Kohleausstieg Ausstiegsfahrplan für die Braunkohle

Nach und nach versucht die Politik, die Vorschläge der Kohlekommission zum Ausstieg aus der fossilien Energie umzusetzen. Nun liegt ein Fahrplan zur Stillegung der verbleibenden Kraftwerksblöcke vor. Die beteiligten Berliner Ministerien und die Kohlelobby zeigen sich zufrieden. Kritik kommt von der Opposition und Organisationen wie BUND und Fridays for Future.

Die Silhouette des Kraftwerkes Schkopau zeichnet sich im Gegenlicht der Sonne ab.
Im Bild zu sehen: Das Kraftwerk Schkopau. Es soll bis Ende 2034 laufen. Bildrechte: dpa

Der Plan, den die Bundesregierung am Donnerstag vorgelegt hat, ist im Grunde simpel. Zuerst gehen die ältesten Meiler vom Netz, also Anlagen, die zwischen 1959 und 1976 in Betrieb genommen worden sind. Die betroffenen Standorte sind alle im Rheinischen Revier angesiedelt. Bis Ende 2022 fallen damit 2,82 Gigawatt Kapazität aus Braunkohle weg. Noch bis Ende dieses Jahres soll RWE die erste Einheit vom Netz nehmen.

Abschaltungen im Lausitzer Revier bis 2030

Bis 2030 ist dann auch das Lausitzer Revier betroffen. So sollen vier der sechs Blöcke des Kraftwerks Jänschwalde bis Ende 2025, Ende 2027 beziehungsweise Ende 2028 stillgelegt werden. Die Blöcke A und B sollen dabei, genau wie der rheinische Block Niederaußem H, in Sicherheitsbereitschaft bleiben. Das heißt, die Kraftwerksblöcke sollen im Notfall einspringen, wenn die Versorgungslage auf der Basis erneuerbarer Energien nicht gewährleistet werden kann.

Mit den elf Meilern, die bis zum Ende des Jahrzehnts stillgelegt werden sollen, fallen 5,7 Gigawatt Leistung für die Stromproduktion weg.

Revisionen und eventuelle frühere Abschaltung

Nach 2030 geht es dann den Braunkohlekraftwerken jüngeren Datums an den Kragen. So wird es spätestens zu diesem Zeitpunkt auch das Mitteldeutsche Revier treffen. Bis Ende 2034 sollen zwei Meiler in Schkopau abgestellt werden und bis Ende 2035 die beiden im sächsischen Lippendorf.

Für Schwarze Pumpe und Boxberg gilt nach aktuellem Stand die Gnadenfrist bis Ende 2038. Doch die Bundesregierung hat deutlich gemacht, dass zu den Zwischenbilanzen 2026 und 2029 geprüft werden soll, ob die endgültige Schließung dieser Standorte drei Jahre vorgezogen werden kann.

Weitere 8,65 Gigawatt entfallen, wenn die letzten Kraftwerke außer Betrieb genommen worden sind. Grund zur Panik gibt es deswegen jedoch nicht. Experten zufolge kann ein Großteil des Strombedarfs durch erneuerbare Energie gedeckt werden, vorausgesetzt die Infrastruktur stimmt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier machte bei der Vorstellung des "Stilllegungspfades" zudem deutlich, dass Deutschland bereits Strom zukaufe und sich mittel- bis langfristig durch die Energiewende ein europäischer Strommarkt entwickeln werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 17:38 Uhr