Coronakrise Studierende bekommen auch im Wintersemester finanzielle Hilfen

MDR-Volontärin Hanna Lohoff
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Studierende werden auch im Wintersemester von der Bundesregierung unterstützt. Hierzu laufen die Überbrückungshilfen und der zinsfreie Studienkredit weiter. Bei der Antragstellung gibt es nur kleine Änderungen.

Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal
Die Corona-Krise beeinträchtigt Studium und Lebenshaltung bei Studierenden. Finanzielle Hilfen sollen die größte Not lindern. Bildrechte: dpa

Studierende, die aufgrund der Corona-Krise in eine finanzielle Notlage geraten sind, sollen auch im Wintersemester finanzielle Unterstützung bekommen. Das Bundesforschungsministerium hat Pläne vorgestellt, wie gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und den Studierendenwerken betroffene Studierende im Wintersemester gefördert werden sollen und welche Änderungen auf die Studierenden zukommen.

Nur kleine Änderungen der Studienhilfen

Im Wesentlichen bleibt die Unterstützungshilfe so, wie sie bereits im letzten Semester war. Studierende in einer pandemiebedingten finanziellen Notlage bekommen zwischen 100 und 500 Euro monatlich. Zudem bekommen sie den KFW-Studienkredit auch im kommenden Jahr zinsfrei. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek von der CDU stellte auf der Pressekonferenz die drei Neuerungen des Unterstützungsprogramms vor.

  • Als Nachweis der pandemiebedingten finanziellen Notlage reicht nun auch eine erfolglose Bewerbung auf einen Nebenjob aus. Zuvor mussten Studierende einen Beleg vorlegen, dass sie pandemiebedingt einen Job verloren haben. Die neue Regelung komme nun vor allem Studierenden im ersten Semester zugute, die zuvor noch gar keinen Nebenjob hatten.
  • Die Studierenden müssen künftig bei der Antragsstellung nur noch den Kontoauszug des Vormonats und nicht – wie bislang – die Auszüge der letzten zwei Monate vorweisen, um ihre finanzielle Notlage zu belegen.
  • Der zinsfreie KfW-Studienkredit wird bis Ende 2021 verlängert. Auch Studierende aus dem Ausland können den Kredit noch bis März 2021 beantragen und erhalten ihn dann bis zum Jahresende, ohne dass sie Zinsen dafür zahlen müssen.

Auszahlung der Hilfen im September gestoppt

Die finanziellen Hilfen wurden bereits von Juni bis September ausgezahlt. Dann stoppte die Auszahlung. Dafür nannte Karliczek nun zwei Gründe: Zum einen habe sich die Situation über den Sommer hinweg beruhigt, Studierende hätten ihre Jobs wieder aufgenommen oder seien auf andere Beschäftigungen umgestiegen. Zudem sei die Zahl der Anträge gestiegen, in der die finanzielle Notlage der Studierenden nicht pandemiebedingt gewesen sei.

GEW und SPD-Fraktion fordern mehr Geld für Studierende

Zuletzt forderte etwa die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Förderung auf 861 Euro aufzustocken. Das entspricht dem BAFöG-Höchstsatz. "Viele Studierende wissen nicht, wie sie ihre Miete und die Lebenshaltungskosten, Fachliteratur und Internetgebühren bezahlen sollen. Die Bundesregierung muss ihnen jetzt unter die Arme greifen", sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller.

Auch die SPD-Fraktion im Bundestag fordert deutlich höhere Summen für die Studierenden. Oliver Kaczmarek, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, spricht sich für eine Trendwende beim BAFöG aus. In Zeiten der Krise müssten noch mehr Mittel für bedürftige Studierende ausgegeben werden. "Dazu muss das BAföG wieder bis in die Mitte der Gesellschaft wirken. Finanzminister Olaf Scholz stellt regelmäßig genug Mittel bereit, die wieder zurückgegeben oder anders verausgabt werden müssen, weil es immer weniger statt mehr BAföG-Empfänger gibt", kritisiert Kaczmarek.

Karliczek: Keine schnelle BAFöG-Anpassung

Auch Friedhelm Meyer auf der Heide, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, würde eine Anpassung des BAFöGs begrüßen. "Wir mussten leider feststellen, dass es Studierende gibt, die in einer finanziellen Notlage sind – diese aber nicht pandemiebedingt ist", sagte er auf der Pressekonferenz des Bundesforschungsministeriums. Über eine erneute Reform des Förderungsgesetzes sei er mit dem Ministerium im Gespräch. Das BAFöG müsse mehr Studierende erreichen.

Karliczek verwies in diesem Zusammenhang auf die bereits erfolgte Reform aus dem letzten Jahr. Eine weitere Anpassung der BAFöG-Regelungen schloss sie für diese Legislaturperiode aus. "Wir denken sehr grundsätzlich darüber nach, wie man die Finanzierung einer sehr heterogenen Gruppe abbilden kann. Wir wollen denjenigen helfen, die Unterstützung brauchen, aber wir wollen kein Gießkannenprinzip. Der Staat ist kein Selbstbedienungsladen", sagte die Ministerin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2020 | 14:30 Uhr

4 Kommentare

Guter Schwabe vor 6 Tagen

Als Nachweis der pandemiebedingten finanziellen Notlage reicht nun auch eine erfolglose Bewerbung auf einen Nebenjob aus.

Diese Aussage ist ein Nackenschlag für jeden Arbeitsuchenden.

Maria A. vor 6 Tagen

Der Staat zeigt sich von seiner großzügigen Seite und öffnet mal wieder sein Täschle. Bei genauer Überlegung, woher dieser Geldsegen stammt, könnte man ja behaupten, er nimmt dafür eben paar mehr Schulden in Kauf... Irgendwie kommt mir das Sprichwort "Nach uns die Sintflut" in den Sinn. Nicht nur wegen der weiteren Zuschüsse für Studierende, sondern auch wegen der beschlossenen Verlängerung des (erhöhten) Kurzarbeitgergeldes.

Anni22 vor 6 Tagen

Na dann können ja alle Studenten den Zuschlag erhalten. Wieder mal nicht durchdacht, das Ganze. (Eine? Ablehnung und Kontoauszug von einem? Monat) Da wird dem ungerechtfertigtem Abfassen von Geldern sozusagen Tür und Tor geöffnet. Da hätte ich lieber das Bafög erhöht, da wird die Bedürftigkeit wenigstens geprüft.