Eine Laborantin untersucht eine Probe mit einem Mikroskop.
Künftig kann bei "Auffälligkeiten" der vorgeburtliche Bluttest auf Trisomien von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Bildrechte: imago/Westend61

Gemeinsamer Bundesausschuss Trisomie-Bluttest wird vereinzelt Kassenleistung

Der Gen-Test bei Schwangeren auf eine mögliche Trisomie des ungeborenen Kindes wird bald von den Krankenkassen bezahlt - aber ausdrücklich nur in begründeten Einzelfällen.

Eine Laborantin untersucht eine Probe mit einem Mikroskop.
Künftig kann bei "Auffälligkeiten" der vorgeburtliche Bluttest auf Trisomien von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Bildrechte: imago/Westend61

Der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Kassen hat entschieden: Der vorgeburtliche Bluttest auf das Downsyndrom wird künftig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. "Der Spiegel" hatte am Wochenende vorab berichtet, dass die Mitglieder sich auf ein Ja zur Kostenübernahme verständigt hätten. Die Kosten sollten allerdings ausdrücklich nur bei "besonderen Risiken oder zur Abklärung von Auffälligkeiten" übernommen werden. Damit einhergehen müsse auch immer eine ärztliche Beratung. Ein flächendeckendes Screening soll es nicht geben.

Neue Regelung würde 2021 in Kraft treten

Das Bundesgesundheitsministerium muss der Entscheidung noch zustimmen. In Kraft treten wird die neue Regelung offenbar erst 2021 - bis dahin müssen noch Informationen für die Versicherten formuliert werden. Bei den seit 2012 in Deutschland verkauften Tests werden Erbgutschnipsel des Kindes aus dem Blut der Schwangeren isoliert und auf Gendefekte untersucht. Der Test ist risikoärmer als die bisher möglichen Fruchtwasseruntersuchungen oder Biopsien, bei denen es zu Fehlgeburten kommen kann.

Am Blut der Schwangeren erkennt der Test mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, ob das Kind eine bestimmte Form der Trisomie, etwa das Down-Syndrom hat. Bis zur Entwicklung der Tests war das nur über eine Fruchtwasser- oder Plazentauntersuchung möglich, die ein hohes Risiko für Fehlgeburten birgt. Diese Untersuchungen werden von der Kasse bezahlt, der risikoarme Gen-Test hingegen bislang nicht.

Unterschiedliche Reaktionen

Das Zentralkomitee der Katholiken hat die Entscheidung kritisiert, Bluttests zur Früherkennung des Downsyndroms als Kassenleistung anzubieten. Präsident Thomas Sternberg sagte, der Beschluss werde zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führen. Es werde zudem der Weg gebahnt für eine Auswahl des ungeborenen Lebens.

Die Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe, Ulla Schmidt, sagte hingegen, es gehe nur um Einzelfälle. Es würden mehr Faktoren in Betracht gezogen als nur das Alter der Mutter.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus, sagte MDR AKTUELL, es dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen, ob sich eine Frau für eine riskante Fruchtwasser-Untersuchung entscheide oder den risikoarmen Bluttest. Solch ein Test werde zudem nur in bestimmten Fällen von den Kassen bezahlt.

Die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie erklärte, die Entscheidung zur Kostenerstattung stehe im Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention, die die Rechte von Menschen mit Behinderung schütze.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, erklärte: Familien mit behinderten und pflegebedürftigen Kindern müssten mehr Respekt, Anerkennung und staatliche Unterstützung erfahren.

Dusel sagt: "Die modernen medizinisch-technischen Methoden können wir nicht aus der Welt schaffen, aber die Haltung zu Kindern mit Behinderungen, die Behinderung als Makel zu betrachten oder als Bürde für die Eltern, die müssen wir ändern."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 05:10 Uhr

4 Kommentare

kennemich vor 3 Wochen

Diese Kosten stehen in keinem Verhältnis zu so machen Kosten die gleich mal mit mindestens 10.000,- € beginnen und in die 100.000,- € gehen.

Denke da an MS.

Oder so manch eine Behandlung bei Krebs mit ca. 3.000,- €.

Wenn man 6 Behandlungen bekommt da sind es auch ca. 18.000,- € und wenn es hilft kann man noch einige Jahre leben.

kennemich vor 3 Wochen

Zitat: Die Kosten sollten allerdings ausdrücklich nur bei "besonderen Risiken oder zur Abklärung von Auffälligkeiten" übernommen werden.

Diese betreffenden Frauen sollen mal darüber nachdenken, dass auch sie mal älter werden und ob sie dann noch ihre Kinder betreuen können?

Was wird dann mit den Kindern wer kann sie noch betreuen?

Wenn sie die Betreuung der/des Kinder/es auch gerne machen, es ist eine Kraftanstrengung.

dmehl vor 3 Wochen

Wenn über einen einfachen und ungefährlichen Test die Möglichkeit besteht,
eine sehr schwere Erkrankung von vornherein auszuschließen:
warum ist dieser Test dann nicht verpflichtend für Alle ?