Interview mit SPD-Rebellin Lange ruft zur Ablösung von Nahles auf

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange sieht den Kurs der SPD seit Langem kritisch. 2018 trat sie gegen Andrea Nahles um den Bundesvorsitz an. Nun ermunterte sie parteiinterne Kritiker, für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren.

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, spricht beim Außerordentlichen Bundesparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
Simone Lange bewarb sich beim SPD-Parteitag im April 2018 um den Parteivorsitz. Bildrechte: dpa

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) hat Bundestagsabgeordnete ihrer Partei aufgerufen, sich dem Kampf um den Fraktionsvorsitz zu stellen. Lange sagte MDR AKTUELL, in der SPD rumore es offensichtlich. Da sei es der "absolut richtige Weg" von Andrea Nahles, die Neuwahl in der Fraktion auf kommende Woche vorzuziehen.

Personeller Wechsel nötig

Lange nannte es "durchaus legitim", dass sich Nahles selbst noch einmal zur Wahl stelle. Persönlich wünsche sie sich aber, "dass jetzt der personelle Wechsel tatsächlich auch in der Bundestagsfraktion eingeläutet wird".

Die SPD brauche jetzt mutige Genossinnen und Genossen. Sie sollten sich mit frischen Ideen um den Fraktionsvorsitz und auch um die Führung der Partei bewerben.

SPD erstarrt in Angst vor Neuwahlen

Lange sprach von einer Haltung in der SPD, "die nur noch von Angst gezeichnet ist -  von Angst vor Neuwahlen, von Angst vor dem Scheitern".

Und wenn wir jetzt nicht in der Lage sind, uns zu öffnen und neue Wege anzubieten, dann wird es auch weiter bergab gehen.

Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD)

Die Oberbürgermeisterin von Flensburg rief zur Erneuerung der Parteispitze auf. Entscheidend sei jetzt, den Schritt nach vorne zu wagen. Diesen Mut erwarte sie von den Bundestagsabgeordneten. Dabei verwies Lange auf ihr eigenes Beispiel. Sie habe im vergangenen Jahr gegen Nahles um den Parteivorsitz kandidiert und auch politisch überlebt.

Simone Lange stammt aus Rudolstadt in Thüringen. Sie ist seit 2017 Oberbürgermeisterin von Flensburg in Schleswig-Holstein. Die 42-Jährige gilt seit Längerem als Querdenkerin in der SPD und scharfe Kritikerin der Hartz-4-Gesetze. Im Frühjahr 2018 stellte sie sich gegen den Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU und kandidierte gegen Andrea Nahles um den SPD-Vorsitz, unterlag jedoch klar. Lange gehört zu den Mitbegründern der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Mai 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 09:31 Uhr

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27 Kommentare

31.05.2019 09:36 Wessi 27

Ich amüsier' mich! Da wird Frau Lange in vielen posts Recht gegeben, weil man wohl nicht darum herum kommt, aber irgendwie zeigt all' das die Angst der Besorgten, daß die SPD, wie in den Niederlanden mit klugen, rel. neuen Köpfen aus dem derzeitigen Tief herauskommen könnte, vllt. sogar nach 15 Jahren den Agenda-Gestank, den nur noch CDU/CSU,FDP+tw.AfD mit sich herumtragen, abschütteln.Aus der opposition muß man sich erneuern!

31.05.2019 07:16 observer 26

Natürlich hat Frau Lange recht, aber in dieser SPD kann und wird sie sich mit vernünftigen Ansichten niemals durchsetzen. Wie es mit (dem weiteren Ruin) der SPD weitergeht, entscheiden einzig und allein die "Seeheimer" und nicht das Gros der Mitglieder. "In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wir sind die stärkste der Partei'n" - das gilt seit langem überhaupt nicht mehr. Insbesondere seit Schröders Schwenk zum barbarischen Neoliberalismus ist jede Glaubwürdigkeit erloschen. Man faßt es kaum, daß Sozialdemokratie zur heuchlerischen Worthülse wurde.

31.05.2019 02:03 Sunny 25

"Die sPD vor dem großen Stühlerücken?"

Diese Fotowand am Ende mit den "sPD - Führern" ist ja gruselig... Mir kommt´s da hoch...

