Organspendeausweis und Matchbox-Rettungswagen
Jens Spahn will die Organspende in Deutschland neu regeln. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Organspenden Bundestag stimmt über Transplantationsgesetz ab

Der Bundestag berät am Donnerstag abschließend über Änderungen im Transplantationsgesetz. Nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll die Zahl der Organspenden "nachhaltig" erhöht werden.

Organspendeausweis und Matchbox-Rettungswagen
Jens Spahn will die Organspende in Deutschland neu regeln. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Der Bundestag berät am Donnerstag abschließend über das Gesetz "Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende" von Gesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Politiker erhofft sich mehr Organspenden.

Bei dem Gesetz geht es vor allem um die Rolle der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern und nicht um die Organspende an sich. Die Transplantationsbeauftragten sollen mehr Zeit für ihre Arbeit erhalten. Außerdem geht es um eine besere Betreuung der Angehörigen. Krankenhäuser, die Spenderorgane entnehmen, sollen höher vergütet werden. In erster Lesung hatte das Gesetz im Bundestag für Zustimmung gesorgt.

Streit um Widerspruchslösung

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, spricht im Deutschen Bundestag, während der Debatte um das Pflegepersonalstärkungsgesetz.
Jens Spahn (CDU) fordert die Widerspruchslösung Bildrechte: dpa

Spahn fordert außerdem die sogenannte Widerspruchslösung - danach würde jeder in Deutschland als potenzieller Spender behandelt werden, der oder dessen Angehörige nicht ausdrücklich widersprechen. Kurz: Wer nicht widerspricht, ist automatisch Spender. Das Parlament entscheidet über die Widerspruchslösung aber erst später.

Bei einer Grundsatzdebatte im Bundestag im vergangenen November hatte sich eine klare Mehrheit gegen die Widerspruchslösung ausgesprochen. Viele europäische Länder setzen bereits auf die Widerspruchslösung, beispielsweise Frankreich, Italien oder Österreich.

Oppermann und Blüm werben für Widerspruchslösung

Unterstützt wird die von Spahn geforderte Widerspruchslösung unter anderem auch von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) und dem ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU). Zusammen mit dem Mediziner Detlev Ganten haben sie sich in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" für die Widerspruchslösung ausgesprochen. Sie sei unter allen Möglichkeiten die klarste und am wenigsten bürokratischte.

FDP und AfD stellen in der Debatte eigene Vorschläge vor, die sie getrennt voneinander ausgearbeitet haben. Die Bundesfraktionen beider Parteien wollen sogenannte Überkreuz-Organspenden zwischen zwei Paaren ermöglichen. Davon würden Menschen profitieren, die ihrem Partner oder Angehörigen eine Niere spenden würden, die Transplantation aber aufgrund von Unverträglichkeiten scheitern würde. Über die Überkreuz-Organspende könnten zwei Spender-Empfänger-Paare die gespendeten Organe untereinander tauschen - ohne dass dafür Geld fließt.

Derzeit warten in Deutschland mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Vor allem die Widerspruchslösung soll Spenden erleichtern und die Überlebenschancen von Dialysepatienten verbessern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. Februar 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 12:54 Uhr

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13 Kommentare

14.02.2019 16:28 Sonja 13

wieso darf der Spahn und einige noch mit über die Menschen bestimmen versteh es einfach nicht mehr, er müßte bei so einem Vorschlag sofort abgesetzt werden, es würden dann noch mehr Todesfälle ohne Aufklärung dazu geben wenn der sich durchsetzt.

14.02.2019 15:54 Sonja 12

@ 9 genauso ist es, es würd einem Himmelangst noch.

14.02.2019 15:49 Horst 1 11

es ist von dem Spahn eine ungeheure Frechheit, so etwas von den Bürgern zu verlangen! Jeder kann mit seinem Körper machen was er will,dazu brauche ich keinen Herrn Spahn! Von dem möchte ich sowieso
kein Gramm Fleisch!

14.02.2019 15:41 part 10

Jeder hat schon im Vorfeld die Möglichkeit sich einen Nicht- Organspender- Ausweis auf bestimmten Websites herunter zu laden, auszufüllen und bei seinen persönlichen Dokumenten zu verwahren. In Zeiten wo für jedes kleine Medikament zugezahlt werden muß, die Behandlungsleistungen immer mehr zusammen gestrichen werden und die Kommerzialisierung der Krankheitsbehandlung fortschreitet, sollte sich jeder überlegen, ob er Krankenhauskonzerne bereichern möchte oder sich gegen das Leichenfleddern wehrt. Wenn schon Organe entnommen werden, dann sollten die Nacherben dafür eine Entschädigung erhalten dürfen, nach dem Willen des Erblassers.

14.02.2019 14:47 Gevatter Tod 9

mit Spans Plan werden die Sterbefälle auf dem OP-Tisch rasant steigen zum Wohl und überleben der Elite ...der Spender geht dabei Leer aus und muß seine Beerdigung selbst bezahlen du bist demnach als Lebender und Toter entrechtet über deinen Körper von einer christlichen Partei&Co....tolles Land

14.02.2019 13:28 Graf von Henneberg 8

Das Volk wird sich erinnern wenn es über die Plätze im Bundestag abstimmen darf.

14.02.2019 13:26 Ureinwohner 7

In der DDR gehört Transplantation zu den Prestige-Projekten. Wer nicht zu Lebzeiten widersprach, dem konnten nach dem Tod Organe zu Spenderzwecken entnommen werden.
Spahn fordert außerdem die sogenannte Widerspruchslösung - danach würde jeder in Deutschland als potenzieller Spender behandelt werden, ...Wer kennt den Unterschied ?

14.02.2019 12:54 Rumsdibums 6

Dieses Geschacher um Menschenfleisch finde ich widerlich.
Die Widerspruchslösung ist eine Frechheit.
Muss ich jetzt meinen Willen auf höhe der Leber in die Haut Tätowieren lassen?

14.02.2019 12:50 Morchelchen 5

Es wird ernst. Die Bevormundung des ehemals freien Bürgers deutscher Demokratie überwindet eine weitere Hürde.

14.02.2019 12:33 Max W. 4

Ganz gleich, wie der Lobbyist Spahn seinen Kram durchzubringen versucht oder nicht. Ganz gleich, wie eine gesetzliche Regelung aussieht. Soweit ich betroffen bin, wird die Transplant-Industrie nach Göttingen, Regensburg, Leipzig usf. von mir ganz gewiss keine Organe geliefert bekommen.

Und ich werde mir merken, wer diesen unglaublichen Verstoss gegen das Selbstbestimmungsrecht abnickt. Und zwar nachhaltig.