Hinter dem Schriftzug "Gerechtigkeit" demonstrieren Gewerkschafter.
Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst gehen in die dritte Runde. Bildrechte: dpa

Öffentlicher Dienst Um diese Berufe und Gehälter geht es beim Tarifstreit

In Potsdam hat die dritte Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder begonnen. Verhandelt wird bundesweit für rund eine Million Angestellte im öffentlichen Dienst – und das sind längst nicht nur Lehrer, Erzieher oder Straßenbaumeister. Der öffentliche Dienst ist vielfältig, was sowohl die Berufe als auch die Bezahlung betrifft. Dabei muss er den Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht immer scheuen.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Hinter dem Schriftzug "Gerechtigkeit" demonstrieren Gewerkschafter.
Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst gehen in die dritte Runde. Bildrechte: dpa

Jens Weichelt hat bei den aktuellen Gesprächen nicht nur die Interessen seiner Lehrer-Kollegen im Blick. Der Vorsitzende des sächsischen Lehrerverbands ist auch Vize-Chef der DBB Bundestarifkommission.

Ein breites Spektrum von Tätigkeiten

Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes
Jens Weichelt erinnert an die Vielfältigkeit des öffentlichen Dienstes. Bildrechte: Stephan Wiegand

Das Spektrum derer, die er vertritt, sei vielfältig, erklärt Weichelt. "Wir verhandeln auch für den Schifffahrer auf dem Königssee." Dazu kommen Erzieher, Autobahnmeister und Angestellte der Landespolizei, aber zum Beispiel auch Informatiker in den Ministerien oder Ingenieure in staatlichen Forstbetrieben. Und auch die Beschäftigten der Staats- und Landestheater, wie zum Beispiel der Semperoper in Dresden.

So heterogen wie die Berufe im öffentlichen Dienst sind, so ist auch die Bezahlung, sagt Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft. Das zeige sich auch in den sechs Erfahrungsstufen, erklärt Lesch. "Das heißt, wenn man länger beschäftigt ist und mehr Berufserfahrung hat, bekommt man automatisch mehr Geld. Das gibt es so stark in anderen Branchen nicht."

Große Unterschiede zwischen den Entgeltgruppen

Matthias Kollatz (r, SPD), Finanzsenator von Berlin und Verhandlungsführer für die Bundesländer, und der Verhandlungsführer der Arbeitnehmer, Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, reichen sich zum Auftakt der Tarifverhandlungen Öffentlicher Dienst der Länder die Hände.
Matthias Kollatz (re.), Finanzsenator von Berlin und Verhandlungsführer für die Bundesländer, und Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi beim Auftakt der Tarifverhandlungen. Bildrechte: dpa

So sind innerhalb der höchsten Entgeltgruppe E15 zum Beispiel Spielräume von etwa 1.500 Euro möglich. Auch bei den offenen Stellen des Freistaats Sachsen zeigt sich die Bandbreite der Berufe und Gehälter im öffentlichen Dienst.

Gesucht wird etwa ein Mitarbeiter in der Pflanzenzucht beim Staatsbetrieb Sachsenforst. Der wird der Entgeltgruppe E6 zugeteilt und verdient um die 2.400 Euro im Monat. Aber gesucht wird eben auch ein Dekanatsrat an der Uni Chemnitz mit Entgeltgruppe E13. Und dieser verdient bis zu 5.500 Euro.

Vergleich mit der freien Wirtschaft möglich

Was die Gehälter betrifft, hat der öffentliche Dienst in den letzten Jahren aufgeholt, sagt Lesch. Und er ergänzt, dass der öffentliche Dienst einen Gehaltsvergleich mit anderen Dienstleistungssektoren sowie der Industrie nicht scheuen müsse.

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Auch Vergleiche mit der Industrie seien teilweise möglich, meint Hagen Lesch. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Lesch erklärt das am Beispiel einer Ingenieurin oder eines Ingenieurs. "Die Frage ist immer: Mit wem vergleicht sich der öffentliche Dienst? Klar, mit der Metallindustrie wird der Vergleich schon schwierig, aber wenn sie sich mit der Papierindustrie oder der Textilindustrie vergleichen, wird das schon anders."

