Ist Streaming das neue Fliegen? Der Digitalisierungsschub in Zahlen – Schulze wünscht sich Nachhaltigkeit

Eine Datenstudie belegt die Effekte, die die Corona-Krise bisher auf die Digitalisierung gehabt hat. Ein erhöhter Daten- und damit Stromverbrauch etwa durch Online-Streaming bringt aber neue Herausforderungen mit sich. Umweltministerin Svenja Schulze will das Thema daher auf die Agenda der deutschen EU-Ratspräsidentschaft setzen.

Thomas Losse-Müller (l-r) von der Unternehmensberatung EY, Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltminsterin, und Holger Berg, Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation beim Wuppertal Institut, stellen vor der Bundespressekonferenz die
Inwiefern hat die Corona-Krise der Digitalisierung wirklich einen Schub gegeben? Eine Studie gibt nun darüber Auskunft. Bildrechte: dpa

Eine vom Bundesumweltministerium beauftragte Datenstudie zeigt, wie sehr die Corona-Krise die Digitalisierung im Land befördert. Die vom Wuppertal Institut und den Wirtschaftsprüfern von Ernest & Young durchgeführte "Zwischenbilanz Covid-19" zeigt: Dem deutlichen Anstieg des Internet-Datenverkehrs steht in der Corona-Krise ein Rückgang des Personenverkehrs gegenüber.

Bei der Vorstellung der Studie in Berlin verlieh Bundesumweltministerin Svenja Schulze ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Fortschritte in der Digitalisierung langfristig zu einer Entlastung der Umwelt führen. Schulze will die umweltgerechte Digitalisierung jedenfalls zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab Juli 2020 machen. Für Mitte Juli sei ein virtuelles Treffen der europäischen Umweltminister zum Thema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit" geplant, sagte die Ministerin.

Mehr Homeoffice, weniger Personenverkehr

Laut einer Umfrage der Universität Mannheim, die die Studienautoren zitieren, konnten 25 bis 30 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland ihre Arbeit ins Homeoffice verlegen. Das hat umgekehrt zu einer Verringerung der Aufenthalte von Menschen an Arbeitsorten geführt – laut Google um 45 Prozent im März (im Vergleich zu Februar) und immerhin noch um 30 Prozent Ende Mai. Mit der Förderung von Homeoffice und virtuellen Arbeitsformen lässt sich laut den Studienautoren der gesamte Personenverkehr um acht Prozent reduzieren.

Den Wandel in der Einstellung auch vieler Arbeitgeber zum Thema Homeoffice belegt diese Zahl: 39 Prozent derjenigen, die zum ersten Mal im Homeoffice gearbeitet haben, hatten zuvor keine Erlaubnis des Arbeitgebers. 26 Prozent wollten von sich aus nicht im Homeoffice arbeiten. Mittlerweile gehen aber 31 Prozent der befragten Arbeitnehmer in Deutschland davon aus, dass sie in den nächsten Jahren weniger Dienstreisen unternehmen werden, zwei Drittel denken, dass sie interne Abstimmungen über Videokonferenzen abwickeln können.

Deutliches Wachstum bei Streaming- und Videodiensten

Durch Streaming und Videokonferenzen ist damit zu rechnen, dass Daten- und Stromverbrauch weiter steigen. Laut den Betreibern des Internet-Knotens DE-CIX hat sich die Nutzung von Streaming- und Konferenz-Diensten in der Corona-Krise um 30 Prozent erhöht, der Datenverkehr sei insgesamt um zehn Prozent gestiegen. Bei der Nutzung von Videokonferenzen gab es den Studienautoren zufolge durch die Corona-Krise einen Anstieg um 120 Prozent. Allein der Videokonferenz-Anbieter Zoom hat in den vergangenen Monaten seinen Umsatz um 169 Prozent steigern können.

Aktuelle Zahlen zum Stromverbrauch gibt es zwar noch nicht, der Stromverbrauch des Internets habe in den vergangenen Jahren aber so oder so konstant zugenommen, sagte Holger Berg vom Wuppertal Institut. Eine Videokonferenz sei immer noch besser, als wenn fünf oder sechs Menschen mit dem Auto zu einem Treffen führen.

