Homöopathie (Globuli)
Typische homöopathische Arznei: Globuli. Bildrechte: IMAGO

Koalition uneins Homöopathie-Ärzte warnen vor "Monokultur"

Sollen Krankenkassen homöopathische Arzneimittel bezahlen? An dieser Frage scheiden sich die Geister – auch in der Koalition. Das Bundesgesundheitsministerium sieht hingegen gar keinen Handlungsbedarf. Die Entscheidung liege bei den Kassen selbst.

Homöopathie (Globuli)
Typische homöopathische Arznei: Globuli. Bildrechte: IMAGO

Der Streit um die Finanzierung von homöopathischen Leistungen durch die Krankenkassen geht weiter. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte kritisierte am Freitag, die Erstattung solcher Leistungen zu verbieten, wäre ein Schritt hin "zu einer Monokultur" in der Medizin. Vorsitzende  Michaela Geiger forderte stattdessen Pluralismus.

Die meisten Kassen zahlen

Die meisten gesetzlichen Krankenkassen erstatten zumindest teilweise die Kosten für homöopathische Mittel und Behandlungen. Doch ist je nach Kasse unter anderem die Kostenerstattung gedeckelt oder vorgeschrieben, welche Ärzte und Heilpraktiker aufgesucht werden dürfen.

Nach Angaben des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie vom Januar 2019 boten etwa zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten Leistungen für Alternativmedizin an. Der AOK-Bundesverband verlangte Klarheit vom deutschen Gesetzgeber.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hatte ein Ende der Finanzierung von homöopathischen Leistungen durch die Kassen gefordert. Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit. Auch Fachpolitiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlossen sich der Kritik an.

Koalition ist uneins

Die große Koalition ist uneins in der Frage, ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für homöopathische Mittel übernehmen sollen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), und die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar zeigten sich offen für ein Ende der bislang möglichen Erstattung.

Rüddel sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Freitag, es sei "schwer vermittelbar", dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen würden, während an anderer Stelle gespart werden müsse. Dittmar betonte: "Die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ist nicht nachgewiesen." Sie sehe es "kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren". Es sei aber wichtig, zwischen Naturheilkunde und Homöopathie zu unterscheiden.

Widerspruch kam von der Unionsgesundheitsexpertin Karin Maag (CDU). Sie verwies im Deutschlandfunk darauf, dass die gesetzlichen Kassen die Erstattung als sogenannte Zusatzleistung übernehmen können. "Auf freiwilliger Basis halte ich das für sehr verträglich", sagte Maag. Es gelte das Kassenwahlrecht. Wer Homöopathie ablehne, solle eine Kasse wählen, die die Erstattungsfähigkeit nicht in Anspruch nehme.

Gesundheitsministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Ähnlich sieht es das Bundesgesundheitsministerium. In einer Stellungnahme heißt es, Homöopathie gehöre nicht zu den Regelleistungen. Die Krankenkassen könnten selbst festlegen, ob sie derartige Leistungen erstatteten oder nicht. Zudem sei es nicht Sache des Bundesgesundheitsministeriums, die Wirksamkeit von Medikamenten zu bewerten. Dies mache die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte mehrfach bestimmte alternative Behandlungsmethoden kritisiert, wie sie von Heilpraktikern angeboten werden. Er will unwissenschaftliche Methoden über Änderungen im Arzneimittelgesetz verbieten.

Linke: andere Probleme in der Gesundheitspolitik

Der Linken-Politiker Harald Weinberg bezeichnete die Debatte in den RND-Zeitungen als überzogen. Die Kosten für Homöopathie für die Krankenkassen seien sehr niedrig. Es gebe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen, beispielsweise den Pflegenotstand in Krankenhäusern. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte den RND-Zeitungen, jeder, der Homöopathie befürworte, solle sie auch weiter erwerben können - aber auf Selbstzahlerbasis.

Hintergrund der Diskussion in Deutschland ist die Entscheidung in Frankreich, dass ab 2021 homöopathische Arzneimittel nicht mehr von der Kasse erstattet werden sollen. Hauptargument ist, dass die Wirkung vieler Mittel und Therapien nicht eindeutig nachgewiesen ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 17:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

13.07.2019 12:58 M.S. 10

In Eigenverantwortung kann jeder die homöopathischen Mittel nutzen. Akkupunktur bei Rückenschmerzen wird meines Wissens von den ges. Krankenkassen erstattet. M.E. stärkt die private Versicherungsart mehr die Eigenverantwortlichkeit. Mir wurde im Anschluss nach einem Aufenthalt in einer REHA-Klinik Wassergymnastik verordnet. In dem Kurs vor Ort waren zum Teil ges. Versicherte, denen die Teilnahme schon über einen längeren Zeitraum bezuschusst wurde. In diesen "langjährig gewachsenen" Strukturen habe ich mich nicht wohlgefühlt und bin wieder gegangen.

13.07.2019 12:08 Annerose will 9

Therapien, die teuer sind, aber wissenschaftlich nach gewiesen effektiv werden Patienten unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt. Aber Homöopathie wird meist bezahlt. Das soll einer verstehen. Und die Politik beweist mal wieder Führungsstärke. Auch daran wird deutlich wie krank das Land ist.

