Bundesjustizministerium Thomas Cook: Ansprüche auch an Insolvenzverwalter

Thomas Cook-Kunden sollen ihre Ansprüche nicht nur beim Versicherer Zurich, sondern auch beim Insolvenzverwalter anmelden. Laut Justizministerium ist das die Voraussetzung für zugesagte Ausgleichsgelder vom Bund.

Reisebüro des ehemaligen Tourismuskonzerns Thomas Cook
Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook sollen ihre Ansprüche auch beim Insolvenzverwalter geltend machen. Bildrechte: dpa

Das Bundesjustizministerium hat Pauschalreise-Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook aufgefordert, ihrer Ansprüche nicht nur beim zuständigen Kundengeldabsicherer Zurich, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden.

Voraussetzung für Geld vom Bund

Wie das Ministerium am Freitag mitteilte, ist dieser Schritt die Voraussetzung dafür, den versprochenen Schadensausgleich vom Bund zu erhalten. Die Bundesregierung hatte im Dezember entschieden, für die Schäden der Reisenden einzuspringen, die von der Zurich-Versicherung nicht beglichen werden. Zurich zahlt den geschädigten Thomas Cook-Kunden lediglich 17,5 Prozent ihrer Schadenssumme.

Umstrittene Haftungshöchstgrenze

Grund dafür ist, dass sich der Kundengeldabsicherer auf eine umstrittene Haftungshöchstgrenze von 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr beruft. Der Gesamtschaden für Thomas Cook-Reisende liegt nach Angaben von Zurich mit über 287 Millionen Euro aber deutlich über dieser Summe. Außerdem zieht Zurich von den 110 Millionen Euro Haftungshöchstgrenze noch fast 70 Millionen Euro ab, die die Versicherung bereits für die Rückreisen von etwa 140.000 Thomas Cook-Urlaubern aufwenden musste.

Infos zu Verfahren folgen

Wie genau die betroffenen Kunden am Ende das Geld vom Staat erhalten sollen, ist bislang noch ungeklärt. Das Justizministerium erklärte dazu, die Bundesregierung werde in den kommenden Wochen über ein einfaches und für die Reisenden kostenfreies Verfahren informieren.

Außerdem teilte das Ministerium mit, dass die Regierung derzeit prüfe, ob die Berufung der Zurich-Versicherung auf die Haftungshöchstgrenze von 110 Millionen Euro "uneingeschränkt zulässig ist". Für den zugesagten Ausgleich von "Zahlungsausfällen zu Lasten von Pauschalreisenden" lässt sich der Bund im Gegenzug die Ansprüche der Thomas Cook-Kunden abtreten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2020 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 19:07 Uhr