"Doktor der Stasi?" Jahn will Stasi-Doktoren kennzeichnen

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, will erreichen, dass Ex-Stasi-Offiziere mit Doktortitel diesen mit einem Zusatz führen müssen. Der Deutschen Presse-Agentur sagte der Chef der Stasiunterlagenbehörde und frühere DDR-Oppositionelle, weil der Einigungsvertrag akademische Titel schütze, könne zumindest ein Zusatz wie Doktor der Stasi Transparenz schaffen.

Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen
Roland Jahn will Doktortitel von MfS-Kadern kenntlich machen. Bildrechte: dpa

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, fordert eine Kennzeichnung für Doktor-Titel, die Stasi-Offiziere in der DDR erworben haben. Da der akademische Titel durch den Einigungsvertrag geschützt wird, sollten die MfS-Kader wenigstens den Zusatz "Stasi" führen müssen, sagte Jahn der Deutschen Presse-Agentur.

Doktor der Stasi - das wäre dann echte Transparenz.

Roland Jahn Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen

Die meisten der Titel sind Jahn zufolge an der geheimen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit erworben worden, offiziell die Juristische Hochschule Potsdam. Erörtert worden sei darin etwa die Zersetzung des persönlichen Lebens bei der Bekämpfung von Oppositionellen, erklärte Jahn. "Das waren Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte." Das sei nicht akzeptabel und müsse jetzt politisch angegangen und hinterfragt werden.

485 Autoren

Laut offiziellen Angaben wurden an der MfS-Hochschule 174 Promotionsarbeiten von insgesamt 485 Autoren erstellt. Charakteristisch war demnach, dass der überwiegende Teil der Arbeiten nicht von Einzelautoren erstellt wurde. In einem Fall seien zehn Doktoranden beteiligt gewesen.

Die zentrale Bildungs- und Forschungsstätte des MfS war laut Stasi-Unterlagen-Behörde ideologisch ausgerichtet. Neben Marxismus-Leninismus wurden "politisch-operative Spezialdisziplinen" vermittelt. Hinzu kamen militärische Ausbildung und Sport. Eine Prüfung im Fach "Bearbeitung operativer Vorgänge" wurde zur Tarnung nach außen etwa mit "System der Rechtspflege der DDR" umetikettiert. Absolventen erlangten den Titel "Diplom-Jurist".

Forschungsarbeiten online

Es gehe nicht darum, Menschen bis in alle Ewigkeit abzustempeln und zu verdammen, betonte Jahn. Wichtig sei vielmehr die Frage: Wie ist der Betroffene mit seiner Vergangenheit umgegangen? "Dieser Diskurs ist noch lange nicht vorbei, er muss weiter geführt werden."

Das Stasi-Unterlagen-Archiv stellt nun überlieferte Forschungsarbeiten von Hochschul-Absolventen online. "Mit dem Projekt wollen wir einen Beitrag zu einem gesellschaftliches Bewusstsein leisten, dass das politisch nicht akzeptabel ist", erklärte Jahn.

Der erste Doktortitel wurde laut Archiv 1966 für das Thema "Die verbrecherischen Grenzüberschreitungen Jugendlicher und Heranwachsender in ihren Erscheinungsformen sowie in ihrer sozialen und psychischen Determiniertheit" an zwei Autoren vergeben.

Schutz durch Einheitsvertrag

Der letzte Doktor-Titel an der geheimen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit wurde im Dezember 1989 vergeben. Da war die Mauer schon gefallen.

Jahn machte zunächst keine Angaben dazu, wie viele der Stasi-Doktoren noch leben oder ihren Titel überhaupt führen.

Forderungen zur Aberkennung der Doktor-Titel gab es schon früher. Nach dem deutschen Einigungsvertrag von 1990 gelten in der DDR erworbene akademische Abschlüsse im vereinten Deutschland allerdings weiter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 25. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

66 Kommentare

winfried vor 23 Wochen

>> … vor 30 Jahren haben sie ihr Volk noch angelogen und mit falschen Ideologien erzogen.<<
Ich habe zunehmend das Gefühl, jetzt sind die "Anderen" an der Reihe.

ElBuffo vor 23 Wochen

Ist eben doof, wenn diese Titel nicht in einem demokratischen Rechtsstaat erworben wurden. Noch dazu unter sehr häufig und Bedingungen, die recht fragwürdig waren. Übrigens müssen andere Doktoren in Deutschland durchaus auch einen Hinweis dazu anfügen, wenn ihr Titel an bestimmten Hochschulen/Universitäten im Ausland erworben wurden. Wobei mir da bei keiner einzigen bekannt wäre, dass da Gruppen bis zu 10 Nasen gemeinsam eine Doktorarbeit einreichen könnten und das auch noch zu solchen Themen und mit recht marginalem bis gar keinem wissenschaftlichen Wert.

Rychlik vor 23 Wochen

@mario
27.12.2019, 13:01:18 positiv Denken + 🙈 🙉 🙊
Geläutert‏‎ ist der, der sich von etwas befreit hat oder befreit worden ist. Dies kann auch im Sinne von Reinheit, Ungetrübtheit verstanden werden.