Ein stillgelegtes Gleis nahe dem Bahnhof Dölau in Halle.
In Deutschland wurde seit 1990 fast 6.500 Kilometer an Bahnstrecken stillgelegt, so wie hier in Dölau bei Halle. Bildrechte: dpa

Bahnverkehr Ein Fünftel des deutschen Schienennetzes stillgelegt

In Deutschland sind seit 1990 fast 6.500 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden. Knapp 40 Prozent davon in Ostdeutschland. Das entspricht dem kompletten Schienennetz der Niederlande.

Ein stillgelegtes Gleis nahe dem Bahnhof Dölau in Halle.
In Deutschland wurde seit 1990 fast 6.500 Kilometer an Bahnstrecken stillgelegt, so wie hier in Dölau bei Halle. Bildrechte: dpa

Seit 1990 sind bundesweit rund 6.500 Kilometer Bahnstrecke stillgelegt worden. Das entspricht rund einem Fünftel des Streckennetzes. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung (Zahlen von 1990 bis 1993) und aus der Statistik des Eisenbahnbundesamtes (Zahlen seit 1994) hervor, die MDR AKTUELL vorliegen.

Niederlande hätte kein Schienennetz mehr

Danach sind in Ostdeutschland seit 1990 rund 2.600 Kilometer seit 1990 stillgelegt worden. Das entspricht 40 Prozent des gesamten stillgelegten Schienennetzes in der Bundesrepublik bzw. dem gesamten Schienennetz der Niederlande.

Sachsen-Anhalt ist mit 661 Kilometern das Bundesland, in denen am meisten Bahn-Kilometer seit 1994 stillgelegt wurden. Thüringen hat 467 Kilometer Schiene eingebüßt, Sachsen etwas mehr als 500 Kilometer. Zählt man die Stillegungen seit 1990 dazu, liegen Bayern mit etwa 900 und Nordrhein-Westfalen mit knapp 800 Kilometern an der Spitze.

Forderung nach Reaktivierung

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch, der die Anfrage gestellt hatte, forderte, einen Großteil der stillgelegten Strecken zu reaktivieren. Dafür solle das nötige Geld bereitgestellt werden.

Er schloss sich damit einer Forderung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmer und der Allianz Pro Schiene an. Aus Sicht der beiden Verbände könnten deutschlandweit 186 Streckenabschnitte mit insgesamt mehr als 3.000 Kilometer Schiene reaktiviert werden. Sie wollen so vom Nahverkehr abgeschnittene Regionen besser erschließen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 05:00 Uhr

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24 Kommentare

11.06.2019 20:54 Nahverkehrfreak 24

Ich bin in den 90ern in Sachsen aufgewachsen. Genauer gesagt im ehemaligen Landkreis Döbeln. Wir waren in Sachsen ewig tarifliches Niemandsland, gehörten zu keinem Verbund, was das tägliche Pendeln zur Berufsschule nach Riesa zu einer Herausforderung werden ließ. Viele haben freiwillig auf dieses Chaos verzichtet. Ich war ja froh, irgendwann doch gratis ne Schülermonatskarte ab Stauchitz für Bus und Bahn des VVO zu bekommen, um im Winter wenigstens in Riesa den Bus nehmen zu können. Hätte ich ein Auto gehabt, hätte ich lieber dieses genommen. Jetzt wohne ich in Brandenburg und bin oft in Berlin. Hier gilt ein Tarif in beiden Bundesländern für 98,5 Prozent des Nahverkehrs, Regionalbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und Fähren. Wenn es einfach ist, steigen die Leute gern auf den ÖPNV um. Das sollten sich viele Regionen in Deutschland auf die Fahnen schreiben, gerade weil Umweltpolitik ein sehr aktuelles Thema ist. Dann klappt es auch wieder mit Fahrgästen.

11.06.2019 18:05 Enrico Pelocke 23

@5: Ich widerspreche dir. In der DDR ließ man die Eisenbahnen nicht verkommen, sondern modernisierte sie und hielt sie instand. Beispiele sind die EZMG-Stellwerke auf vielen Nebenbahnen, Achslast+Geschwindigkeitserhöhungen usw.