13.07.2019 08:48 carla 8

Die Wirkung der Globuli ist nicht nachgewiesen. In Deutschland wird ansonsten kein Medikament zugelassen, bei dem nicht eine positive Wirkung nachgewiesen wurde. Auch die Aussage "extrem niedrige Kosten" für die Homöopathie finde ich grenzwertig. Ja im Gesundheitswesen geht es um Milliardensummen. Da erscheinen manchem 2-3 Millionen wenig. Aber was bedeuten 2-3 Mio für den normalen Bürger - sehr viel Geld. Zudem soll gespart werden. Wenn wenig bis kein Geld da ist, muss auch im Kleinen gespart werden. Das weiss der normale Bürger. Nur weil sehr viel Geld da ist, können Politiker doch nicht die Aussage treffen, diese geringe Summe spiele keine Rolle. Für uns Normalbürger spielen auch solche kleinen Summen eine Rolle. Letztendlich haben wir mit unseren Beiträgen diese kleine Summe eingezahlt.

13.07.2019 07:49 Marlis 7

Ich bin da anderer Meinung ehe man jemanden mit der pharmakeule behandelt und es derjenige schon mit homöopathischen Mitteln versucht hat und Erfolg hatte warum nicht. Ist preiswerter zum Teil . Kann natürlich nicht bei ernsthaften Erkrankungen angewendet werden. Ich nehme es für meinen cholesterinwert und siehe da es hilft. Sollte vorher etwas bekommen was keinen so guten ruf hat. Man sollte also abwägen und nicht gleich alles verdammen. Z.b. Gegen Rückenschmerzen helfen bei mir Akupunktur ganz toll, ich bin auch schonetwas älter aber das merkt man nicht . Also man sollte abwägen wo eine chemiekeule erforderlich ist oder wo noch diese Mittel helfen. Ich nehme sie solange es geht weiter und brauche keine Chemie.

12.07.2019 23:51 Morchelchen 6

Das mit dem Verschreiben stimmt trotzdem, DD? Vielleicht darf ich noch erwähnen, dass in GB jeder Rentner einen festen Heizungszuschuss bekommt, damit der alte Bedürftige nicht frieren muss... Ich finde, es kommen etliche Euros an KV zusammen im Laufe eines Arbeitslebens. Dazu wird der Pflegebeitrag abgezogen bis zum Tod, nun bei höheren Renten Steuern - da kann man schon mal mosern. Egal, ob das politisch herüber kommt... Ach, ich muss noch was draufsetzen: Nachbars waren kürzlich in Amerika und wurden dort darüber aufgeklärt, dass Normalbürger keineswegs dem Risiko ausgesetzt sind, ohne Gesundheitsfürsorge dazustehen, wie man das hier häufig hörte. Besonders zu Obamas Zeiten. Es müssen sich die Amerikaner bloß selbst um die Beitragsabführung der von ihnen ausgewählten jeweiligen KK kümmern. Sicher werden Leistungsverweigerer mit weniger Hilfe rechnen können, wie hier.
Bei uns kriegt jeder Nichtzahler eine Behandlung, manche im Alter sogar einen Heimplatz.

12.07.2019 23:06 Nance 5

Also soweit ich das weiß, übernimmt der NHS keine Homöopathie Präparate. Vitamin D (z.B.) kann aber durchaus als Medikament verschrieben werden. Die Wirkung von Vitamin D ist weit erforscht und wird weiter untersucht. In Rente gehen kann man in GB auch nicht eher als in Deutschland. Da der NHS durch die Steuerabgabe direkt finanziert wird, ist die Bemerkung zur Steuerabhängigkeit sinnlos. Das System ist sprichwörtlich von Anfang an als Steuerabgabe ausgelegt.

12.07.2019 20:59 M.S. 4

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die ges. Krankenkassen die Kosten dieser zwar kostengünstigen Mittel, die jedoch ohne ausreichenden wissenschaftlichen Wirkungsnachweis sein sollen, nicht erstatten. Für mich ist dies ein schlüssiges Argument für eine ausschließlich privat Angelegenheit derjenigen, die Homöopathische Mittel anwenden möchten.

12.07.2019 20:54 DD 3

@ Morchelchen 2: Ist es Absicht oder Unwissenheit? Ich unterstelle mal Absicht. Das britische, staatliche Gesundheitssystem NHS ist zwar schön gedacht doch von den Steuerzuwendungen des Staates abhängig. Diese sind aber seit jeher nicht wirklich ausreichend und eine private Zusatzkrankenversicherung ist fast obligatorisch. Sofern man sich diese leisten kann. Daher dient ihre Anmerkung wohl eher ihren politischen Absichten.

12.07.2019 19:30 Morchelchen 2

Warum sollten sich die Kassen noch zusätzliche Ausgaben auflasten und Interesse an Homöopathie zeigen? Ist die bisherige Entwicklung nicht schon aussagefähig genug? Rezeptgebühren, Zuzahlungen zu Fahrten, zu Physiotherapien, Begrenzungen von Kuren, usw.. Eine Bekannte erzählte, dass in England Rentner*Innen alles kostenfrei erhalten, was der Arzt verschreibt. Inbegriffen Vitaminpräparate, usw., da dürften homöopathische Mittel natürlich auch darunter fallen.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die von ihren Verdiensten mehr Krankenversicherung bezahlten als wir, inklusive dem Arbeitgeberanteil. Mir ist es auch so, als könnten die Briten eher in Rente gehen als wir im "reichen Deutschland". Sorry, aber ich kann da nicht anders. Unsere Politiker äußern das einfach zu oft, während es woanders auch nicht so schlecht aussieht, wenn man (genau) übern Tellerrand schaut.

12.07.2019 18:42 Carolus Nappus 1

Warum um alles in der Welt, sollte sowas von Zwngsbeiträgen bezahlt werden, wenn es keine nachgewiesene Wirkung gibt. Spielt auch gar keine Rolle, dass es noch andere Probleme gibt. Vielleicht sollte man mal davon wegkommen, dass alles mögliche gleich der globalgalaktische Ansatz sein muss, mit dem gleichzeitig auch noch der Hunger in der Welt und der Fusspilz ausgerottet werden kann.