Der frühere SS-Mann Oskar Gröning wartet am 15.07.2015 in Lüneburg mit seinen Anwälten Hans Holtermann und Susanne Frangenberg auf das Urteil in seinem Prozess.
Der frühere SS-Mann Oskar Gröning war wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt worden. Bildrechte: dpa

Vor Haftantritt Früherer SS-Buchhalter Gröning gestorben

Er gestand, er bereute - und wurde doch nicht begnadigt. Wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen sollte der ehemalige SS-Buchhalter Oskar Gröning ins Gefängnis. Nun starb er im Alter von 96 Jahren.

Der frühere SS-Mann Oskar Gröning wartet am 15.07.2015 in Lüneburg mit seinen Anwälten Hans Holtermann und Susanne Frangenberg auf das Urteil in seinem Prozess.
Der frühere SS-Mann Oskar Gröning war wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt worden. Bildrechte: dpa

Der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning ist tot. Der als "Buchhalter von Auschwitz" bekannte Gröning sei bereits am Freitag im Alter von 96 Jahren gestorben, bestätigte sein Anwalt am Montagabend. Die Staatsanwaltschaft Hannover habe ein entsprechendes Schreiben von ihm erhalten.

Verurteilt wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

Gröning war im Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen im Vernichtungslager Auschwitz zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Er hatte ein Gnadengesuch an die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) gestellt, über das die Ministerin bis Ende dieser Woche entscheiden wollte.

Gröning war verurteilt worden, ohne dass ihm eine konkrete Tötung nachgewiesen wurde. Er habe durch das Bewachen von Gepäck und das Verwalten der Gelder der Gefangenen die Morde gefördert, hieß es in dem Urteil, das seit September 2016 rechtskräftig ist. Mitte Januar hatte die Staatsanwaltschaft Lüneburg ein Gnadengesuch Grönings abgelehnt, mit dem er einen Haftantritt abwenden wollte. Davor hatte das Bundesverfassungsgericht nach Grönings Beschwerde einen Haftaufschub abgelehnt.

Gröning gestand und bereute

Gröning war Mitglied der Waffen-SS und gehörte von 1942 bis 1944 zum Verwaltungspersonal des Vernichtungslagers Auschwitz. Die Anklage hatte sich auf die Zeit der sogenannten Ungarn-Aktion beschränkt, während derer im Frühsommer 1944 innerhalb von knapp zwei Monaten mehr als 400.000 Juden aus Ungarn nach Auschwitz verschleppt und meist sofort ermordet worden waren. Im Prozess gestand Gröning umfassend und bekundete mehrfach seine Reue.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2018 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 08:41 Uhr