Andrea Nahles, Fraktionsvorsitzende und Parteivorsitzende der SPD
Will mit der SPD endlich aus den alten Fehlern gelernt haben: Andrea Nahles. Bildrechte: IMAGO

Wahlkampf-Analyse SPD will "K-Frage" künftig früher klären

Nach einer Analyse ihrer letzten Wahlkämpfe hat die SPD beschlossen, wichtige Fragen in Zukunft schneller und geordneter klären zu wollen. Dazu gehört auch die rechtzeitige Kür des Spitzenkandidaten.

Andrea Nahles, Fraktionsvorsitzende und Parteivorsitzende der SPD
Will mit der SPD endlich aus den alten Fehlern gelernt haben: Andrea Nahles. Bildrechte: IMAGO

Die SPD will vor der nächsten Bundestagswahl frühzeitig entscheiden, wer als Spitzenkandidat in Rennen geht. "Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter erklären, als das bisher der Fall gewesen ist", sagte Parteichefin Andrea Nahles am Montag in Berlin, wo sie eine Analyse des letzten SPD-Wahlkampfes vorgestellt hat. Eine externe Beratergruppe, der auch ein Werbefachmann und ein Journalist angehörten, haben den Wahlkampf für die Partei analysiert.

Wahlkämpfe besser vorbereiten

Die lange offen gelassene Kandidatenfrage sei ein Kardinalfehler gewesen, heißt es in der Analyse. Die SPD sei nicht kampagnenfähig, und es sei nicht erkennbar gewesen, wofür die Partei stehe. Nahles kündigte auch an, unterschiedliche Positionen in der Partei klären zu wollen, etwa in der Flüchtlingspolitik. Teile der Partei plädieren für offene Grenzen, andere fordern eine Begrenzung. "Es fehlte ein klarer Kurs", sagte Nahles.

Kanzlerkandidaten der SPD Antworten auf die K-Frage

Gerhard Schröder
Gerhard Schröder war der letzte Kanzler mit SPD-Parteibuch. er war sieben Jahre im Amt, nach der verlorenen Wahl 2005 folgte Angela Merkel auf Schröder. Sie amtiert jetzt in der vierten Amtszeit, drei Kandidaten der SPD hatten keine Chance gegen die CDU-Vorsitzende. Bildrechte: IMAGO
Gerhard Schröder
Gerhard Schröder war der letzte Kanzler mit SPD-Parteibuch. er war sieben Jahre im Amt, nach der verlorenen Wahl 2005 folgte Angela Merkel auf Schröder. Sie amtiert jetzt in der vierten Amtszeit, drei Kandidaten der SPD hatten keine Chance gegen die CDU-Vorsitzende. Bildrechte: IMAGO
Frank-Walter Steinmeier
Als erster versuchte sich 2009 Frank-Walter Steinmeier im Rennen ums Kanzleramt. Das kannte er schon bestens - als Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder hatte er wesentlich an der Agenda 2010 mitgeschrieben. Bei der Wahl 2009 erreichte die SPD dennoch nur 23 Prozent und ging in die Opposition. Bildrechte: IMAGO
Martin Schulz und Sigmar Gabriel
2017 wurde Martin Schulz Kanzlerkandidat, unverhofft und kurzfristig: Nachdem Parteichef Gabriel (im Vordergrund) seinen Verzicht auf die Kandidatur verkündete, hatte Schulz - der aus Brüssel kam - gerade einmal acht Monate Zeit, um in der Bundespolitik anzukommen und erfolgreich einen Wahlkampf zu führen. Nach kurzfristigen Umfrage-Gewinnen brach Schulz mit der SPD ein - und holte bei der Bundestagswahl 2017 noch 20,5 Prozent. Nach einigem Hin und Her um die Rolle der SPD in der kommenden Legislaturperiode (GroKo, Opposition?) und um Martin Schulz' mögliche Rolle (Kein Minister? Doch Minister?) verlor er schließlich alle Ämter in der Partei. Bildrechte: dpa
Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, spricht im Deutschen Bundestag zum Thema Finanzen und Haushalt.
Olaf Scholz ist einer der gegenwärtigen Hoffnungsträger in der SPD. Er gab sein Amt als Bürgermeister der Hansestadt Hamburg auf und ging zurück in die Bundespolitik, ist jetzt als Finanzminister der wichtigste SPD-Vertreter in der Bundesregierung. Sollte er 2021 Spitzenkandidat werden, müsste er zumindest nicht bei Null starten. Bildrechte: dpa
Bundesparteitag der SPD am 08.12.2017 in Berlin. Die SPD Fraktionsvorsitzende Andreas Nahles spricht.
Die Parteivorsitzende Andrea Nahles selbst hat kein Regierungsamt inne, führt aber die SPD-Bundestagsfraktion. Neben Olaf Scholz werden ihr derzeit die besten Chance eingeräumt, bei der nächsten Wahl als Spitzenkandidatin gekürt zu werden. Bildrechte: dpa
Alle (5) Bilder anzeigen

Nach dem Absturz auf Umfragewerte zwischen 16 und 18 Prozent fehlt der Partei derzeit eine echte Machtperspektive. In Parteikreisen wurde zuletzt diskutiert, die Kandidatenfrage für die Bundestagswahl im Herbst 2021 schon im Jahr 2019 zu klären. So könnte der Wahlkampf langfristig vorbereitet werden. Möglicherweise soll er dann auch aus der Parteizentrale ausgelagert werden. Neben Nahles gilt bisher vor allem Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz als denkbare Option für die Spitzenkandidatur.

SPD wollte Kandidaten nicht verschleißen

Bei der Bundestagswahl im vergangenen September erreichte die SPD noch gut 20 Prozent. Die Spitzenkandidatur von Martin Schulz war erst im Januar des Jahres geklärt worden - knapp acht Monate vor dem Wahltermin, als der damalige Parteichef Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf die Kandidatur bekannt gab. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 wurde der Kanzlerkandidat etwa ein Jahr vor der Wahl ohne lange Vorbereitung des jeweiligen Spitzenkandidaten ausgerufen.

Bisher hatte es in der SPD stets geheißen, wenn der Kanzlerkandidat zu früh benannt werde, werde er schon vor der heißen Phase des Wahlkampfes verschlissen. Der Kandidat von 2013, Peer Steinbrück, hatte seinerzeit gesagt, ein zu früh benannter Kandidat werde "öffentlich platt gemacht wie eine Flunder".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2018, 15:08 Uhr