Außerdem müsse man sich mit der Arbeitsplatzsicherheit beschäftigen – und die sei im öffentlichen Dienst relativ hoch, ergänzt Lesch.

Steigender Konkurrenzkampf um Fachkräfte

Stimmt, sagt Gewerkschafter Weichelt, aber weil in Zukunft immer mehr Fachkräfte fehlen, werde der Konkurrenzkampf um gute Leute immer härter. Und dabei seien die Löhne eben ein entscheidender Faktor.

Weichelt verweist auf die Bereiche mit dem größten Bedarf: "Wir brauchen Ärzte in den Gesundheitsämtern, wir brauchen IT-Spezialisten." Bei ihnen sei es für den öffentlichen Dienst nicht einfach, genügend qualifizierten Nachwuchs zu finden.

Änderungen sollen alle Bereiche betreffen

Die Tarifverhandlungen seien jedenfalls für alle Berufs- und Entgeltgruppen im öffentlichen Dienst wichtig, sagt Weichelt. Denn Teuerungen merke ein Straßenarbeiter genauso wie ein Lehrer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 05:00 Uhr

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21 Kommentare

03.03.2019 20:22 Nichtversteher 21

In meine Verwandschaft ist eine Grundschullehrerin, Aleinerziehend Alter 55 / 1 Kind 16 Jahre. Nettogehalt 2.500,00 €. Dazu kommen ca. 190,00 Kindergeld. Urlaub alle Ferien bis auf eine Woche im Sommer um den Unterrichtsraum zu säubern und Telefondienst auszuüben. Keiner muss jetzt mit Unterrichtsvorbereitung kommen. Die gibt es doch gar nicht wirklich Über diesen Abschluss schämt Sie sich, da er nicht mehr vermittelbar ist.Geringverdiener werden das nicht verstehen. Ich kann es nicht verstehen. Es gibt natürlich auch Geringverdiener im öffentlichen Dienst, man muss hier schon differenzieren. Aber das Lehrer und Beamte streiken ist wohl mehr als ein Witz. Die Spirale dreht sich halt, Verlierer gibt es viele. Verdi und Zierske auch nur noch ein Konzern vieler Beschäftigter. Das Anliegen der Gewerkschaften in den Anfangszeiten, wird schon lange mit Füßen getreten. Sie müssen liefern sonst gehen die Geldgeber in Form der Mitglieder aus. Das da viele abgehängt werden, wen kümmert es.

03.03.2019 08:15 Mero 20

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist der normale Sachbearbeiter verdammt gut bezahlt. Auf der anderen Seite ermöglicht dieser Tarifvertrag keine Verpflichtung von Spezialisten. IT-Fachleute lachen sich tot über die lächerliche Bezahlung. Ärzte, Bauingenieure, Juristen,... heuern lieber in der freien Wirtschaft an. Hier wechseln nur die weniger Guten in den ÖD. Die Polizei hat weitgehend Schwierigkeiten offene Stellen zu besetzen.

03.03.2019 07:57 Müller 19

Hallo,
schön und gut die Tarifverhandlungen, aber lt. Info. der Finanzminister von Thüringen wird es keine 100% -ige Übernahme für die Beamten geben. Es gab bisher nur einmal,seit der Wende, dass der Abschluss übernommen wurde. Das ist traurig.Es gibt ebenfalls fast keine Beförderungen , speziell im Strafvollzug. Der Justizvollzug ist das Sparschwein vom Finanzministerium von Thüringen. Viele gehen mit dem Eingangstor in Pension. Hurra.

03.03.2019 03:10 Sumase 18

Meine jüngste Tochter war im Schuldienst in Berlin als Erzieherin beschäftigt und hat nach 2 Jahren zu einem freien Träger gewechselt. Dort verdient sie mit nur 35 Stunden pro Woche fast das selbe, hat aber deutlichst mehr Lebensqualität.

