Astrid Passin und Sascha Klösters
Sascha Kösters (rechts im Bild, hier bei einer Sitzung des Berliner Untersuchungsausschusses zum Anschlag) hat vor zwei Jahren seine Mutter bei der Gewalttat verloren. Bildrechte: dpa

Zwei Jahre nach Anschlag Opferbeauftragter: Nach wie vor Redebedarf bei Berliner Terroropfern

Vor zwei Jahren starben zwölf Menschen bei einem Terroranschlag in Berlin. Opfer und Hinterbliebene kämpfen noch heute mit den Folgen. Ein Beauftragter der Bundesregierung versucht ihnen zu helfen.

von Niels Bula, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Astrid Passin und Sascha Klösters
Sascha Kösters (rechts im Bild, hier bei einer Sitzung des Berliner Untersuchungsausschusses zum Anschlag) hat vor zwei Jahren seine Mutter bei der Gewalttat verloren. Bildrechte: dpa

Zwei Jahre ist es her, dass Sascha Klösters seine Mutter auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz verloren hat. Damals raste ein islamistischer Attentäter in einem Sattelschlepper über den Weihnachtsmarkt, überrollte Menschen und zerschmetterte Glühweinstände. An einem der Stände stand Kösters mit seiner Mutter. Sie verstarb noch vor Ort, er überlebte mit mehreren Beckenbrüchen. "Ich habe eine Weile gebraucht, um wieder laufen zu lernen", erzählt Klösters.

Inzwischen kann Klösters auch wieder in seinem Job als Pilot arbeiten. Neben Geldern aus dem Härtefallfonds für Terroropfer erhält er auch 141 Euro Opferrente. Nicht genug dafür, dass er ein dreiviertel Jahr nicht arbeiten konnte und kein Gehalt bekam. Klösters sieht vor allem den Staat in der Pflicht. Der kenne die Sorgen der Betroffenen nicht. "Der Anstoß kommt oft von unserer Seite. Wir müssen mitteilen, wo es hakt und wo die Probleme liegen."

Opferbeauftragter redet mit Betroffenen

Ein Ansprechpartner für die Betroffenen ist SPD-Politiker Edgar Franke. Er ist der Opferbeauftragte der Bundesregierung. 2018 folgte er Kurt Beck auf diesem Posten nach, den die Bundesregierung nach dem Anschlag geschaffen hatte. Sein Vorgänger und er haben etwa eine dreistellige Anzahl an Gesprächen mit den Betroffenen geführt, sagt Franke. Manche Opfer hätten das Angebot sogar mehrmals in Anpruch genommen. "Der Bedarf besteht immer noch", sagt er. "Wir versuchen, den Menschen ganz praktisch zu helfen."

Oft haben die Opfer Fragen zu ihren finanziellen Ansprüchen. Die sind nicht zentral geregelt. Betroffene können Anspruch auf die Opferrente, den Härtefallfonds, die Verkehrsopferhilfe und die Unterstützung der Unfallkassen haben. Als Schnittstelle zur Bundesregierung versucht Franke zu vermitteln und zu klären, welche Hilfen Betroffene in Anspruch nehmen können. Dadurch könne so manches Verfahren beschleunigt werden.

Höhere Opferrenten geplant

Künftig soll die finanzielle Unterstützung auch höher sein. Das Opferentschädigungsgesetz werde gerade reformiert, die Opferrenten sollen künftig höher ausfallen, sagt Franke. So soll der Höchstsatz künftig bis zu 2.000 Euro betragen, bisher liegt er bei 760 Euro.

Unterstützung bei Jobwechsel

Doch auch bei anderen Problemen wenden sich Betroffene an Edgar Franke. Einige können nach dem Anschlag nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten. Eine neue Perspektive zu schaffen sei schwierig, aber man versuche, sie bei der Bewerbung für einen neuen Job zu unterstützen, erklärt der SPD-Politiker. "Ich schicke dann ein Schreiben, das zeigt, dass die betreffenden Menschen Terroropfer sind", sagt er. Das könnten Arbeitgeber dann mit in ihre Entscheidung einbeziehen.

Für Sascha Klösters ist die Arbeit des Opferbeauftragten ein wichtiges Signal der Bundesregierung, doch das sei erst der Anfang. Er wünscht sich vor allem auch eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse rund um den Anschlag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Dezember 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 20:16 Uhr