31.05.2019 01:42 NRW-18 24

Die Nahles ist mir ihrer SPD so überflüssig wie AKK mit ihrer CDU, KGE mit ihrem Grünzeug oder Lindner mit seiner FDP. Die Altparteien braucht niemand, nur deren Darsteller brauchen uns Steuerzahler, um in Saus und Braus zu leben und das manchmal sogar ohne Berufsausbildung oder mit abgebrochenem Studium.
Da bevorzuge ich doch eher Leute, die den Altparteienklüngel ausmisten wollen.

30.05.2019 12:50 Wo geht es hin? 23

Werte Frau Lange! Sie mögen mit Ihrer Forderung ja vielleicht Recht haben. Das Problem ist aber, dass Sie damit anderen, höher als Sie in der Karriereleiter Stehenden, ihre sehr ertragreichen Futtertröge streitig machen. Und wer lässt sich schon freiwillig im Dienste des Volkes so eine lukrative Einnahmequelle wegnehmen? Sie haben keine Chance und das ist aus einem anderen Grund gut so: mit Nahles und Co. an der Spitze geht die Reise in Richtung Bedeutungslosigkeit zwangsläufig weiter- die SPD in ihrer jetzigen Form braucht nämlich auch so gut wie niemand mehr. Also: bitte nicht stören!

30.05.2019 10:07 Fragender Rentner 22

Wie hatte mal einer vo der SPD gesagt, es wäre das schönste Amt nach dem Papst?

Das verstehe ich nicht wieso man auch so daneben ist?

Wieviele Chefs hatte sie schon seit den 70er Jahren und was hat sich bei ihnen verbessert, außer natürlich die Streitereien??? :-(((

30.05.2019 09:31 pkeszler 21

@REXt 19: "Egal wer an der Macht sitzt, die SPD kommt aus der Nummer Hartz4 nicht mehr raus, bedankt euch bei Gerhadt!"
Und die Union profitiert von Harz 4 heute noch, ohne etwas daran zu ändern. Aber Sie vergessen, dass Hartz 4 mit dafür verantwortlich ist, dass heute die Arbeitslosigkeit relativ niedrig ist. Für die Betroffenen, also wer sich nicht mehr qualifizieren wollte, ist es aber scheinbar immer noch ein Thema.

29.05.2019 20:09 Carolus Nappus 20

Möglicherweise hat Frau Lange mit ihrer Diagnose recht. Schaue ich mir die Stimmenanteile für die SPD in Flensburg im Vergleich zur letzten Europa- und auch zur Bundestagswahl an, dann steht allerdings zu befürchten, dass sie zwar eine Mehrheit der SPD-Mitglieder anspricht, aber außerhalb der Partei niemanden mehr hinterm Ofen vorlockt.
Und was heißt schon politisch überlebt und mutig? Auf den OB-Posten hat sie sich aus dem sicheren Landtagsabgeordnetenleben heraus beworben. Die Kandidatur um den Parteivoritz dann aus der sicheren Positin einer eben erst für 6 Jahre gewählten Oberbürgermeisterin.
Hätte es nicht geklappt, wäre sie eben Abgeordnete bzw. OB geblieben. Als Beamtin hat sie ohnehin ein jederzeitiges Rückkehrrecht inklusive Nachholung aller Beförderungen etc. pp.
Das ist also überhaupt nicht mutig. Mutig wäre da vielleicht zu fordern, dass Beamte eben kein Rückkehrrecht mehr haben und Amts- oder Mandatsinhaber nicht gleichzeitig für andere Posten kandidieren dürfen.

29.05.2019 19:10 REXt 19

Egal wer an der Macht sitzt, die SPD kommt aus der Nummer Hartz4 nicht mehr raus, bedankt euch bei Gerhadt!

29.05.2019 17:10 ORAKEL 18

Frau Lange sie befinden sich im Recht aber in der falschen Partei. Wiein einem Gartenverein läuft es in der SPD. Die untauglichsten drängeln sich zur Macht und halten eng aneinander und wenns drauf ankommt - also wenn jemand wie sie Frau Lange also fähige Person mit Krips daherkommt - dann gibts obendrauf. Dort nennt man das "Kleinmachen" . Im Klartext wird jeder Fähige kleingemacht bis er sich anpasst oder eingeht. Kluge Induvidualisten sind schon laut DNA der SPD nicht erlaubt. Ich sehe wie in einem Gartenverein keinerlei Freiheit und Lust zur Veränderung und keinerlei Wachstumsmöglichkeit. Die Luft ist raus. Freut euch über die hohen 15 Prozent alter Wahlgenossen!