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Ab Montag können die SPD-Mitglieder über ihre neue Parteispitze abstimmen. Bildrechte: dpa

Parteivorsitz Letzte SPD-Regionalkonferenz - noch sechs Bewerberpaare übrig

Nach der letzten von 23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland sind noch sechs Kandidatenduos um den Parteivorsitz übrig. Hilde Mattheis und Dierk Hirschel haben am Samstag in München ihren Verzicht verkündet. Ab Montag können die SPD-Mitglieder dann über ihre neue Parteispitze abstimmen.

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Ab Montag können die SPD-Mitglieder über ihre neue Parteispitze abstimmen. Bildrechte: dpa

Seit Anfang September hat die SPD auf insgesamt 23 Regionalkonferenzen die Bewerber um den Parteivorsitz vorgestellt. Der Abschluss der Vorstellungsrunde fand am Samstag in München statt. Dort hat ein weiteres Kandidatenduo seinen Rückzug erklärt: Hilde Mattheis und der Gewerkschafter Dierk Hirschel zogen ihre Bewerbung um den Parteivorsitz zurück.

Damit sind bei der Suche nach der Nachfolge von Andrea Nahles noch sechs Bewerberpaare übrig: drei eher linke und drei eher in der Mitte stehende Duos.

Kein klarer Favorit im Rennen

Auch nach der Veranstaltung im Münchner Löwenbräukeller gibt es keinen klaren Favoriten - aber Tendenzen: Das von den Jusos unterstützte Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans bekam viel Applaus. Das jüngste Bewerberduo, die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann und Europa-Staatsminister Michael Roth wurden für ihre Visionen für das Jahr 2030 gefeiert - dazu zählen etwa erschwinglicher Wohnraum und die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern.

Die Zustimmung für Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Klara Geywitz fiel in München nur mittelmäßig aus - dabei ist Scholz der prominenteste Name unter den Bewerbern. Er wolle die SPD wieder zur Partei der Arbeitnehmer und Gewerkschaften machen, kündigte er in München an.

Außenseiter-Duo erntet Applaus

Das als eher links eingeschätzte Duo Nina Scheer und Karl Lauterbach gilt nach Umfragen als Außenseiter. Der Gesundheitsexperte Lauterbach löste jedoch starken Beifall aus, als er sagte: "Wir müssen den Koalitionspartner wechseln, wir können nicht so weiter machen." Auch der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans will sich die Union im Falle seiner Wahl vornehmen. "Wir müssen manchmal mit unserem Koalitionspartner so kantig umgehen, wie wir das untereinander getan haben", sagte Walter-Borjans.

Die Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Christina Kampmann und Michael Roth
Christina Kampmann und Michael Roth Das Duo Christina Kampmann und Michael Roth eröffnete Anfang Juli die Bewerbungsrunde. Die ehemalige NRW-Familienministerin und der Europa-Staatsminister gehören eher dem linken Parteiflügel an. Kampmann (38) ist relativ unbekannt und damit unverbraucht. Der langjährige hessische Bundestagsabgeordnete Roth (49) tritt aus Sorge um die Zukunft der SPD an, sieht die Beteiligung an der GroKo aber nicht als Hauptgrund für die schwere Krise. Bildrechte: dpa/imago/Jakob Hoff/MDR.DE
Christina Kampmann und Michael Roth
Christina Kampmann und Michael Roth Das Duo Christina Kampmann und Michael Roth eröffnete Anfang Juli die Bewerbungsrunde. Die ehemalige NRW-Familienministerin und der Europa-Staatsminister gehören eher dem linken Parteiflügel an. Kampmann (38) ist relativ unbekannt und damit unverbraucht. Der langjährige hessische Bundestagsabgeordnete Roth (49) tritt aus Sorge um die Zukunft der SPD an, sieht die Beteiligung an der GroKo aber nicht als Hauptgrund für die schwere Krise. Bildrechte: dpa/imago/Jakob Hoff/MDR.DE
Gesine Schwan, Ralf Stegner
Gesine Schwan und Ralf Stegner Ralf Stegner und Gesine Schwan wollen als Doppelspitze die SPD aus der Krise führen. Der 59-jährige Parteivize gilt als Vertreter des linken Flügels und bringt als langjähriger Minister und Fraktionschef in Schleswig-Holstein Regierungserfahrung ein. Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan war Mitbegründerin des konservativen Seeheimer Kreises und ist Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission. Die nach eigenen Worten praktizierende Katholikin kandidierte zweimal für das Bundespräsidentenamt und unterlag jeweils Horst Köhler (CDU). Bildrechte: IMAGO
Nina Scheer, Karl Lauterbach
Nina Scheer und Karl Lauterbach Im Juli meldeten die Bundestagsabgeordneten Nina Scheer und Karl Lauterbach ihre Kandidatur als Team an: Erklärtes Ziel der Umweltpoltikerin und des Gesundheitsexperten ist es, die Basis über den Fortbestand der Großen Koalition abstimmen zu lassen. Die 47-jährige Juristin mit Wahlkreis in Schleswig-Holstein und der 56-jährige Mediziner und Bundestagsfraktionsvize Lauterbach wollen raus aus der GroKo und die SPD stärker zu ihren sozialdemokratischen Wurzeln führen: "In der Vergangenheit haben die Menschen SPD gewählt und zu oft den Kompromiss bekommen." Bildrechte: dpa
Petra Köpping und Boris Pistorius
Petra Köpping und Boris Pistorius Mitte August erklärten der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (59) und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (61), dass sie sich für den SPD-Vorsitz bewerben. Sie decken einiges vom Anforderungsprofil für eine Doppelspitze ab: Mann und Frau, aus dem Westen und Osten. Beide gelten als Kritiker der Großen Koalition mit der Union und der Harz-IV-Regelungen. Bildrechte: dpa
Die Bildkombo zeigt Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz.
Olaf Scholz und Klara Geywitz Eine Rolle rückwärts in der SPD-Führungsfrage machte Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der 61-Jährige hatte zunächst gesagt, er schaffe neben dem Ministeramt nicht noch den Parteivorsitz. Später erklärte er sich jedoch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Scholz gilt als konservativer Pragmatiker. Er hält an den Hartz-IV-Regelungen fest und als Vizekanzler bislang auch zur GroKo. Scholz will gemeinsam mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz antreten. Die 43-jährige gebürtige Potsdamerin war von 2013 bis 2017 Generalsekretärin der Brandenburger SPD. Bildrechte: dpa
Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken
Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken Kurz vor Ablauf der Frist nominierte der mitgliederstärkste SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen den ehemaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans als Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz und als Tandempartnerin die Bundestagsabgeordneten Saskia Esken aus Baden-Württemberg. Bildrechte: dpa
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Ab Montag stimmen SPD-Mitglieder ab

Ab Montag können nun die etwa 430.000 SPD-Mitglieder online oder per Briefwahl für ihr Favoritenduo stimmen - bis zum 25. Oktober. Einen Tag später soll das Ergebnis der Abstimmung bekannt gegeben werden. Hat kein Duo die 50-Prozent-Marke geknackt, folgt vom 19. bis 29. November eine Stichwahl zwischen den Erst- und Zweitplatzierten.

Allerdings ist das Mitgliedervotum rechtlich nicht bindend. Laut Parteiengesetz werden Parteivorsitzende stets durch einen Parteitag bestimmt. Somit fällt die Entscheidung formal erst auf dem SPD-Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 17:32 Uhr