Leipziger Unternehmen Spreadshirt sperrt AfD, Identitäre und Co.

T-Shirts für Junggesellenabschiede, Jutebeutel, Tassen für den Muttertag - all das kann man beim Leipziger Unternehmen Spreadshirt gestalten und bestellen. So entstehen täglich Tausende Kreationen, die allerdings auch hin und wieder Grenzen überschreiten: von Impfgegnern, Antisemiten oder Neonazis. Nun hat Spreadshirt seine sogenannten Community Standards angepasst. Eine der Folgen: Einschlägig bekannte Politiker oder Parteien wie die AfD dürfen bei Spreadshirt keine T-Shirts mehr bedrucken.

Blick auf ein Eckgebäude an einer Straße, daneben stehen mehrere Autos.
Spreadshirt hat seinen Sitz im Leipziger Westen. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Vor wenigen Wochen wollte der österreichische Politiker Heinz-Christian Strache bei Spreadshirt ein paar T-Shirts bestellen. Für den Wahlkampf für die Landtagswahl in Wien. Das Team des Ex-FPÖ-Chefs habe völlig harmlose Motive gestaltet und sie in den Shop gestellt, erzählt Spreadshirt-Sprecherin Eike Adler.

Keine T-Shirts für Strache

Die Firma lehnte Straches Bestellung allerdings ab. Grund: Andere Nutzer hätten darauf hingewiesen, dass Strache für juden- und fremdenfeindliche Äußerungen bekannt sei. "Da muss man verstehen, wenn unsere Community uns darauf aufmerksam macht und wenn uns bekannt ist, dass Persönlichkeiten sich volksverhetzend oder diskriminierend äußern, dann kann es zur Löschung der Motive kommen."

Und genau so kam es dann auch. Der für die Ibiza-Affäre bekannte Rechtspopulist Strache wurde geblockt. Und nicht nur er. Spreadshirt werde auch keine Aufträge von anderen Parteien, Organisationen oder Personen annehmen, die allgemein für hetzerische Äußerungen bekannt sind, wie die Identitären, QAnon und die AfD, erklärt das Unternehmen.

Kritik von der AfD

Das sorgt bei Andreas Harlaß, Sprecher des AfD-Landesverbands Sachsen, für Unverständnis: "Die AfD ist eine demokratische und vor allem auch erfolgreiche Partei. Verfassungsfeindliche Aussagen oder Symbole werden von der AfD in Sachsen auch nie in Auftrag gegeben werden. Und wenn jetzt eine Firma meint, Aufträge mit AfD-Logos jetzt komplett ablehnen zu müssen, dann zeigt das eigentlich nur, dass es noch großen Nachholbedarf zum Demokratieverständnis des Unternehmens zu geben scheint."

Spreadshirt hat seine "Community Standards" verändert. Statt bisher vier gibt es nun fünf Punkte darin, die zu einer Sperrung von Inhalten führen. Neben illegalen, hetzerischen, gewaltverherrlichenden und pornografischen sind jetzt auch irreführende und schädigende Inhalte tabu – und führen zu einer Sperre. Egal ob sie direkt oder eben wie im Fall von Strache und AfD indirekt bei Spreadshirt auftauchen.

Was ist verboten, was nicht?

Die Firma hat einen Filter in ihre Plattform eingebaut und Mitarbeiter eingestellt, die alle hochgeladenen Inhalte checken. Hinzu kommt, dass auch Nutzer Hinweise auf Verstöße gegeben können.

Doch die Grenze zwischen Verstoß und Nicht-Verstoß sei manchmal sehr schwer zu ziehen, erklärt Eike Adler: "Es ist ein sehr diffiziles Thema. Die Gratwanderung über diese Grauzone verändert sich fast täglich. Wir haben ein Motiv, da steht Corona-Diktatur und wir haben entschieden, dass wir das auf der Plattform lassen, weil es eine Meinungsäußerung ist. Solange diese Meinung nicht von einem bestimmten Spektrum instrumentalisiert oder ins Extreme gerufen wird – da würden wir dann Nein sagen."

Klar, manchmal rutsche das ein oder andere grenzüberschreitende Motiv doch noch durch, sagt die Sprecherin weiter. Doch spätestens beim Druck falle das dann auf und dann werde das Produkt nicht ausgeliefert. Rund 20.000 Motive werden bei Spreadshirt jede Woche hochgeladen. Und zwar von Nutzern aus aller Welt. Die Grenzen, die sich das Unternehmen nun in seinen "Community Standards" selbst gesetzt hat, überschreite davon aber nur ein Bruchteil, sagt Eike Adler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2020 | 05:11 Uhr