02.03.2019 23:42 ette82 17

Hallo...darf ich die Damen und Herren der gegnerischen Lager mal daran erinnern das es auch noch Menschen mit Mindestlohn gibt...die liegen noch weit unter 10€ und machen schwer körperliche Arbeit...was is den mit denen...von denen kann sich kaum einer etwas für die Rente zurücklegen aber beim öffentlichen Dienst beschwert man sich andauernd...bekommt ihr den Hals denn nie voll??? Danke MaBa...spricht denn nicht mal jemand über die vielen mit 1550 brutto...
Ja Kinderbetreuung ist wichtig...ja die Ausbildung anspruchsvoll aber sicher nicht mehr wert als die handwerkliche Arbeit eines Metzger oder Bäcker die halten euch am Leben. Ohne uns gäbe euch auch nich...Sry aber man hört nix anderes mehr als das alle zuwenig verdienen...aber das Geld zu Geld geht war ja schon immer so also viel spass damit...und hört auf zu nerven

02.03.2019 23:13 Frank Steinhauer 16

Das Ergebnis ist in der Tat ein Achtungserfolg. Als Intensivkrankenpfleger behaupte ich allerdings, es reicht noch lange nicht. 8% Steigerung ist relativ viel, aber absolut wenig von wenig. Um die Attraktivität eines Berufes mit Drei-Schichtsystem, Wochenend- und Feiertagsarbeit, 10-12 Stunden Nachtdiensten und immer noch nicht seltenen befristeten Arbeitsverhältnissen zu steigern, reicht ein Gehalt nicht aus, mit dem man als Einzelperson einigermassen, als Familienernährer aber niemals über die Runden kommt. Ein nicht unerheblicher Teil der Pflegekräfte, hat daher einen Zweitjob. Die Pflege in Deutschland ist im Arsch, da helfen auch 8% nichts. Mein Vorschlag, Angleichung der Pflegegrundgehälter an die Assistenzarztgehälter, da werden jetzt viele drüber lachen, ich sehe dies aber bei der gewaltigen Ausführungsverantwortung, die wir haben und unserem Fachwissen als gerechtfertigt.

02.03.2019 09:22 Hossa 15

Mir persönlich ist niemand bekannt,der im öffentlichen Dienst tätig ist und sich nach einer Stelle in der freien Wirtschaft umsieht.

02.03.2019 01:04 Annie 14

Das ist ja schon recht einseitig erörtert. Arbeitsplatzsicherheit? Wer ist denn der größte Befrister in Deutschland?! Richtig, der öD. Und wenn die Bezahlung so gut ist, warum wurden dann Länder mehrfach erfolgreich verklagt, weil manche Entgelt-Gruppen so wenig bekamen, dass es verfassungswidrig war? Vergleiche mit E15 sind lächerlich. Diese Stellen sind so rar wie von irgend welchen Vorständen in der freien Wirtschaft. Selbst E/A13 ist schon verhältnismäßig selten zu erreichen. Einzig in Bereichen, in denen studierte Leute in der Privatwirtschaft relativ schlecht verdienen, braucht der öD einen Vergleich nicht scheuen. Und die Erfahrungsstufen, die man ja automatisch bekommt...ist genauso lächerlich- neue Stufe gibt es alle 2 - 4 Jahre, teils sogar 5 . Und netto sind es meist Beträge im (mittleren) zweistelligen Bereich. Also wer es in der freien Wirtschaft nicht schafft, innerhalb von 3-4 Jahren durch Gehaltserhöhung 50-100 Euro netto mehr raus zu haben, der macht aber was falsch.

01.03.2019 22:26 Der Kommentator 13

@3: was soll das denn ? Neid ? Mittlerweile sind viele Arbeirsplätze in der Privatwirtschaft so sicher wie im ÖD. Fachkräftemangel... Ach ja, auch die Mitarbeiter im ÖD müssen einkaufen und ihre laufenden Kosten begleichen. Und anderswo wird auch gestreikt.....Natürlich ist das eine Spirale, aber wer will immer weniger in der Tasche haben, wenn rundum alle Preise steigen ? Wer macht den Anfang und sagt - keine Verhandlungen mehr, ich will weniger Geld, damit ich mir weniger leisten kann, der Umwelt zu liebe ?

01.03.2019 22:06 Bingo 12

Man gönnt sich ja sonst nichts,jammern auf hohen Nivaeu. Die ständige Gier nach immer mehr Geld,ist Schuld an Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung und wird diese Welt zugrunde richten.