Artikel nachlesen siehe „shz Wie eine Hartz-IV-Rebellin zur Herausforderin von Jens Spahn wurde“

Es geht aber nicht um Frau Sandra Schlensog, sondern um die unsägliche asoziale Aussage von Jens Spahn (CDU). Unter den Harz4 Empfängern sind viele Rentner und kranke Menschen. Von den Krankenkassen werden auch nicht alle notwendigen Kosten übernommen (siehe mein Beitrag 1).

29.04.2018 19:03 Beobachter 29

Die wichtigste Frage wird leider im Artikel nicht beantwortet:
Warum geht Frau Schlensog denn nicht ARBEITEN?

29.04.2018 18:30 Ralf T. 28

Ich Bekomme Krankengeld und Geld von Harz 4 --- Es Reicht zum Leben ! Es sind gute 800 Euro abzüglich Miete / Strom / Heizung / Warm Wasser --- Bleiben 300 Zum Leben Damit kann man nicht Sterben ( ist zuviel )

29.04.2018 16:44 optinator 27

@ 7 - BERNDL

Unser Sozialsystem leistet so viel, weil wir alle regelmäßig in dieses System einzahlen.
Es wird uns nichts Geschenk, nur umverteilt von Denen die Haben zu Denen die Brauchen.
Und das kann Jeden treffen.

29.04.2018 15:56 Chris 26

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29.04.2018 15:38 OHNEWORTE 25

Hoffentlich laeuft ihm nicht die Braut weg...... ,bei der schmalen Lebenskasse...

Nach einem Monat muss er ins Spital ,kann nicht mehr arbeiten fuer Deutschland .....

29.04.2018 13:59 Bernd L. 24

Markus:
Da mit der Armut war ein Missgriff- er meinte, dass die Sozialleistungen bei uns ausreichend sind und das ist so. Nochmal, wer mehr will, muss arbeiten gehen. Jeder gesunde arbeitsfähige Mensch sollte sein Einkommen durch Arbeit verdienen (macht Spahn, ich auch) und nur übergangsweise Sozialleistungen bekommen.
Bei Behinderten, Kranken etc ist das natürlich völlig anders- da müssen die Sozialsysteme einspringen.

29.04.2018 13:26 Stefan Bielicki 23

Alles faule Ausrede

@jensspahn hat nichts als eine schlechte Ausrede parat um sich davor zu drücken beim Experiment von Hartz IV zu leben mitzumachen. Er hätte dieses in die Sommerpause legen können um die beruflichen Ausreden zu minimieren aber aus Angst davor kläglich zu scheitern lehnt er lieber ab. Unsere Politiker sind eben viel zu weit weg von der Realität als das sie uns wirklich real vertreten könnten. Beste Reaktion wäre wenn die komplette Regierung in dieser Zeit testen würde wie "gut " man von Hartz IV als Familie aber auch Single leben kann. Wäre mal eine Sinnvolle Nutzung der Sommerpause. Natürlich begleitet und kontrolliert von öffentlichen Medien.

29.04.2018 13:21 Norbert 22

@19 Naja sollte, passiert aber in vielen Fällen nicht.
Auch wir die Unsicherheit der Leittragenden oftmals schamlos ausgenutzt. Kenne das leider von der eigenen Tochter die mit 25 an Krebs erkrankt, davor 7 Jahre bis zu 60 Std Wochen in der Praxis gearbeitet hat. Was da zusätzlich auf die Erkrankten zukommt ist absolut asozial, wie auch das Benehmen der zuständigen Stellen. Für diese Story fehlt hier der Platz.