Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Bildrechte: dpa

Jahrestag des Mauerbaus Steinmeier fordert "Solidarpakt der Wertschätzung"

Vor 58 Jahren hat die SED-Führung unter Walter Ulbricht die Grenzen zur Bundesrepublik dicht gemacht und eine Mauer in Berlin bauen lassen. Zum Jahrestag erinnerte Bundespräsident Steinmeier, wer diese Mauer 28 Jahre später zum Einsturz brachte.

Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Bildrechte: dpa

Am 58. Jahrestag des Mauerbaus hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Mut der DDR-Bürger gewürdigt, im November 1989 die Öffnung der Mauer zu erzwingen.

Steinmeier sagte, der 13. August 1961 sei der Tag gewesen, an dem das SED-Regime die Teilung Deutschlands "brutal vollzogen und im wahrsten Sinne des Wortes zementiert hat". Als die Mauer dann am 9. November 1989 gefallen sei, sei dies "nicht einfach" geschehen. "Nein, die Bürgerinnen und Bürger der DDR brachten sie zum Einsturz und die SED-Diktatur gleich mit dazu, und das friedlich und ohne Gewalt".

Ost-Geschichten noch kein Teil des Wir

Der Bundespräsident warb dafür, die Lebensleistung der Menschen anzuerkennen, die in der früheren DDR gelebt und einen gewaltigen Umbruch geschultert und gestaltet hätten. Ihre Geschichten seien immer noch kein selbstverständlicher Teil des Wir: "Wir brauchen einen Solidarpakt der Wertschätzung", forderte Steinmeier.

Steinmeier warnt vor "perfider Verdrehung der Geschichte"

Zugleich mahnte Steinmeier, 1989 hätten Freiheit und Demokratie gesiegt, nicht Nationalismus und Abschottung. Es sei "eine perfide Verdrehung der Geschichte", wenn politische Gruppierungen heute im Wahlkampf versuchten, "das Erbe von '89 für ihre Angstparolen zu stehlen", sagte Steinmeier. Wer "das Gift des Hasses in die Sprache und die Gesellschaft trägt", der stehe heute auf der falschen Seite, so wie 1989 diejenigen auf der falschen Seite der Geschichte gestanden hätten, die die Menschenwürde mit Füßen traten.

Hirte: Sorge vor neuem Mauern

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, mahnte, die Erinnerung an die Mauer mache deutlich, dass eine freie und offene Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit sei. In jüngster Zeit seien in einigen Teilen der Welt wieder Mauern gebaut worden: "Diese Tendenz zu Isolationismus und Abschottung beobachte ich mit Sorge."

Bundesweite Erinnerung an Mauerbau

Gedenken an den Bau der Berliner Mauer vor 58 Jahren
Mit einer Kranzniederlegung ist in Berlin der Toten an der Mauer gedacht worden. Bildrechte: dpa

Bundesweit ist am Dienstag an den Bau der Mauer vor 58 Jahren erinnert worden, so auch in der zentralen Mauer-Gedenkstätte in Berlin. Bei einer Andacht wurde in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen eine Kerze für alle Mauertoten entzündet. Anschließend wurden am Mauer-Denkmal Kränze niedergelegt.

Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht die Grenzen zur Bundesrepublik dicht gemacht und eine Mauer in Berlin bauen lassen. Das rund 155 Kilometer lange Bauwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. August 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 17:35 Uhr