Dimap-Umfrage
Trend in Mitteldeutschland: Die Parteienlandschaft zerfasert. Bildrechte: DIMAP/MDR.DE

Umfrage von Infratest dimap AfD in Mitteldeutschland zweitstärkste Kraft

Die AfD liegt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei der Sonntagsfrage für den Landtag auf dem zweiten Platz. Die CDU kann in allen drei Ländern ihre Spitzenposition behaupten, doch es gibt keine klaren Mehrheiten für etablierte Bündnisse. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des MDR.

Dimap-Umfrage
Trend in Mitteldeutschland: Die Parteienlandschaft zerfasert. Bildrechte: DIMAP/MDR.DE

Ein Jahr vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen ist die AfD in einer Umfrage für den MDR zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Sechs Parteien kommen in den den drei mitteldeutschen Ländern über die Fünf-Prozent-Marke. Wären am Sonntag Landtagswahlen, hätte keine der aktuellen Koalitionen eine Mehrheit, in Sachsen-Anhalt würde es für das CDU-SPD-Grünen-Bündnis zumindest sehr knapp.

Aus den Umfragewerten ergäben sich komplizierte Verhandlungen von drei oder gar vier Parteien, um eine Koalition zu schmieden – da zurzeit niemand mit der AfD koalieren will und CDU und Linke auch nicht zusammenarbeiten wollen. Anders als bei der Sonntagsfrage sieht es bei der Beurteilung der Sachkompetenz der Parteien aus – da liegt die AfD ziemlich weit hinten.

Rechnerische Koalitionsmodelle in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt

Sachsen Koalitionsmöglichkeiten
Sachsen Koalitionsmöglichkeiten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsen Koalitionsmöglichkeiten
Sachsen Koalitionsmöglichkeiten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsen-Anhalt Koalitionsmöglichkeiten
Sachsen-Anhalt Koalitionsmöglichkeiten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Thüringen Koalitionsmöglichkeiten
Thüringen Koalitionsmöglichkeiten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Sonntagsfrage: Jeweils sechs Parteien über fünf Prozent

Eine Studie von Infratest-Dimap sieht die AfD bei der Sonntagsfrage zum Landesparlament in allen drei mitteldeutschen Ländern über 20 Prozent. In Sachsen liegt die CDU demnach mit 30 Prozent vor der AfD mit 25 Prozent, gefolgt von Linken (18) und SPD (11). Für Grüne (6) und besonders die FDP (5) würde es knapp werden mit der Fünf-Prozent-Hürde - wenn am Sonntag Landtagswahlen wären.

Sonntagsfrage Sachsen
Sonntagsfrage Sachsen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch in Thüringen käme die CDU auf 30 Prozent. Dahinter liegen eng beieinander die AfD mit 23 und die Linke mit 22 Prozent. Die SPD wäre mit zehn Prozent gerade noch zweistellig. Für die Grünen entschieden sich sechs und für die FDP fünf Prozent der Befragten.

Sonntagsfrage Thüringen
Sonntagsfrage Thüringen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt wird erst 2021 wieder gewählt. Hier liegt die CDU bei 28 Prozent, gefolgt von der AfD mit 21 Prozent, Linken (19 Prozent) und der SPD (14 Prozent). Auch die FDP (8) und Grünen (6) würden den Einzug in den Landtag schaffen.

Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt
Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Größte Ausschläge bei CDU und AfD

Dabei zeigen sich im Vergleich zur letzten Landtagswahl in den drei mitteldeutschen Ländern vor allem Zuwächse für die AfD und Einbußen bei der CDU. Die AfD verbesserte sich seit den Wahlen 2014 in Sachsen um gut 15 und in Thüringen um gut zwölf Punkte. In Sachsen-Anhalt wurde 2016 der Landtag gewählt, seitdem büßte die AfD etwas ein.

Die CDU verlor in Sachsen seit 2014 mehr als neun Prozentpunkte, in Thüringen dreieinhalb und in Sachsen-Anhalt binnen zweieinhalb Jahren knapp zwei Punkte. Die Linke musste in Thüringen deutlich, in Sachsen leicht Federn lassen, legte aber in Sachsen-Anhalt zu. Die SPD verzeichnet in Sachsen-Anhalt einen Aufwärtstrend, verliert dagegen jeweils in Sachsen und Thüringen. Relativ geringe Veränderungen gibt es bei den Grünen. Die FDP konnte in allen drei Ländern leicht zulegen, am stärksten in Sachsen-Anhalt.

Sonntagsfrage Die Sonntagsfrage bildet aktuelle Wahlneigungen ab und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Viele Wählerinnen und Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest.

Zufriedenheit mit der Landesregierung: Rot-Rot-Grün vorn

Auffällig sind in allen drei Ländern deutlich höhere Zustimmungswerte zur Arbeit der Landesregierungen als zur Bundesregierung. In Sachsen sind 48 Prozent der Befragten (sehr) zufrieden.

Noch größer ist die Zustimmung zur Politik von Rot-Rot-Grün in Thüringen mit 54 Prozent. In Sachsen-Anhalt dagegen bewerten nur vier von zehn Befragten (41 Prozent) die Arbeit der CDU-SPD-Grünen-Koalition als sehr gut oder gut. Allerdings ist das auch noch deutlich besser als der Bundeswert: Nur jeder vierte gibt der GroKo in Berlin ein sehr gut oder gut.

