Eine Medizinisch Technische Aisstentin überprüft 2014 eiine Blutprobe.
Seit 2012 gibt es den Bluttest zu Trisomie. Bildrechte: dpa

Hintergrund Worum geht es bei den Trisomie-Bluttests?

Der Bundestag entscheidet heute darüber, ob die Krankenkassen künftig Bluttests zu Trisomie bezahlen sollen. Schon jetzt zeigt sich, dass die Meinungen quer über die Parteigrenzen hinweg gehen. Doch worum geht es bei dem Bluttest eigentlich? Ein Überblick.

Eine Medizinisch Technische Aisstentin überprüft 2014 eiine Blutprobe.
Seit 2012 gibt es den Bluttest zu Trisomie. Bildrechte: dpa

Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen entscheidet am Donnerstag, ob der Gen-Test bei Schwangeren auf eine mögliche Trisomie des ungeborenen Kindes zur Kassenleistung wird. Vor knapp einem halben Jahr hatte der Ausschuss ein Stellungnahmeverfahren zu dem ethisch umstrittenen Thema eingeleitet.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat inzwischen vorgeschlagen, dass die Krankenkassen den Test bezahlen, wenn es in der Schwangerschaft besondere Risiken oder Auffälligkeiten gibt. In der Politik wird aber auch über eine grundsätzliche Kostenübernahme diskutiert. Im G-BA sind Krankenkassen, Kliniken und Ärzteschaft vertreten. Das Verfahren läuft seit März. Dabei werden Ärzte, Hebammen und Pharmahersteller angehört.

Was sind Trisomie-Bluttests?

Bluttests zur vorgeburtlichen Feststellung von Trisomie gibt es seit 2012. Dabei wird Schwangeren Blut abgenommen und untersucht. Mit Hilfe des Tests kann mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden, ob das Ungeborene Trisomie hat. Die erste Firma, die das Verfahren angeboten hat, war Eurofins Lifecodexx aus Konstanz. Ihr Test kann ab der neunten Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

Seit 1975 gibt es bereits einen Fruchtwassertest zu Trisomie. Er ist jedoch mit Risiken für das Ungeborene verbunden.

Was ist Trisomie?

Bei Trisomie sind bestimmte Chromosome nicht nur doppelt, sondern dreifach angelegt. Es gibt drei unterschiedliche Formen: Trisomie 21, 18 und 13. Am häufigsten kommt Trisomie 21 vor. Die Form ist auch als Down-Syndrom bekannt. Es tritt ungefähr bei 24 von 10.000 Schwangerschaften auf.

Bei Trisomie hat der Körper Schwierigkeiten mit dem Erbmaterial. Das Zuviel an Information kann er nicht verarbeiten. Das führt zu körperlichen und geistigen Verzögerungen bei der Entwicklung des Kindes. Neben einer geistigen Einschränkung ist die motorische Entwicklung verzögert. Menschen mit Trisomie leiden häufig an Herzkrankheiten, einem geschwächten Immunsystem, Fehlfunktionen der Schilddrüse, Hör- und Sehstörungen oder Organfehlbildungen.

Karyotyp in weiblichem Chromosomensatz mit Down-Syndrom Trisomie 21
Beim Down-Syndrom (Trisomie 21) kommt das 21 Chromosom dreifach vor. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Das Risiko steigt mit dem Alter der Schwangeren. In Deutschland leben mehrere zehntausend Menschen mit Trisomie.

Was kostet ein Bluttest und wer übernimmt die Kosten?

Bisher müssen werdende Eltern den Bluttest selbst bezahlen. Nur einige private Krankenkassen übernehmen die Kosten. Die Firma Eurofins Lifecodexx bietet zwei unterschiedliche Tests zu Trisomie an. Ein Bluttest nur zur Untersuchung auf Trisomie 21 kostet nach Firmenangaben 129 Euro. Soll das Blut zusätzlich auf Trisomie 18 und 13 analysiert werden, kostet das 269 Euro.

Warum ist die Bezahlung der Bluttests so umstritten?

Eine kassenärztliche Finanzierung der Bluttests ist umstritten, weil sich einige Eltern nach einer Trisomie-Diagnose für eine Abtreibung entscheiden. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Wie die Katholische Nachrichtenagentur KNA unter Berufung auf Lifecodexx schreibt, wurden seit der Einführung von der Firma 150.000 Tests verkauft. Zuletzt sei die jährliche Nachfrage allerdings gesunken.

Welche Positionen gibt es?

Pränatale Tests haben bereits in der Vergangenheit starke Kontroversen hervorgerufen. Viele Politiker und Experten sehen eine Grundsatzentscheidung in Bezug auf vorgeburtliche Bestimmungstests. Gegner befürchten, dass bei den Tests eine Art Automatismus einsetzt und junge Eltern unter Druck gesetzt werden könnten, einen solchen Test zu machen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat sich gegen die kassenfinanzierten Tests ausgesprochen: "Ich finde, die Kassen sollten das nicht finanzieren. Das Signal, dass man im Vorfeld über die Wertigkeit von Leben urteilt, halte ich für falsch."

