Eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten.
Grüne und Linke wollen das bedingungslose Grundeinkommen in Modellprojekten testen. Bildrechte: dpa

DIW-Studie Jeder Zweite für bedingungsloses Grundeinkommen

Die Idee eines Grundeinkommens ohne Vorbedingung findet in Deutschland viel Zustimmung. In Umfragen befürworten knapp 50 Prozent das Modell. Es gibt aber große Unterschiede zwischen Jung und Alt, Ost und West - sowie die offene Frage der Finanzierung. Grüne und Linke fordern Modellversuche.

Eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten.
Grüne und Linke wollen das bedingungslose Grundeinkommen in Modellprojekten testen. Bildrechte: dpa

Etwa jeder zweite Bürger unterstützt die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nach einer Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts (DIW) befürworten zwischen 45 und 52 Prozent der Bevölkerung die Einführung dieses Modells. Die Autoren berufen sich dabei auf repräsentative Umfragen aus den Jahren 2016 bis 2018. 

Bedingungsloses Grundeinkommen Beim bedingungslosen Grundeinkommen soll jeder Bürger unabhängig von seiner Finanzkraft eine gesetzlich festgelegte Summe vom Staat bekommen. Das Geld wird ohne Gegenleistung ausgezahlt. Es soll verschiedene Sozialleistungen ersetzen und die grundlegenden Lebenshaltungskosten decken.

Unterschiede zwischen Generationen und Regionen

Zustimmung für das Modell gibt es dem DIW zufolge eher bei jungen Menschen unter 25 Jahren als bei älteren. Rentner lehnen ein solches Grundeinkommen mehrheitlich ab. Zudem sind Menschen mit höherer Bildung und mit niedrigem Einkommen sowie diejenigen, die sich politisch links einordnen, offener für die Idee.

Die Analyse zeigt auch, dass die Idee des Grundeinkommens für alle in Ostdeutschland besser ankommt als im Westen. Unter den ostdeutschen Befragten lag die Zustimmung bei 61 Prozent, in Westdeutschland nur bei etwa 50 Prozent.

Zustimmung unter Vorbehalt

Allerdings mahnen die Forscher, die Zustimmungswerte seien  nicht gleichzusetzen mit einem Ja zur Einführung einer solchen Reform. Denn den Befragten hätten keine Informationen über die mögliche Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens vorgelegen und auch nicht zur Kürzung bisheriger Sozialleistungen oder Erhöhung von Steuern.

Auch ist die Zustimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen in Deutschland im europäischen Vergleich nicht besonders hoch. In Ländern wie Litauen, Ungarn oder Slowenien, in denen der Sozialstaat weniger ausgeprägt sei, sind laut Studie weitaus mehr Menschen von der Idee angetan.

Grundeinkommen widerspricht Leistungsprinzip

Die Daten basieren unter anderem auf der zweimal erhobenen Sonderstichprobe der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). Dabei zeigte sich auch, dass die Vorbehalte gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen vor allem daher kommen, weil viele das Leistungsprinzip verletzt sehen. SOEP-Direktor und DIW-Vorstandsmitglied Stefan Liebig sieht deshalb größere Chancen für ein Grundeinkommen, das nur bestimmten Gruppen vorbehalten ist oder die Zahlung an Bedingungen wie eine gemeinnützige Tätigkeit knüpft.  

Grüne und Linke fordern Praxistest

Die Grünen drängen angesichts der hohen Zustimmungswerte darauf, das bedingungslose Grundeinkommen in Modellprojekten zu erproben. Arbeitsmarktexperte Wolfgang Strengmann-Kuhn sagte, eine Quote von etwa 50 Prozent zeige, "dass die Zeit über Hartz IV hinweggegangen ist und wir dringend über neue Formen der sozialen Mindestsicherung diskutieren müssen". Modellprojekte wären ein logischer nächster Schritt.

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Auch die Linke unterstützt die Idee. Thüringens Landes- und Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow sprach sich ebenfalls für ein Modellprojekt mit bis zu 1.000 Menschen aus. Das könne ein Stadtteil oder ein Dorf sein, sagte die Politikerin. Jeder sollte nach der Idee 1.500 Euro bekommen, Kinder die Hälfte.

Die Unionsparteien und die FDP lehnen ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Die SPD diskutiert ein sogenanntes solidarisches Grundeinkommen, bei dem es etwa an gemeinnützige Tätigkeit gekoppelt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. April 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 12:47 Uhr

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38 Kommentare

12.04.2019 13:25 Joachim Winters 38

Zur Europawahl besteht die historische Chance, das Grundeinkommen als das Thema unserer Gesellschaft direkt zu wählen. Das Bündnis Grundeinkommen (BGE) tritt auf Platz 23 an, um auf europäischer Ebene und in Zusammenarbeit mit anderen Parteien das Bedingungslose Grundeinkommen in den nächsten Jahren noch weiter voranzubringen.

