Thomas Nitschke, Teamleiter der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen, rekonstruiert am Freitag (14.05.2010) in Zirndorf (Mittelfranken) eine zerrissene Stasi-Akte.
Ein Mitarbeiter der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen sortiert händisch Schnipsel. Bildrechte: dpa

Fehlende Scanner Tausende zerrissene Stasi-Akten werden nicht rekonstruiert

Der Wille ist da, doch die Technik fehlt: Obwohl das Fraunhofer Institut für viel Geld ein Programm zur Rekonstruktion von zerrissenen Stasi-Akten entwickelt hat, stoppt die Stasi-Behörde das Vorhaben vorerst, weil es an entsprechenden Spezial-Scannern fehlt. Mehr als 16.000 Säcke mit Aktenteilen bleiben damit für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Thomas Nitschke, Teamleiter der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen, rekonstruiert am Freitag (14.05.2010) in Zirndorf (Mittelfranken) eine zerrissene Stasi-Akte.
Ein Mitarbeiter der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen sortiert händisch Schnipsel. Bildrechte: dpa

Mehr als 28 Jahre nach dem Mauerfall liegen noch immer Millionen Schnipsel zerrissener Stasi-Akten ungenutzt in Säcken - und das wird vorerst auch so bleiben. Das bestätigte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Nach seinen Worten kommt die massenhafte Rekonstruktion am Computer derzeit nicht weiter voran.

Grund dafür ist nicht der fehlende Wille der Behörde, sondern es sind Engpässe bei der technischen Umsetzung. So hat das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik laut Jahn zwar eine leistungsfähige Software entwickelt, doch es gebe keine entsprechenden Scanner. Das Projekt sei deshalb bis auf Weiteres gestoppt. "Die technischen Voraussetzungen reichen nicht", sagte Jahn.

Vor zehn Jahren war das Vorhaben gestartet, mit dem die Papiere virtuell zusammengesetzt werden sollten. Etwa sieben Millionen Euro wurden investiert. Erschlossen wurde der Inhalt von 23 Säcken, was 91.000 Seiten entspricht. Das Computerprogramm konnte bereits Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel mussten per Hand in herkömmliche Scanner eingelegt werden.

Verfall der Schnipsel droht nicht

Auch das Zusammenfügen von Stasi-Papieren per Hand im bayerischen Zirndorf wurde Ende 2015 beendet. Im Herbst 1989 versuchten Stasi-Offiziere massenhaft Akten zu vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion. Die zerrissenen Hinterlassenschaften wurden in mehr als 16.000 Säcken gelagert.

Jahn versicherte, dass die Schnipsel Teil des Archivs blieben und ihr Zerfall nicht drohe. Die Papiere seien angemessen gelagert. Ganz aufgeben will der Bundesbeauftragte das Vorhaben aber nicht. Er will einen neuen Vertrag mit dem Fraunhofer Institut aushandeln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Januar 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2018, 14:42 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

36 Kommentare

04.01.2018 13:03 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 36

@ 29:
Offenbar fällt Dir auch kein Grund gegen die von Dir angeführte Pauschalisierung ein...

Zitat "Wir wußten zumindest von der allgegenwärtigen Stasi. Wer etwas anderes sagt lügt.
Ich weiß nicht, ob jedem Bundesbürger klar war, wieviel die gesamten Gehiemdienste der BRD sammelten."

Wenn Du mal wieder 'Äpfel mit Birnen' vergleichen willst, mach das am besten genau so!

Wir wissen alle vom allgegenwärtigen BND - wer etwas anderes sagt, der lügt.
Ich weiß nicht, ob jedem DDR-Bürger klar war, wieviel allein die Stasi nicht nur in der DDR sammelte, wegschloß und auch mal 'ableben ließ'.

03.01.2018 19:23 Maria 35

Damit kann man auch Beamte bis zur Rente beschäftigen. Ich bin der Meinung endlich Schluss damit kommt doch sowieso nichts mehr bei raus. Diese Beamten könnte man jetzt dringend anderweitig sinnvoll einsetzen.

03.01.2018 17:20 Fragender Rentner 34

Da haben sich bestimmt so einige Softwareentwickler eine goldene Nase verdient und was kam raus, wieder mal sehr wenig.

Oder sollten die Säcke nicht entschlüsselt werden, könnten vielleicht noch manchen auf die Füße fallen!

03.01.2018 16:34 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 33

@ 29:
Zitat "Ich habe etwas gegen die Pauschalisierung:
Stasi - schlecht
BND - gut"

Na, zumind. hat der BND - n.m.E. - weder damals noch heute Foltergefängnisse...
nebenbei gibt es den BND heute noch, die Stasi glücklicherweise nicht mehr.

Wenn Dir Pauschalisierungen gegen den Strich gehen, wäre es vllt. der richtige Ort und Zeitpunkt, die 'positiven Stellen' der Stasi vorzustellen.
Mir fällt dazu leider nichts ein...

03.01.2018 16:01 Janes 32

@walter 29: Also der BND hat jedenfalls keine 90000 Hauptamtlichen und 240000 "Ehrenamtlichen" Mitarbeiten (auf 17millionen Menschen).

Und ich denke auch nicht, dass die nach allem suchen. Schon gar nicht nach plumper Staatskritik. Und reisen scheint problemlos auch noch möglich.

03.01.2018 13:29 part 31

Nun werden seit Jahren jährlich Millionen in die Aufarbeitung gesteckt, eine Aufarbeitung nach Siegerjustiz und nicht nach gesellschaftswissenschaftlicher Grundlage. Nebenher kleben die sogenannten Aufarbeiter an ihren Posten und Pöstchen und sie werden weiterhin gebraucht zur weiteren Abarbeitung am größten Unrechsstaat der deutschen Geschichte. Würde man diese ganzen Gelder in den sozialen Wohnungsbau umleiten, wäre vielen Menschen besser geholfen. Wem nützt es ???

03.01.2018 09:32 Bürger der früheren DDR 30

Ich bleibe dabei:Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.

02.01.2018 22:05 walter 29

@21 Krause
Es ist mir eigentlich vollkommen egal, was damit passiert.

Sie haben recht, wenn eine Aufarbeitung mit einer vernünftigen Auswertung erfolgen würde. Doch diesen Glauben habe ich nicht. Sie wird unter Siegermentalität laufen.

Ich habe etwas gegen die Pauschalisierung:
Stasi - schlecht
BND - gut

Wir wußten zumindest von der allgegenwärtigen Stasi. Wer etwas anderes sagt lügt.
Ich weiß nicht, ob jedem Bundesbürger klar war, wieviel die gesamten Gehiemdienste der BRD sammelten.

Und Sie glauben doch bitte nicht wirklich, dass die heutigen Geheimdienste, vor allem mit den Möglichkeiten (z.B. Internet, Smartphone ...) über Sie und mich weniger wissen als die Stasi zu DDR Zeiten.

02.01.2018 20:46 Schneemann 28

Es gibt halt Wahrheiten, vor denen und unsere fürsorglichen Führer beschützen wollen.

Die NSU-Akten sind ja auch gesperrt.

Nur nicht vergessen: WIR haben DEMOKRATIE und Freiheit. Nur Rußland und China zensieren.

02.01.2018 20:03 Sabine Sonntag 27

"Der Wille ist da, doch die Technik fehlt": Wäre der Wille da, wäre auch die Technik da. Vielleicht gibt es den ein oder die andere, die nicht so großen Willen haben.