Die politischen Gräben in der Bluttest-Diskussion verlaufen über die Parteigrenzen hinweg. Gesundheitsminister Jens Spahn sprach sich zu Beginn für eine Kostenübernahme aus. Die Entscheidung müsse aber der Gemeinsame Bundesausschuss treffen.

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt, die selbst Mutter eines Sohnes mit Trisomie 21 ist, forderte, die Gesellschaft müsse eine ethische Debatte über die Grenzen des Machbaren führen: "Was können wir erkennen, was wollen wir erkennen und wie gehen wir mit diesem Wissen um?" Eine Grundsatz-Debatte darüber, "in was für einer Gesellschaft wir leben wollen", fordert auch die behindertenpolitische Sprecherin der Grünen, Corinna Rüffer.

Religion

Prof. Faber untersucht eine Schwangere.
Professor Faber vom Zentrum für Pränatale Medizin in Leipzig untersucht Schwangere und erkennt mit seinem hochauflösenden Ultraschall kleinste Abweichungen von der Norm. Ab der 12. Woche kann Professor Faber Anzeichen für eine Trisomie 21 finden: zu kurze Oberschenkel, das Nasenbein ist nicht zu erkennen, es gibt eine auffällige Nackentransparenz. Seine Diagnose entscheidet über Schicksale. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 11. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 15:28 Uhr

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6 Kommentare

11.04.2019 21:18 Bronko 6

Mal abgesehen davon, dass auch bisher jeder selbst entscheiden konnte, ob ja oder nein zum Test und die daraus resultierenden Maßnahmen, ist es streng genommen ein Witz, wie hier eine SPD oder Grüne plötzlich "das Leben" entdecken und fadenscheinige Zustimmung zu eben diesem heucheln. Wollten nicht genau diese Gruppierungen §219 abschaffen und freizügig JEDES Leben unterbinden?

Ich pers. finde es richtig, dass diese überschaubaren Kosten übernommen werden sollen. Denn jeder hat das Recht, in der Frühphase selbst zu entscheiden und das sollte nicht von Kosten abhängen. Ein Paragraph 218/219 hat da ein ganz anderen Stellenwert. Geheucheltes Mitleid hat hier nichts zu suchen.

11.04.2019 20:04 H.E. 5

Dieser Bluttest gibt es doch schon länger und ich kenne einige jüngere Frauen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis, die es machen ließen. Er ist nicht gefährlich gegenüber einer Fruchtwasseruntersuchung.
Natürlich war er nicht umsonst, alle mußten ihn selbst bezahlen. Wenn er nicht von der Krankenkasse für jeden übernommen wird, wird es wieder darauf hinauslaufen, daß diejenigen Frauen und Familien, die sich diesen Bluttest locker leisten können, ihn machen lassen und die anderen müssen eben hoffen, daß sie kein behindertes Kind bekommen werden.
Ich bin ehrenamtlich auch in einer Malgruppe mit Behinderten öfters zusammen. Es sagt sich alles so einfach, aber es ist nicht einfach für die Familien, die müssen auch um alles kämpfen.
Und in diesem Punkt bitte ich die Kirchen, sowieso sich endgültig mit ihren oft nicht nachvollziehbaren Argumenten zurückzuhalten. Sie sollten sich zuerst mal um ihre eigenen Probleme, die sie immer noch nicht aus der Welt geschafft haben, kümmern.

11.04.2019 18:51 nasowasaberauch 4

Was soll diese Debatte im BT? In Dänemarkt ist dieser Test normal und es werden fast keine Kinder mit Down-Syndrom geboren. Schlaue Reden helfen da wenig, wenn man nicht selbst betroffen ist. Ist der Test positiv und die Eltern entscheiden sich bewußt für die Schwangerschaft, dann ist von vornherein klar was auf sie zukommt.

11.04.2019 17:42 Atheist aus Mangel an Beweisen 3

Wir sind ein Land wo Test zur Verhinderung von Leben bezahlt werden aber der Wunsch nach einem Kind finanziell bestraft wird wenn es gesundheitsbedinkt durch Endrometrose eine künstliche Befruchtung bedarf.
So haben wir unseren Enkel mitsponsoren müssen, insgesamt hat unser Enkel 15.000 Euro gekostet.

11.04.2019 17:25 Bettina 2

also ich muß als Mutter von 4 Kinder zugeben wir hatten alle beide schon ab und zu angst oder uns viel unterhalten das, das Kind gesund zur Welt kommen soll, hatten solche Probleme nicht da es bei uns dies nicht gab , was auch richtig war , wir haben unsere Kinder genommen wie sie waren Gottseidank sie waren alle gesund außer Frühgeburten, was auch gut ausging damals in den 60 Jahren.

11.04.2019 17:15 Wachtmeister Dimpfelmoser 1

In der Bundesrepublik Deutschland wurden 2018 etwas mehr als 100.000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, davon nicht einmal vier Prozent aus medizinischen Gründen wie einer fetalen Chromosomenanomalie. Sind denn 95.000 abgetriebene gesunde Kinder weniger wert als potentiell zukünftig abgetriebene 1.500 Kinder mit Down-Syndrom (die Zahl ergibt sich aus der Prävalenz der jährlich zu erwartenden Lebendgeborenen = 1.600 Kinder, ideale Diagnoserate 100 %, 95 % bisherige Abtreibungsrate nach Diagnose)?