"Der harte Kern" Polizei hatte Informanten aus mutmaßlicher Terrorzelle

Ein Mitglied der am Freitag ausgehobenen mutmaßlichen rechtsextremen Terrorzelle war ein Polizeiinformant. Das berichten das ARD-Hauptstadtstudio und der SWR. Der Mann war bei der Razzia als einziger nicht festgenommen worden.

Eine Person wird von Polizisten in den Bundesgerichtshof gebracht.
Am Freitag waren zwölf Männer festgenommen worden, die zu einer rechtsextremen Terrorzelle gehören sollen. Bildrechte: dpa

Nach den Razzien gegen eine mutmaßliche rechtsextreme Terrorzelle ist offenbar klar, warum nur zwölf der mutmaßlich 13 Verdächtigen festgenommen wurden: Einer der Männer soll die Polizei mit Informationen versorgt haben.

Behörden fürchteten um Sicherheit des Informanten

Wie das ARD-Hauptstadtstudio und der SWR berichten, hatte der Mann bereits Anfang Oktober umfangreiche Informationen an die Ermittler weitergegeben. Der Kontakt zur Polizei sei in der vergangenen Woche aber abgerissen. Das federführende Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe deshalb einerseits um die Sicherheit des Mannes gefürchtet, andererseits Sorge vor spontanen Taten der Gruppe gehabt.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Übrige Mitglieder in U-Haft

Der Generalbundesanwalt war am Freitag mit Razzien gegen die Gruppe, die sich "Der harte Kern" genannt haben soll, vorgegangen und hatte die anderen zwölf Mitglieder oder Unterstützer festnehmen lassen. Sie befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Einer der mutmaßlichen Helfer soll aus dem Landkreis Wittenberg kommen, ein weiterer aus dem Salzlandkreis.

Angriffe auf sechs Moscheen geplant

Die Männer hatten sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einer Telegram-Chatgruppe kennengelernt und nur zweimal getroffen, waren aber offenbar schnell handlungsbereit.

Die Gruppe um den 53-jährigen Werner S. aus dem Raum Augsburg, die von den Ermittlern "Gruppe S." genannt wird, soll Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst haben, um "bürgerkriegsähnliche Zustände" auszulösen und so die Gesellschaftsordnung ins Wanken zu bringen. Die Mitglieder sollen unter anderem Angriffe auf sechs Moscheen in kleineren Städten geplant haben. Bei den Razzien in mehreren Bundesländern wurden nach dpa-Informationen unter anderem Äxte, Schwerter und Schusswaffen gefunden.

Die Planungen der "Gruppe S." weisen Ähnlichkeiten zu den Plänen der Gruppe "Revolution Chemnitz" auf. Deren Mitglieder waren im Oktober 2018 festgenommen worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2020, 20:39 Uhr