Ferkel in der Aufzuchtstall
Jungeber im Aufzuchtstall eines Schweinezuchtbetriebs. Bildrechte: dpa

GroKo-Einigung Zwei weitere Jahre Ferkelkastration ohne Betäubung

Union und SPD haben sich auf eine Verschiebung des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration geeinigt. Ihr Hauptargument: Es fehlten geeignete Arzneien. Die Grünen sehen das anders und sprechen von einem Alptraum für die Tiere.

Ferkel in der Aufzuchtstall
Jungeber im Aufzuchtstall eines Schweinezuchtbetriebs. Bildrechte: dpa

Die Große Koalition in Berlin verschiebt das geplante Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration. Die Unionsfraktion vereinbarte nach eigenen Angaben mit der SPD-Fraktion einen Gesetzentwurf, laut dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot bis 2021 verlängert wird.

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann sprach von einer Entscheidung der Vernunft. Es gebe aktuell keine marktgängige Alternative zur betäubungslosen Kastration. Die erforderlichen Tier-Arzneimittel seien noch nicht zugelassen. Alternative Verfahren würden vom Handel und von den Verbrauchern nicht akzeptiert.

Ein Verbot ohne Alternative würde viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen.

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann

Binnen sechs Jahren keine Lösung

Connemann zufolge hätte ansonsten die Abwanderung der Ferkelzüchtung ins Ausland gedroht. Die zweijährige Übergangsfrist müsse jetzt genutzt werden, um tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten.

Eigentlich sollte es ab 1. Januar 2019 verboten werden, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Das war schon mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

"Alptraum für Tiere"

Die Grünen-Abgeordnete Renate Künast kritisierte auf Twitter, die Koalition weiche das Tierschutzgesetz auf. Die "GroKo" sei der "Alptraum" der Tiere. Sie stellte die Argumentation der Koalition infrage, wonach der Handel ein Verbot der Kastration ohne Betäubung blockiere.

 

Der Bauernverband hatte auch angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter für eine Verschiebung geworben und auf fehlende praktikable Alternativverfahren verwiesen.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2018, 18:33 Uhr

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18 Kommentare

05.11.2018 13:08 Howard 18

An Gerd Müller 15: Ihre Thesen sollten Sie dringend nochmal überprüfen. Zum einen heißt "Allesfresser", dass der Mensch alles essen kann aber nicht muss. Dafür gibt es eine freie Entscheidung. Wie ich hier schon öfter erwähnt habe, bin ich seit 25 Jahren Vegetarier und seit ca. 10 Jahren Veganer. Mir geht es blendend und mir fehlt nichts. Entweder fehlt Ihnen etwas Emphatie oder Sie wollen hier nur provozieren. Aus meiner Sicht wäre beides gleich zu verurteilen.

04.11.2018 23:34 part 17

Das größte Verbrechen ist jedoch, das für die überborderte Fleischproduktion unter industriellen Bedingungen in den westlichen Ländern Millionen Hektar an Regenwald vernichtet werden um Monokulturen an Sojabohnen für die Verschiffung nach Europa wachsen zu lassen. Unter Bolsonaro wird sich dieser Trend noch verschärfen, die grüne Lunge dieser Welt wird weiter dezimiert, indigene Völker vertieben und Artenvielfalt ausgelöscht. Das Tierwohl ist wohl im GG festgeschrieben und wehe man würde so etwas mit einem Hund in der BRD tun, es würde sich sofort ein Richter finden. Wenn es aber um Kapitalinteressen geht, dann ist jedes Mittel recht auch wenn die jüngsten Wahlergebnisse ein Umdenken in der Bevölkerung deutlich machen.

04.11.2018 17:45 karstde 16

Eine Schweinerei ist das hier in diesem Land.

04.11.2018 16:38 Gerd Müller 15

Der Mensch ist ein alles Esser, wir haben den Neandertaler in uns. Stellt euch vor die Produktion von Gemüse kommt zum Erliegen und dann?
Nur noch Weicheier, wenn ihr Hunger habt schmeißt ihr eure Einstellung über Bord, wetten.
Wie die Fahne im Wind, diese Menschen sind die schlimmsten..
Huch eine Fliege hat gewimmert, vor dem erschlagen.

04.11.2018 16:05 Arbeitende Rentnerin 14

Früher wurden die Tiere auch nicht unnötig gequält und das Fleisch war erschwinglich, hier geht es doch nur für einige wenige um Profitmaximierung, gilt für andere Tierhaltung auch (Schreddern von Küken....), dem Gesetzgeber ist sowas egal, der tendiert mehr zu den Profiteuren

04.11.2018 14:25 Westsachse 13

Ich bin weiß Gott kein Grüner oder Linker. Aber alles, was den Tieren Leid erspart, sollte man tun. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit.

04.11.2018 11:38 Thomas Cirsovius 12

Was die KroKo wohl noch alles veranlassen wird, um bei den kommenden Wahlen den GRÜNEN zur absoluten Mehrheit zu verhelfen....

04.11.2018 11:22 Micha 11

und @Gerd Müller
"hat noch kein Schwein gehört, dass sich beschwert hat" - Aha! Sie sollten die Tiere erleben, beobachten u. hören, und ! auch die Erkenntnisse, die wir schon haben, in Ihre oberflächliche Beurteilung einfließen lassen. Nicht jeder schreit durchgehend gleich wie am Spieß. Fische werden sie gar nicht schreien hören, obwohl sie sich sichtbar winden u. leiden. Nicht jedes Tier drückt sich wie ein Mensch aus, so auch nicht immer mit durchgehendem Gebrüll, dennoch fühlen auch sie Schmerz u. Stress, was wissenschaftlich schon nachvollzogen ist. Natürlich haben die Ferkel Schmerzen. Wie kann man als nicht Betroffener sagen, das sei nicht so?

04.11.2018 11:09 Micha 10

@Leon
Ernsthaft, das soll noch immer als Witz durchgehen? Während akt. noch immer 820.000.000 Menschen Hunger leiden u. Hunderte Tonnen prod. Lebensmittel weggeschmissen werden? Weil näml. weder dem heutigen Weltgeschehen nach mit gesundem Menschenverstand u. etwas Mitgefühl u. Verantwortung für uns u. die Umwelt produziert, noch konsumiert wird. Jeder Fleisch, Fisch- u. Meerestiereesser, Milchtrinker u. Eieresser verbraucht mehr Ressourcen, als eine gesunde vegane Ernährung braucht. Damit Tiere ansetzen brauchen sie, genau wie wir, mehr Energie als ihren Grundumsatz, bei dem sie mit ihrer Atemluft u. pupsen schon viel ins Nichts verstoffwechseln. Jede verfütterte kcal würde Menschen direkt nähren u. von Hunger erlösen können. Das Veganer den Fleischessern' Essen weg essen, ist ein dämlicher Gag, empathielos u. zeugt von völliger Blödheit od. Ernstlosigkeit.
Die Tiere weiter leiden zu lassen ist das leichteste, diese Haltung eine Schande!

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04.11.2018 10:52 Rumsdibums 9

Ein vierzehntägiges Schülerpraktikum in einer "Fleischproduktion" der Wahl und/oder der Besuch eines Schlachthofes während des Betriebs würden den "Fleischkonsum" zum erliegen bringen.
Ich zitiere meine Oma: "Dumm, Frisst!"