Andrea Nahles, SPD-Vorsitzende, und Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, stehen vor den zahlreichen Versammelten am Abschluss des SPD-Debattencamps in der Shedhalle
Rund 60 Foren gab es beim SPD-Debattencamp. Bildrechte: dpa

Debattencamp Die SPD fasst neuen Mut

Die SPD will ihren freien Fall stoppen und sich besinnen, für was und wen sie steht. Zwei Tage lang haben 3.000 Genossen und Gäste deshalb debattiert und miteinander gerungen – zu Themen wie Klimaschutz, Heimat, Europa oder Digitales. Gibt es nun wieder Hoffnung bei den verunsicherten Sozialdemokraten?

von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Andrea Nahles, SPD-Vorsitzende, und Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, stehen vor den zahlreichen Versammelten am Abschluss des SPD-Debattencamps in der Shedhalle
Rund 60 Foren gab es beim SPD-Debattencamp. Bildrechte: dpa

Rot und lila leuchten die Scheinwerfer, es ist laut und wuselig im unverputzten Fabrikgebäude in Berlin Köpenick. Zu DDR-Zeiten wurde hier, direkt an der Spree, Rundfunk gemacht. Jetzt sucht die SPD nach sich selbst und nach neuer Kraft. Für Parteivize Ralf Stegner hat das funktioniert:

Das ist ein richtiger Energieschub für die innerparteiliche Debatte. Hier sind irre viele Leute, es geht um wichtige Themen. Da ist enorm viel sozialdemokratische Energie zu merken.

Ralf Stegner, stellvertrender SPD-Vorsitzender

Das könne die SPD gut gebrauchen, gibt Stegner zu. "Das macht auch der Spitze ein bisschen Dampf. Und das ist auch nötig." Die SPD-Spitze, Andrea Nahles, sitzt beim Debattencamp auf einem Podium nach dem anderen. Spannung fällt dabei von ihr ab, ist der Eindruck.

Debatte belebt

Es sind viele Leute gekommen, die die SPD nicht abgeschrieben haben. Das ist schon was in diesen Tagen. Und die gebeutelte Chefin nimmt einiges mit vom Debattencamp: "Lebendig, debattenstark, die Leute haben sich hier mit Enthusiasmus eingebracht. Ich bin richtig froh. Das ist ein Aufbruchssignal und echt ansteckend", sagt Nahles.

Rund 60 Foren gab es – kleine Runden, große Podien, auf Papphockern, in roten Sesseln, auf dem Fussboden. Julian und Cornelia sind beide Mitte 20, aus Bonn und Fürth gekommen und ziemlich gut drauf. "Man darf nicht unterschätzen, wie es das Gemeinschaftsgefühl der Leute pusht, weil man hier unter Gleichgesinnten ist", sagt Cornelia. "Ich finde diese Bereitschaft und Offenheit, sich den Themen zu stellen, total wichtig." Julian ist gerade erst in die SPD eingetreten, "weil ich denke, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um mitzugestalten."

Reden ist Silber, machen ist Gold

Sich nicht verloren geben, etwas anpacken in der SPD. Dieser Geist weht durch die Berliner Fabrikhallen an diesem Wochenende. Schön und gut, aber wie nun diese Erwartung auch danach umsetzen? Indem man die Botschaften umsetzt "die uns von der Basis mitgegeben wurden", sagt Cansel Kiziltepe, Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete. "Linker, ökologischer, weiblicher und vielfältiger werden."

Die SPD hat nicht mehr viel Zeit, sich all diese Botschaften zu Herzen zu nehmen, weiß Juso-Chef Kevin Kühnert. "Hier kommen Leute, die sagen: Es interessiert mich nicht, was ihr vor 20 Jahren mal beschlossen habt, ich will Antwort aufs Hier und Jetzt, und das sind meine Vorschläge ... Das überfährt einen manchmal ein bisschen, aber das sind ja die Leute, die wir gewinnen wollen." Und da ist auch Andrea Nahles mal ganz einer Meinung mit Kühnert.

