Bauarbeiter auf Großbaustelle
Die Baubranche startet in nächste Tarifrunde. Bildrechte: IMAGO

Dritte Tarifrunde Verhandlungen über höhere Löhne in Baubranche

Die Brauchbranche tut sich schwer, eine Tarifeinigung zu finden: Gewerkschafter klagen, die Arbeitgeber hätten den 800.000 Beschäftigten bisher lediglich ein Plus von 1,65 Prozent angeboten. Die Arbeitgeber schimpfen, die Gewerkschaft verlange unmögliche 30 Prozent. Klingt nicht nach schneller Einigung. Am Montag soll die dritte Tarifrunde beginnen.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Bauarbeiter auf Großbaustelle
Die Baubranche startet in nächste Tarifrunde. Bildrechte: IMAGO

Für wie viel Geld würden Sie auf dem Bau arbeiten, Wände setzen, Straßen pflastern? Der Tariflohn für Facharbeiter in Ostdeutschland beträgt derzeit 18 Euro pro Stunde. Die Gewerkschaft fordert nun sechs Prozent mehr. Dazu ein 13. Monatsgehalt und die Anrechnung der Fahrten zur Baustelle als Arbeitszeit. Das Geld sei da, sagt Klaus Hartung, stellvertretender Chef der Industriegewerkschaft BAU in Mitteldeutschland: "Ja, gehen Sie mal raus. Gucken Sie mal, wie viele Baustellen wir haben. Wir haben Fachkräftemangel ohne Ende." Die Arbeitgeber hätten es in den letzten Jahren versäumt, Nachwuchs heranzuziehen. Für die Leistung, die Kollegen jetzt in diesem Bauboom erbrächten, sei das gerechtfertigt.

Arbeitgeber klagen trotz des Booms

Die Arbeitgeber sehen das anders. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen, sagt, mehr Umsatz bedeute ja nicht automatisch mehr Gewinn. In Deutschland sei es nach wie vor so, insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern, dass nur auf den Preis der Auftrag vergeben werde.

Der Billigste bekomme den Auftrag. "Wir haben das Problem, dass im Zulieferbereich, im Materialbereich die Preise ganz massiv angestiegen sind, sodass dieser Umsatz, der sich in der Tat erfreulich entwickelt hat, sich nicht in steigenden Margen bei den Unternehmen niederschlägt."

Bauhandwerk: Fahrten können nicht komplett anerkannt werden

Auch das Bauhandwerk lehnt die Gewerkschaftsforderungen ab. Uwe Nostiz ist Verhandlungsführer für Ostdeutschland und sagt: Man könne Fahrten zur Baustelle nicht komplett als Arbeitszeit anerkennen. "Wir haben einen Acht-Stunden-Arbeitstag. Wenn ein bis zwei Stunden Fahrzeit dort wegfallen würden, also am Ende produktiv nur noch sechs bis sieben Stunden gearbeitet würde, würde das heißen, dass die produktive Arbeit extrem sinkt." Bei gleicher Mannschaftsstärke können dann Nositz zufolge eigentlich nicht mehr die Aufträge abgearbeitet werden wie sie jetzt abgearbeitet werden.

Gewerkschafter entgegnen: Eine Baustelle sei mal hier, mal dort. Die Fahrerei im organisierten Transporter könne man doch nicht Freizeit nennen.

Keine 15 Prozent erkennen Flächentarifvertrag an

Bleibt die Frage: Wer bekommt überhaupt Tariflohn? Die Antwort lautet: wenige. Keine 15 Prozent der ostdeutschen Bau-Arbeitgeber erkennen den Flächentarifvertrag an. Von denen wiederum zahlen viele den Tarif nur an Gewerkschaftsmitglieder, die diesen auch einfordern. Das machen zu wenige, bedauert Klaus Hartung. "Wir haben eine lange Zeit seit 1996 hinter uns, wo wir knapp 700.000 Arbeitsplätze verloren haben am Bau." Das stecke natürlich bei den Kollegen drin. "Da ist noch eine ganze Menge Angst drin. Da müssen die Kollegen jetzt Rückgrat beweisen und sagen: Jetzt hauen wir auf den Tisch. Das werden wir auch tun, wenn die Verhandlungen scheitern sollten."

Real gezahlter Stundenlohn Ost: 13,62 Euro

Hartung hofft, dass durch einen guten Tarifabschluss auch die real gezahlten Löhne steigen. Das würde auch Arbeitern aus Osteuropa helfen, die sich oft mit besonders wenig begnügen. Was Bauarbeiter im Durchschnitt wirklich bekommen, weiß man aufgrund von Meldepflichten recht genau. Im Osten Deutschlands lag der real gezahlte Stundenlohn zuletzt bei 13,62 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 07:30 Uhr

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