30.08.2018, Berlin: Thilo Sarrazin stellt bei einer Pressekonferenz sein neues Buch "Feindliche ܜbernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht"
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Wegen Islam-Kritik SPD-Spitze fordert Sarrazin zum Austritt auf

Die SPD-Führung hat die Thesen des umstrittenen Autoren Thilo Sarrazin zum Islam kritisiert und das langjährige Parteimitglied zum Austritt aufgefordert. Sarrazin sieht keinen Grund dafür.

30.08.2018, Berlin: Thilo Sarrazin stellt bei einer Pressekonferenz sein neues Buch "Feindliche ܜbernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht"
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Die SPD-Führung hat den umstrittenen Publizisten Thilo Sarrazin wegen seines neuen Buches über den Islam zum Parteiaustritt aufgefordert. In einer Erklärung des SPD-Präsidiums heißt es, wer wie Sarrazin Menschen pauschal diffamiere und massiv Ängste schüre, sollte sich eine andere politische Heimat suchen.

SPD: Meinungsfreiheit hat Grenzen

In der Erklärung heißt es weiter, die SPD sei eine Wertegemeinschaft, die sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität einsetze. Ihre Mitglieder stammten aus allen gesellschaftlichen Schichten, es gebe Christen, Juden, Muslime oder auch Atheisten. Sie alle würden sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der man ohne Angst verschieden sein könne.

Zwar sei die Meinungsfreiheit ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie. Sie habe aber aus gutem Grund auch Grenzen: Allgemeine, verfassungsrechtliche und für die SPD auch besondere Grenzen."

Es gehört zu unserem Selbstverständnis, uns allen menschenfeindlichen Bestrebungen zu widersetzen und entgegenzustellen. Das gilt immer und überall, ohne Ansicht der Person und natürlich innerhalb unserer eigenen Partei in ganz besonderem Maße.

Erklärung des SPD-Präsidiums

Sarrazin beruft sich auf Brandts Zuzugstopp

Sarrazin selbst sieht keinen Grund, sein SPD-Parteibuch abzugeben. Er sagte MDR AKTUELL, er sehe gar nicht ein, dass er seine Partei nach 45 Jahren verlassen solle. Nicht er habe sich geändert, sondern in der SPD hätten sich einige Meinungen geändert.

Er verwies auf die Regierung von Willy Brandt, die 1973 - im Jahr seines SPD-Beitritts – einen umfassenden Zuzugsstopp für Gastarbeiter erlassen habe.

Strittige Thesen zum Islam im neuen Buch

Sarrazin stellte am Donnerstag sein neues Buch "Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht". Darin vertritt er die strittigen Thesen, dass der Islam eine ernste Gefahr für Deutschland und Europa sei, weil er bildungsfeindlich, undemokratisch und gewalttätig sei. Bereits vor acht Jahren hatte Sarrazin mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" und seiner darin enthaltenen Kritik an der Zuwanderung vor allem von Muslimen Schlagzeilen gemacht.

Parteiausschluss scheiterte schon einmal

Bereits damals wurde der frühere Bundesbank-Vorstand auch aus den Reihen der SPD als islamfeindlich kritisiert. Ein Parteiausschluss scheiterte jedoch zuletzt 2011. Die Bundes-SPD und weitere Antragsteller hatten damals ihre Anträge auf Ausschluss zurückgezogen, nachdem Sarrazin zugesichert hatte, sich künftig an die Grundsätze der Partei zu halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 17:09 Uhr