Fleischverarbeitung Tönnies will Arbeiter mit Werksverträgen fest anstellen

Der Fleischkonzern Tönnies will an seinem westfälischen Standort Rheda-Wiedenbrück 1.000 Mitarbeiter fest anstellen. Nach eigenen Angaben handelt es sich um Angestellte, die bisher einen Werksvertrag hatten. Das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück hatte nach dem massenhaften Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitern rund vier Wochen lang stillgestanden.

Auߟenansicht des Firmengeländes vom Fleischwerk Tönnies
Das Gelände des Fleischwerkes Tönnies im Kreis Gütersloh. Bildrechte: dpa

Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies hat konkrete Veränderungen im Unternehmen angekündigt. Das Unternehmen will an seinem westfälischen Standort Rheda-Wiedenbrück 1.000 Mitarbeiter fest anstellen. Nach eigenen Angaben handelt es sich um Angestellte, die bisher einen Werksvertrag hatten. Ziel sei es, bis Jahresende alle Mitarbeiter der Kernbereiche direkt beim Unternehmen einzustellen.

Geplant sei außerdem, rund 400 Wohnplätze in Rheda-Wiedenbrück für die zukünftigen Angestellten anzumieten. Dazu seien zwei Wohnungsgesellschaften gegründet worden. Je nach Bedarf soll auch an weiteren Standorten Wohnraum geschaffen werden.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, dass ab Anfang 2021 Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie abgeschafft werden sollen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will noch in diesem Monat einen Gesetzentwurf für bessere Arbeitsbedingungen vorlegen.

Die Produktion läuft wieder an

Am Montag hatte Tönnies seinen Probebetrieb in der Zerlegung fortgesetzt, also der Zerteilung geschlachteter Tiere. Dazu verarbeiten unter Aufsicht der Behörden nur Arbeiter einer Schicht bis zu maximal 10.000 Schweine am Tag.

Das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück stand nach dem massenhaften Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitern rund vier Wochen lang still. In der Zerlegung waren die meisten der insgesamt mehr als 1.400 mit dem Coronavirus infizierten Mitarbeiter tätig. Die Behörden hatten die Produktion daraufhin untersagt.

Umfangreiche Quarantäne-Maßnahmen beendet

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, gab es zeitweise für die Bewohner der Kreise Gütersloh und Warendorf wieder verschärfte Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen. Betroffen waren zusammen über 600.000 Menschen. Für die Tönnies-Mitarbeiter galt eine strenge Quarantäne-Regelung, die am Freitag auslief. Während der Quarantäne wurden auch Schulen und Kitas geschlossen.

Von den mit dem Coronavirus infizierten Tönnies-Mitarbeitern liegen nach Angaben der Bezirksregierungen in Detmold und Arnsberg noch sechs Patienten in Krankenhäusern. Drei Betroffene werden auf Intensivstationen betreut, zwei Patienten müssen beatmet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2020 | 20:30 Uhr

3 Kommentare

Micha R vor 25 Wochen

Eine Verlagerung des Schlacht- und Zerlegebetriebes mit eine Kapazität von 30.000 Schlachtungen pro Tag von Rheda-Wiedenbrück nach Rumänien halte ich wegen der gesellschaftlich nicht durchsetzbaren längeren Tiertransport in der Menge für ausgeschlossen. Außerdem existieren nicht die dafür notwendigen Speditionskapazitäten, um überhaupt diese Menge Schlachtvieh von deutschen Bauernhöfen nach dort verbringen zu können.

Wie eine erfolgreiche Integration bisheriger Werkvertragsarbeiter in das Stammpersonal gelingen kann, zeigt beispielhaft eines der großen Mitwettberber von Tönnies, die Firma Böseler Goldschmaus aus Garrel/Landkreis Cloppenburg und selbst einer der 10 größten Schweineschlachtbetrieben in Deutschland.
Selbst eines der schärfsten Kritiker der Fleischindustrie, Pfarrer Kossen, hält die dortigen Veränderungen für zukunftsweisend.

Atheist vor 25 Wochen

Die Frage wird sein, können die Arbeiter überhaupt den Arbeitsvertrag lesen, kenne die ihre Rechte ohne Sprachverständnis und ohne Kenntnisse unseres Sozialstaates, können die Arbeiter selbständig eine Wohnung anmieten ohne Sprachkenntnisse und ohne Kenntnisse von Pflichten und Rechte eines Mieters.
Wer organisiert dann ihre Heimfahrten.....
Ich glaube nicht dass sich mit einer Festanstellung es sich für die Mitarbeiter weiter lohnt bzw es viel schwerer werden wird, hier weiter zu leben und arbeiten.
Der Fleischkonzern sollte gleich seine Produktion in Rumänien verlegen, keine Ökoauflagen, kein Ökostrom, weniger Arbeitnehmerrechte....,

revolvere vor 26 Wochen

es geht also alles, wie man sieht. nur muss man ab und zu etwas nachhelfen - was deutsche politiker aus faulheit so verseumen.