Ist Streaming das neue Fliegen?

Die Studienautoren warnen sogar vor einem höheren Energieverbrauch durch diese Entwicklung, sollte sie nicht durch flankierende Maßnahmen begleitet werden. Ministerin Schulze verwies in diesem Zusammenhang auf das von ihr vorgeschlagene Investitionsprogramm "Green Cloud", das den Aufbau energieeffizienter und besonders klimafreundlicher Cloud-Infrastrukturen für Verwaltungen, den Bildungsbereich und für Unternehmen zum Ziel hat.

Im September sollen nach Schulzes Angaben schließlich verlässliche Zahlen zum Energieverbrauch durch Cloud-Dienste in Deutschland vorliegen. Sie sei zwar nicht der Meinung, dass Streaming in Bezug auf den Klimaschutz das neue Fliegen sei, doch müsse es auch im Digitalbereich beim Energieverbrauch Fortschritte geben, damit die Klimaziele erreicht würden.

Trends im Handel: Online und regional

Weitere Ergebnisse der Studie illustrieren das Wachstum beim Online-Shopping: Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im April 60 Prozent mehr Online-Transaktionen als zuvor. Ebenfalls 60 Prozent möchten in Zukunft Einkaufsfahrten reduzieren. 78 Prozent der 30- bis 59-Jährigen gaben in einer Studie der Universität Osnabrück an, bewusster in der Region einkaufen zu wollen. Allerdings fehle hier noch häufig der Zugang, so die Autoren der "Zwischenbilanz Covid-19". Sie sehen daher ein Potenzial in der Förderung regionaler digitaler Plattformen zu diesem Zweck.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2020 | 17:45 Uhr

5 Kommentare

Klartext vor 15 Wochen

"Erhöhter Stromverbrauch..." was für ein Schwachsinn!!! es ist schlichtweg egal, ob der Strom in der Firma oder dem Betrieb verbraucht wird oder im "Heimat-Büro"! Die völlig überzogenen Maßnahmen des Wirtschaftscrashens seitens der Parteibuchpolitdarsteller wegen einer angeblichen Pandemie (die, wenn es eine GrippeWelle gegeben hat, seit Ende März vorbei war!) haben ein den bundesweiten Stromverbrauch massiv verringert, so dass deutscher überflüssigere Schein-Öko-Strom wiederholt ins Ausland verschenkt wurde. Der Stromverbraucher hierzulande darf Dank eines weiteren Popanzes (neben der Patentmarke "Corona") in Gestalt des Natur-Lebensspender CO2 mit den höchsten Strompreisen aller Industrieländer "leben" ...Ende nach oben nicht abzusehen! DEU wird von fachfremden und unfähigen Parteibuchkarrieristen ohne echtes Fachwissen auf ihren Ressorts seit Jahren kaputtgemacht! Der "Lohn" wird sein: Sozialstaat kaputt weil keine Wertschöpfung mehr, aber immer mehr Plan-Sozialismus von der EU.

Anhaltiner vor 15 Wochen

Umweltministerin Svenja Schulze will das Thema daher auf die Agenda der deutschen EU-Ratspräsidentschaft setzen.Wenn sie es denn will,wird sie es auch machen.Koste es was es wolle..Sie will es dann aber auch sagen wollen.

frank d vor 15 Wochen

was würden wir Mitteldeutschen nur tun Wenn Frau Schulze nicht solche schönen Studien in Auftrag geben würde. Wer könnte sie dann so schön hinhalten und dann könnte auch niemand berichten wie schön die Umweltministeriellen alles im Griff haben und so. Schön uns schlau, eine Zierde ihres Geschlechts wie alle Vertreterinnen des Parlamentarismus welche durch die Quote aus den tiefen der Kreisverbände heraufgespült worden in die Vorstände und Ministerien. Warum nicht mehr, 120 % Frauenquote.
Frau Schulze könnte bestimmt auch Bundeswehr, oder Aussen oder Kanzlerin
Sapere Aude