12.04.2019 06:59 H.E. 37

Ich bin bei dem bedingungslosen Grundeinkommen wirklich gespalten. Es sollte jedenfalls mehr getan werden für die ältere Generation, denn viele sind immer noch sehr arm dran.
Geld scheint ja in unserem Land genügend vorhanden zu sein, obwohl es bei jeder Gelegenheit heißt dafür sei kein Geld da oder dies oder jenes ist nicht finanzierbar.
Es ist doch von heute auf morgen auch möglich gewesen, die Grenzen aufzumachen für jedermann und JÄHRLICH ca. 60 Milliarden dafür auszugeben (JE 20 Milliarden der Bund, die LÄnder und die KOmmunen). Und die Integration kann man in den Wind schreiben. Bei den Kursen in unserer Gemeinde kommen sie einfach häufig nicht mehr, wenn gelernt werden muß, man hat sie sogar schon geholt als sie nicht erschienen.
Also mindestens eine Mindestrente sollte gewährleistet sein von unserem Staat.

11.04.2019 21:37 Bronko 36

Ich habe den Artikel nicht gelesen, nur bis "Grüne und Linke fordern Modellversuche".

Kann man sich sparen, nur mal in Finnland nachfragen, wie das krachend gescheitert ist. Tenor ist -> das macht noch fauler als Hartz es schon für diverses Klientel macht. Aber es macht "glücklicher...."

w.z.b.w. hieß es damals in Mathe.......

11.04.2019 21:21 Hossa 35

Wer geht dann für mich auf Schicht?
Nachts,am Wochenende und Feiertags?
Das ist Science Fiction.

11.04.2019 20:54 Anik Kähler 34

Art. 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Lasst uns unser Zusammenleben ganz neu denken - für Abbau von Beschämung, für den Aufbau eines Raumes für selbstbestimmte Potentialentfaltung.

11.04.2019 16:01 Fragender Rentner 33

Das klingt ja gut nur mal eine Frage wer kommt für die Kosten auf?

MWSt-Erhöhung?

11.04.2019 14:53 kleinerfrontkaempfer 32

Man nehme die gesamten in Doitschland ausgereichten sozialen Finanzmittel + Kosten u. Aufwand für deren Verwaltung/Organisation/Personal und schon hat man locker die nötigen Mittel parat.
Canada hat in den 70er Jahren einen solchen Modellversuch gestartet, Ende war dann die Ölkrise. Man verzeichnete viele positive soziale u. gesellschaftliche Effekte (Scheidungen, Bildungswilligkeit, soziales Engagement usw.) Am KÖNNEN wird es also auch in Doitschland nicht liegen solch eine Sache anzugehen.

11.04.2019 13:16 Johny 31

Diese Disskusion ist überflüssig wie ein Kropf, denn erstens hat man kein Geld mehr, weil schon für Jahrzehnte im voraus verplant von Merkel und zweitens geht die Konjunktur nach unten und drittens dartf kein EU- Bürger benachteiligt werden - also Grundeinkommen für alle EU- Bürger und die Millionen, die es noch werden wollen. Also nochmal: Was sollen solche sinnlosen Artikel?
Aktuell steht gerade das "Geordnete-Rückkehr-Gesetz" von Seehofer an. ;-)))))))))))

11.04.2019 10:20 Günter Kromme 30

Hier wird Blödsinn diskutiert! Auf Grund der technologischen Weiterentwicklung wird es immer weniger wirkliche Arbeitsplätze geben, aber Deutschland würde nach Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens überquellen von Zuwanderern, da sich Merkel nach wie vor weigert die Grenzen zu schließen. Und dann haben wir sie, die Frage nach der Finanzierung, die wohl für immer unbeantwortet bleiben wird weil dann selbst das Papier zum Gelddrucken ausgeht. Schöne neue Welt, bald werden 8, 10 oder gar 12 Milliarden Menschen arbeitslos gut und gerne leben. Finnland hat dazu einen jahrelangen "Feldversuch" unternommen und jeder sollte sich mal dessen Ergebnisse ansehen! Und das besonders die jungen Leute dafür sind, wen wunderts, Party und Schulschwänzen sind angesagt! Und das der technische Fortschritt mehr Arbeitsplätze schafft als vernichtet, das ist eine der üblichen dreisten Zwecklügen. Überbevölkerung, schlimmer als Klimawandel, ist das Problem, kapiert das endlich!!!!!

11.04.2019 09:13 Sr.Raul 29

Da ist @5 (Basil Disco) absolut Recht zu geben. Die "Segnungen" der komplett überzogenen Digita- und Globalisierung nach dem Gusto des Großfinanz- und Großindustriekapitals wird eine solche "Volksfinanzierung" am Ende des Tages unumgänglich machen. Da werden die Genannten schon selber für sorgen, sonst wäre ja eines Tages niemand mehr da, welchem man das Geld aus der Tasche ziehen kann. Und wer hier immer noch von "Sozialer Marktwirtschaft" träumt nun ja, weiter machen!