Ein Mann steckt Geldscheine in ein Portemonnaie.
Ab dem 18. Juli arbeiten die Deutschen fürs eigene Portemonnaie. Bildrechte: IMAGO

Steuerzahlergedenktag Ab jetzt in die eigene Tasche

In diesem Jahr gilt der 18. Juli als sogenannter Steuergedenktag. Ab dann arbeiten die Bürger wieder für das eigene Portemonnaie. Was zuvor erwirtschaftet wurde, wurde laut Erhebungen des Bundes der Steuerzahler, rein rechnerisch an den Staat und die Sozialversicherungen abgeführt.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Ein Mann steckt Geldscheine in ein Portemonnaie.
Ab dem 18. Juli arbeiten die Deutschen fürs eigene Portemonnaie. Bildrechte: IMAGO

Am 18. Juli 2018, um 4:40 Uhr war es soweit. Seitdem arbeitet der durchschnittliche deutsche Steuerzahler für sich. Was er bis dahin im Jahr verdient hat, floss in die Beiträge für die Sozialversicherungen und das Finanzamt.

Mittlerweile beträgt die Abgaben- und Steuerlast der Deutschen beim Jahreseinkommen durchschnittlich 53,4 Prozent. Um es konkret zu machen: Von einem verdienten Euro bleiben dem Normalverdiener übers Jahr also nur 45,7 Cent. Klar, dass 90 Prozent der Deutschen nach einer Erhebung des Bundes der Steuerzahler diese Belastung als zu hoch empfinden, für neun Prozent ist sie gerade richtig und nur für ein Prozent zu gering.

Lücke zwischen Brutto und Netto wächst

Die Lücke zwischen Brutto und Netto bei den Einkommen klafft weiter auseinander. Während die Einkommen im letzten Jahr durchschnittlich um zwei Prozent gestiegen sind, wuchsen die Einnahmen des Staates aus der Einkommenssteuer um 3,5 Prozent. Trotz Korrekturen wird die sogenannte kalte Progression noch immer nicht beim Steuertarif ausgeglichen.

Dabei steigt durch die Progression des Steuertarifs bei Lohnerhöhungen überproportional die steuerliche Belastung und frisst so den Einkommenszuwachs auf. Da der Staat nach Sicht des Steuerzahlerbundes den Steuertarif zu wenig den wachsenden Löhnen anpasst, würden rund 25 Milliarden Euro zu viel vom Finanzminister an Einkommenssteuer eingezogen. Ein Single zahlt so laut Steuerzahlerbund 1.000 Euro Steuern zu viel im Jahr.

Soli sollte abgeschafft werden

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, betonte aber zugleich, dass er nicht den Eindruck erwecken möchte, Steuern zu zahlen diene nur der staatlichen Verschwendung. Vielmehr sieht er großen Investitionsbedarf in den Bereichen Infrastruktur und Verteidigung. Aber er wehrt sich gegen Steuerungerechtigkeit wie beim Solidaritätszuschlag.

Hier fordert der Steuerzahlerbund die sofortige und komplette Abschaffung für alle Steuerzahler und nicht, wie die Koalition plant, nur für 90 Prozent. Begründet wird die Forderung mit der Statistik. Von 18,8 Milliarden Euro Solizuschlag werden 2018 nur noch 4,3 Milliarden Euro in den Aufbau Ost investiert. Auch wenn es für eine Steuer keine Verwendungsbindung gebe, so Holznagel, bestehe doch eine moralische Verpflichtung, sie nur so lang zu erheben, wie sie auch für den eigentlichen Zweck verwendet werde.

Rentner haben Probleme mit Steuererklärung

Ein Thema, das den Steuerzahlerbund immer stärker beschäftigt, ist die wachsende Besteuerung der Renten. Nach Aussagen von Reiner Holznagel wird jetzt schon ab einer Rente von ca. 1.400 Euro bei Neurentnern die Zahlung der Einkommensteuer fällig. Aber nicht nur die Höhe der Steuer, sondern auch die komplizierten Steuererklärungen würden viele ältere Menschen belasten. Hier fordert der Steuerzahlerbund eine Verbesserung des Systems und probiert dabei selbst Verfahren mit einer vereinfachten Veranlagung aus.   

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2018 | 05:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2018, 04:40 Uhr