SUV auf der Rheinknie Brücke in Düsseldorf
Jedes dritte Auto, das in Deutschland neu zugelassen wird, ist ein SUV. Bildrechte: imago images / Jörg Schüler

SUVs raus aus der Innenstadt? Forderung nach SUV-Verbot: Experten und Städte skeptisch

Nach einem tödlichen Unfall in Berlin hat der Grünen-Bundestagsfraktionsvize Krischer gefordert, die Zahl von SUVs in den Innenstädten zu begrenzen. Was halten Autoexperten, Fahrzeughändler sowie Städte davon?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

SUV auf der Rheinknie Brücke in Düsseldorf
Jedes dritte Auto, das in Deutschland neu zugelassen wird, ist ein SUV. Bildrechte: imago images / Jörg Schüler

In Berlin kam es vergangenen Freitag zu einem tragischen Unfall, als ein SUV auf einen Gehweg raste und vier Fußgänger tödlich verletzte. Der Sportgeländewagen knickte einen Ampelmast sowie mehrere Poller um und durchbrach einen Bauzaun. Die Diskussion lief heiß und Forderungen wurden laut, diese Sportgeländewagen in den Innenstädten zu begrenzen, ja gar komplett zu verbieten.

SUV hat nicht nur Gegner

Ferdinand Dudenhöffer
Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unsachlich und höchst populistisch sei die derzeitige Diskussion, findet der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Denn: "Die meisten SUVs die wir haben, sind eher Klein-, Kompakt- oder Mittelklasse-SUVs. Es gibt einige, das sind Riesenmonster, von daher muss man schauen, wie man mit denen umgeht, aber jetzt solche Forderungen zu stellen, ist abseits von der Realität." Sonst müsse man auch andere Kombi-Wagen, wie den Opel Zafira oder Transporter in der Großstadt verbieten, argumentiert Dudenhöffer. Hier werde zu viel pauschalisiert.

Die Gegner kritisieren, dass SUVs schlicht zu groß, zu umweltschädlich und in den Städten mit ihren Geländewagen-Funktionen schlicht unnötig seien. Und sogar zum Sicherheitsrisiko werden können.

Deutsche fahren gerne SUV

Doch fast jedes dritte Auto, das in Deutschland neu zugelassen wird, ist inzwischen ein solcher Sportgeländewagen. Die Beliebtheit erklärt Ansgar Klein, Chef des Bundesverbandes freier KFZ-Händler so: "Die Autos bieten relativ viel Raum auf eher kurzer Fläche. Sie sind in der Regel kürzer als Kombis in der Fahrzeugklasse. Viele schätzen, dass sie höher sitzen. Und je mehr SUVs auf der Straße sind, umso schlechter kann man an denen vorbeigucken, wenn man selbst keinen SUV hat."

Auch der gehobene Status und das subjektive Sicherheitsgefühl spielten laut Klein beim Kauf eine Rolle. Er widerspricht jedoch der Kritik, jeder SUV sei automatisch schlechter fürs Klima: "Es gibt auch umweltfreundliche – wenn das der richtige Begriff ist – SUVs, die genau so wenig Schadstoffe emittieren und genauso wenig Kraftstoff verbrauchen wie manches normale Mitteklasse-Auto."

Ansgar Klein und Ferdinand Dudenhöffer sind sich einig: Die Formen der SUVs sind vielfältig. Das jetzt so beschworene Bild des großen, panzerartigen 'Wummers' mache nur weniger als fünf Prozent der Neuwagen in Deutschland aus.

Kein Verbot geplant

Dass die Politik diese SUVs durch eine Maut, höhere Parkgebühren, eine Obergrenze oder gar ein Verbot aus den Innenstädten fernhalten könnte, bezweifelt der Auto-Experte Dudenhöffer: "Ab wann ist ein SUV ein riesiger SUV? Wie kann man das kontrollieren, dass keiner in die Stadt fährt? Also es sind tausend Fragen, die ungelöst sind."

Demonstranten der Initiative Ende Gelände und Ende Geländewagen demonstrieren mit einer Straßenblockade in München für eine autofreie Innenstadt, gegen den Braunkohleabbau und gegen die Rodung des Hambacher Forsts
Demonstranten der Initiative "Ende Geländewagen" protestierten im September in München für eine autofreie Innenstadt. Bildrechte: imago/ecomedia/robert fishman

Auch rein rechtlich gesehen gebe es keine Durchfahrtsverbote für Autotypen, argumentiert der Sprecher der Stadt Leipzig, Matthias Hasberg. Die Debatte wird seiner Meinung nach völlig falsch geführt. Im Zentrum müsse die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer stehen. "Hauptsächlich natürlich der Fußgänger, denn das ist der schwächste Verkehrsteilnehmer und dafür brauchen wir Ideen und Konzepte. Dazu macht es keinen Sinn, sich an einzelnen Autotypen festzubeißen."

Ähnlich sieht man es in der Stadt Dresden. Die Aufteilung des Verkehrsraums müsse neu gedacht werden, sodass man Radfahrern und Fußgängern gerechter werde, teilte Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain schriftlich mit. Allerdings: Verbote oder Obergrenzen für SUVs spielen dabei keine Rolle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 13:31 Uhr

19 Kommentare

Leachim-21 vor 13 Wochen

das was die Grünen hier fordern ist nicht mehr zu verstehen. gehen diese grünen -Politiker mit guten Beispiel voran und fahren nur noch mit dem Nahverkehr und verzichten auf die gepanzerten Autos der Fahrbereitschaft oder fahren nur noch mit Mini oder Polo. wer was fordert sollte auch ein gutes Beispiel liefern. ansonsten sind diese Personen unglaubwürdig und somit Populisten was Sie ja anderen gern vorwerfen.

StWa vor 13 Wochen

Die Opfer dieses tragischen Unfalls verkehrspolitisch zu instumentalisieren entbehrt jeglichen Mitgefühls.
Als ob bei einem Elektro-Mittelklassewagen unter diesen Umständen nur Brellungen zu beklagen wären ...

Eulenspiegel vor 13 Wochen

Also die Forderung nach einem SUV-Verbot in den Städten nach so einen Unfall ist nachvollziehbar aber wohl kaum realistisch. Aber ich denke solch ein Unfall ist ein guter Anlas sich ein mal Gedanken zu machen :
Wo wollen wir eigentlich hin mit unseren Ballungszentren?
Die möglichst Autogerechte Stadt war Gestern. Heute und Morgen geht es um eine möglichst Menschengerechte Stadt. Eine Erkenntnis die keineswegs neu ist das wir mit dem Auto die Verkehrsprobleme in den Innenstädten nicht lösen können. Das Auto nimmt in den Innenstädten eine viel zu großen Raum ein und schafft damit nur Probleme. Für die Innenstädte wird es in Zukunft spezielle Kleinfahrzeuge mit E-Antrieb geben. So wohl Fahrräder wie diese E-Fahrzeuge benötigen ihren Raum. Und der fällt nicht vom Himmel. Und der öffentliche Nahverkehr wird in Zukunft auch mehr Raum benötigen. Das Auto wird in den Innenstädten in Zukunft an Bedeutung abnehmen.