11.06.2019 12:13 Wolfgang Bauer 22

Dazu gibt es nicht viel zu sagen außer, steigt alle auf Bus und Bahn um, der Umwelt zu liebe.
Begriffen?, nö macht nichts die da oben begreift auch keiner.

11.06.2019 11:39 kleinerfrontkaempfer 21

Wo winkt Profit, wo läßt sich schnell und gut Geld verdienen?
Danach wird entschieden und gehandelt.

11.06.2019 10:58 Bingo 20

Güterferkehr gehört verstärkt auf die Schiene und nicht auf die Autobahn,da muß man kein Grüner-Utopist sein um das zu begreifen.

11.06.2019 10:39 Hans Frieder Leistner 19

Alle wollen mehr Güterverkehr auf die Schiene. Wie sieht die Wirklichkeit aus?
Ausbau Strecke Karlsruhe - Basel jede Menge Demos.
Ausbau Inntalstrecke jede Menge Ablehnung und Proteste. Dabei sind das die Strecken für den europäischen Nord- Südverkehr - Gotthardtunnel, Brennertunnel -.
Ich glaube nicht das die Menschen in Mitteldeutschland Hurra rufen, wenn eine Strecke neu angelegt werden soll.

11.06.2019 10:08 Bernd 18

@16 das kommt auf die Strecken an. Es gibt Strecken auf denen Gueter befoerdert werden. Aber es duerfte gern mehr sein. Koennte das ist etwas anderes denn mittels MORA C ist so viel Infrastruktur verloren gegangen dass sich Zuege kaum ueberholen koennen. Was wohl das Geld bringt sind Ganzzuege und die werden auch gern gefahren aber damit bekommt man die LKW kaum von den Strassen.

11.06.2019 08:17 Bernd 17

@1 MDR sicher von 1998 bis 2005 gab es im Bund keinen Gruenen Verkehrsminister auch in Sachsen Anhalt war es von 1994-2002 Dr.Heyer (SPD). Aber die Gruenen haetten hier intervenieren koennen (muessen) als viele Strecken eingestellt wurden. Sonst gebe ich Bartzsch teilweise recht. Man muss es attraktiv gestallten (Preise, Service, Puenktlichkeit, Geschwindigkeit) dann kann man Fahrgaeste gewinnen. Dann noch P+R Parkplaetze an den Bahnhoefen. Aber was ich befuerchte die Reaktivierung wird laenger dauern als die Stillegung eventuell sagar als der Bau der Strecken. Da gibt es eben viel Buerokratie und die Ertuechtigung der Strecken + Signaltechnik muss dann wohl ausgeschrieben werden (vorher die Mittel bewilligt) also das wird wohl dauern.

11.06.2019 05:23 optinator 16

10 % des derzeitigen Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene bringen, das wäre mal ein Ziel. Für den Anfang.
Aber das spielt die Auto - und Treibstofflobby nicht mit.

Wenn ich heute mal einen Güterzug sehe dann erinnere ich mich an vor mehr als 30 Jahren, als dieses Ereignis das Normalste der Welt war.

10.06.2019 23:27 Nordert NRW 15

Es zeigt aber auch wieder mal wie wir Deutschen ticken, mehr auf die Bahn ja klar; aber nicht bei mir in der Nähe; Ökostrom klar aber die Trasse nicht bei mir hinter meinem Garten, neue Brücken ? klar aber so das ich nix davon merke...Also die Politik ist bestimmt nicht die dollste aber vieles sind wir auch selber schuld. Hier sollte z.B. eine S-Bahn direkt vor das Stadion in MG fahren, das wurde neben Finanzierungsproblemen aber auch von 2 Anwohnern verhindert. Jetzt kurbeln ca. 60 Busse die Besucher und Fans vom HBF bis ins Stadion und Retour, Wegstrecke sind hin und zurück knapp 30 km. Inclusive der Blockade in der Innenstadt. Also
da bin ich in Zukunft mal gespannt ob sich da was tun wird. Allerdings gehören die Gleise ja auch dem Staat, ein Schelm der böses dabei denkt....