Andrea Nahles, SPD-Vorsitzende, hebt neben Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, beim Abschluss des SPD-Debattencamps die Arme in die Höhe, während sie spricht
Bildrechte: dpa

Arsch huh, Zäng ussenander [Arsch hoch, Zähne auseinander] – sagt man bei uns im Rheinland. Für die SPD kämpfen, mit viel Spaß dabei!

Andrea Nahles, SPD-Vorsitzende

Mit mehr Kraft gehe sie nach Hause, sagt Nahles bei der Abschlussrede. Die Selbst-Versicherung hat also geklappt. Bleibt noch der schwierige Teil: Das auch unters Volk zu bringen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2018, 06:30 Uhr

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32 Kommentare

13.11.2018 19:55 Wo geht es hin? 32

Und wenn du nicht mehr weiter weist, dann bilde einen Debattenkreis! Heist zwar eigentlich Arbeitskreis, aber das Wort "Arbeit" habe ich mal bewusst geändert - weil SPD und so...

13.11.2018 17:07 Frank 31

@ 25: Ich glaube, Sie lernen es nie. Der Souverän kann nicht nur denken, er kann rechnen. Er kann sich schon jetzt ausrechnen was Ihre hochgelobten Entlastungen wirklich bringen. Sie können das nicht, weil Sie nicht in realen Zusammenhängen denken können. Sie begreifen Gesetze in ihrem komplexen Zusammenhang nicht. Deshalb schreiben Sie diesen Unfug.

13.11.2018 16:16 Fragender Rentner 30

Den Mutigen gehört die Welt, auch wenn sie kleiner gewurden ist.

Aus welchem Grund auch immer?

Nur kaum eine Schuld zugeben wollen.

13.11.2018 12:49 Harry 29

Ja Peter, da wird der Souverän vor Freude Purzelbaum schlagen, wenn er ein paar Pimperlinge aus der Armenkasse bekommt. Sein Dank an die SPD wird keine Obergrenzen kennen, dafür das die Sozis die Abschaffung des Solis verhindert haben, dass keine Senkung der Krankenkassenbeiträge erfolgte, dass Frau Ministerin von der Erhöhung der Benzin- und Heizöl (!!!) Steuer deliriert. Ganz besonders freudig erlebe ich jeden Morgen meinen Zeitungsausträger, der der SPD von Herzen dankbar ist, dass er beim Mindestlohn ausgenommen wurde.

13.11.2018 11:08 kleinerfrontkaempfer 28

Mitgliederabstimmungen, Debattencamp ...... prima Schlagzeilen und schnell verrauchte Mutmacher.
Wenn die Sozialdemokraten weiter so blind durch den Alltag laufen, rennen sie wieder und wieder gegen die Wand. Und unglaubwürdig sind sie seit vielen Wahlperioden sowieso. Inzwischen haben das die Mehrzahl der Wähler kapiert.

13.11.2018 10:53 Norbert NRW 27

Gab es schon mal den Traum vom Endsieg, auch als schon Sowjetpanzer an der Türe geklopft haben.
Traumtänzer alle zusammen...

13.11.2018 09:19 Bernd L. 26

Ich habe eine gute Idee für die SPD:
Ein klares Nein zum UN-Migrationspakt des SPD wäre ein gutes Signal für ihre Wähler. Es wäre auch im Interesse unserer Kinder. Win-win für SPD und Land.

12.11.2018 23:02 Peter 25

@24 Frank: Warten wir´s ab.
Nächstes Jahr greifen die finanziellen Entlastungen für die Arbeitnehmer und Familien. Und den Rentnern winkt ein dickes Plus auf dem Konto.
Der Souverän kann nicht nur denken, er wird denken.

12.11.2018 20:11 Frank 24

@ 18: Die Regierungsbeschlüsse der letzten Zeit haben die Talfahrt der SPD beschleunigt. Peter, der Souverän kann denken. Wenn Sie verstehen....?

12.11.2018 18:45 jochen 23

Jetzt noch sogenanntes "Debattencamp" ?

Was ist nur aus der SPD geworden ?
Ein merkwürdiger Trümmerhaufen.