Ausbildungsstudie Studie: Jugend im Osten ist flexibler

Wie bewerten Jugendliche in Deutschland ihre Schule, Ausbildung und Job-Chancen? Was sind ihre Sorgen? Das hat das Allensbach-Institut untersucht - und dabei diesmal gezielt nach Unterschieden in Ost- und Westdeutschland gefragt.

Studentinnen am Computer
Die Schule sollte besser auf das Leben vorbereiten, fordern Jugendliche in Ost- wie in Westdeutschland. Bildrechte: IMAGO

Die Jugendlichen in Deutschland sehen ihre berufliche Zukunft überwiegend positiv, doch trübt sich die Zuversicht ein. Das ist ein Fazit der neuen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der McDonald's-Stiftung. Demnach sehen 73 Prozent der befragten 15- bis 24-Jährigen gute Chancen in Ausbildung und Job, doch 2017 waren es noch 77 Prozent. Dabei gibt es zu verschiedenen Themenbereichen gesamtdeutsche Trends, aber auch Unterschiede zwischen Ost und West.

Kritik am Schulsystem

Gesamtdeutsch wächst die Kritik am Bildungssystem: Zwar ist noch immer eine große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit der Wissensvermittlung in den Schulen zufrieden, doch die Zufriedenheit ist rückläufig. Nach Auffassung der jungen Generation sollte die Schule mehr praktisches Wissen vermitteln: Vorbereitung auf Bewerbungen, Umgang mit Computerprogrammen, Abwicklung von Finanz- oder Versicherungsgeschäften und ein verantwortungsbewusster Umgang mit sozialen Netzwerken. Demnach bereiten die Schulen nicht ausreichend auf das Berufsleben vor.

Sorgenkatalog verschiebt sich

Die Furcht vor beruflichen und finanziellen Problemen hat angesichts der guten wirtschaftlichen Lage abgenommen. 2019 dominieren bei den Jugendlichen Themen wie Klimawandel, bezahlbarer Wohnraum und zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft. Vor zwei Jahren waren es noch Angst vor Terrorismus, Gewalt und Kriminalität. Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen werden von der jungen Generation unverändert positiv bewertet.

Jedoch wächst die Kritik an der mangelnden Interessenvertretung durch die Politik. So vertraut nur noch jeder Fünfte der unter 25-Jährigen darauf, dass die Politik die Interessen der jungen Generation ausreichend berücksichtigt. 2017 waren es noch 28 Prozent.

Zufriedenheit in Ausbildung und Job

Auszubildende wie junge Berufstätige sind der Studie zufolge überwiegend zufrieden. Die wenigsten hatten Probleme, eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu finden. Auch Ausbildungs- oder Arbeitsplatz werden positiv bewertet. Das bringt mit sich, dass immer weniger Berufstätige in Erwägung ziehen, ihren Arbeitsplatz oder Beruf zu wechseln.

Schwerpunkt 2019: Ost-West-Vergleich

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls setzte die Studie 2019 als Schwerpunkt Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Vergleich des persönlichen Sorgenkatalogs zeigt sich: Im Osten dominiert die Sorge vor Kriminalität und Gewalt, Terrorismus und dem Einfluss des Islam. Im Westen sind es die Themen Klimawandel, eine drohende Wirtschaftskrise und Angst vor wachsendem Nationalismus in vielen Ländern.

Bei Fragen nach Ausbildung und Jobs zeigte sich, dass die ostdeutschen Länder für die junge Generation als deutlich weniger attraktiv eingestuft werden: 42 Prozent der Ostdeutschen im Alter von 15 bis 24 Jahre schätzen die Möglichkeiten in ihrer eigenen Region als ungünstig ein, in Westdeutschland nur 19 Prozent.

Im Westen werden vor allem die größere Jobauswahl, bessere Verdienstmöglichkeiten und interessantere Arbeitgeber gesehen. Ostdeutschland punktet dagegen mit bezahlbarem Wohnraum sowie guten Angeboten an Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Ost-Jugendliche flexibler

Trotzdem wollen Jugendliche gerne in ihrer eigenen Region bleiben. Nur zwölf Prozent der Befragten gab an, lieber woanders wohnen und arbeiten zu wollen. Dabei ist jedoch die Mobilitätsbereitschaft im Osten erkennbar größer als im Westen: 45 Prozent würden in den Westen umziehen, unter den Jugendlichen im Westen würde nur jeder fünfte in den Osten gehen.

Der Trend vergangener Jahre hält an, dass sich Schüler mit ihrer Berufsentscheidung schwer tun. Die Mehrheit hat nur vage Vorstellungen von der beruflichen Zukunft und möchte sich nicht zu früh festlegen. Eine Mehrheit der Schulabgänger will lieber studieren als einen Beruf lernen. Doch auch dabei zeigten sich Unterschiede zwischen Ost und West: Ostdeutsche Schüler neigen der Befragung zufolge stärker als westdeutsche Schüler zu einer praxisbezogenen Ausbildung. Mehr ostdeutsche Schüler planen nach ihrer Schulzeit eine Lehre. Ebenso ist das Interesse für ein duales Studium im Osten größer als im Westen.

McDonald's Ausbildungsstudie Für die repräsentative Studie befragte das Institut für Demoskopie Allensbach zusammen mit der Hertie School of GovernanceInstitut 1.592 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Das Ergebnis spiegelt nach Angaben der Autoren die Erwartungen von über acht Millionen Menschen in Deutschland wider.

Die Studie untersucht die Ansichten junger Personen, die vor der beruflichen Auswahlphase stehen, die sich derzeit in der Ausbildung befinden, aber auch von jenen, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben und im Beruf stehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 09. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 10:00 Uhr

1 Kommentar

Klaus vor 23 Wochen

Das überrascht mich jetzt nicht, dass die Jugendlichen im Westen überwiegend lieber im Westen bleiben wollen.
Aber was hat das mit Flexibilität zu tun, wenn man lieber die Umgebung mit den besseren Chancen wählt?