Vertrauen in Problemlösungsfähigkeit der Parteien sinkt

Zufriedenheit mit den Landesregierungen
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Zufriedenheit mit den Landesregierungen
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Parteienkompetenz
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Parteienkompetenz
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Parteienkompetenz
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Parteienkompetenz
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Große Zweifel an Sachkompetenz der Parteien

Bei den Fragen nach der Kompetenz in verschiedenen Politikbereichen landeten in der Umfrage die etablierten Parteien CDU, SPD und Linke vorn. Allerdings traut bei bestimmten Themen bis zu einem Drittel der Befragten jeweils keiner Partei die Fähigkeit zur Problemlösung zu.

Der CDU wird am meisten in den Bereichen Wirtschaft, innere Sicherheit und Asylpolitik zugetraut. Aber auch bei der Frage zur Sicherstellung der Versorgung auf dem Land liegt die CDU deutlich vor den anderen Parteien. SPD und Linke punkten eher bei sozialer Gerechtigkeit und der Bildungspolitik.

AfD, Grüne und FDP hingegen liegen in allen Bereichen weit hinten. Lediglich bei der Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie der Verbrechensbekämpfung kann die AfD mit SPD und Linken mithalten, bleibt aber hinter der CDU zurück.

Repräsentative Umfrage Grundgesamheit der Umfrage: Jeweils 1.000 Wahlberechtigte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und 1.001 Befragte in Thüringen
Erhebungsverfahren: Telefoninterviews
Erhebungszeitraum: 20. bis 25. August 2018
Schwankungsbreite: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2018, 05:00 Uhr

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156 Kommentare

30.08.2018 18:09 Difu 89 156

@153) genau so ist das !!!

30.08.2018 16:27 Ich bins 155

Ach unser klaus. Wenn er sich mal etwas mehr mit Geschichte beschäftigt hätte, würde er nicht so einen Unsinn schreiben wie in seinem Kommentar146. Wie schon andere Kommentatoren geschrieben haben, brauchten die Grünen auch ihre Zeit. Genau so sehe ich das bei der AFD. Wollen wir hoffen, dass die Wirtschaft im Westen die nächsten 100 Jahre weiter so brummt. Nicht dass die Westdeutschen Unbesorgten die Fahne wechseln.

30.08.2018 14:19 Ichich 154

@Klaus, was alles ohne AfD mit herrlichen SPD-Regierungen auf lokaler und landesweiter Ebene "mit der Wirtschaft zu machen" ist, können Sie gerne im Ruhrgebiet besichtigen. Da warten wir jetzt seit 35 Jahren auf die tollen Investitionen, weil wir so schön bunt sind und divers sind. Zur Erinnerung: In Sachsen wurden zwei Automobilwerke in Leipzig eröffnet; das in Bochum geschlossen.

30.08.2018 13:59 Harth 153

Die AfD ist Volkspartei- dagegen hilft auch die Hetze in den linken Medien nichts !

30.08.2018 13:39 Eulenspiegel 152

Also ich denke dazu: Wählt ruhig eure AfD. Wegen meiner sogar zu über 50 %. Dann macht Eure Grenzen wieder dich. Am besten mit seinen Schutzwall. Mauer mit Schießbefehl. Dann habt ihr eure DDR wieder. Eine Einheitspartei und Meinungsfreiheit ade. Es ist eure Wahl nicht unsere Wahl. Die BRD bleibt aber ein weltoffener, bunter Staat. Ich persönlich kann gut auf Mitteldeutschland verzichten.

29.08.2018 01:15 Klaus 151

@ { 29.08.2018 19:41 nasowasaberauch }
Ich bin keineswegs ängstlich, das genaue Gegenteil hatte ich geschrieben. Ich schau mir das gerne an, aber vorher muss man im Osten schon richtig falsch wählen.
Und bei der Wirtschaft geht es natürlich ums Geld und das ist im Osten mit einer AfD-Regierung nicht zu machen, bzw. warum soll man dann in Risiko-Gebiete investieren wenn das bei uns viel unproblematischer ist.
Nun wählt mal schon oder bekommt man das auch nicht gebacken?

29.08.2018 22:59 Wessi 150

@ 147 nein, nein.Die Wirtschaft wird nicht, denn sie ist international "verbandelt".Irgendeine deutsche Nationaltümelei wird von den ausländischen Partnern, vor allem aus den 33-45 besetzten Ländern, immer noch unter diesem Aspekt gesehen.Da ist es eine Mehrheit die negativ betroffen war.Uns "Wessis" werdet Ihr, die gerne die abgeschlossene DDR wieder haben wollt, nicht Euren Wunsch aufdrücken können.Die Sachsen-Anhalt-Bewohner lernen auch...siehe diese Umfrage.Und Fleischtöpfe?Das ist lachhaft, denn der größte Feind des Profits ist Nationalismus...s.Trump.

29.08.2018 22:15 Peter 149

@147: Die Wirtschaft wird sich nicht darum scheren, wenn die AfD ans Ruder käme?
Es heißt: Kapital ist ein scheues Reh und flüchtig wie eine Gazelle.
Politik ala Trump passt der Wirtschaft überhaupt nicht. Ich vermute, die westdeutschen Unternehmen würden sich eher in sichere Gefilde zurückziehen, als im unsicheren Osten neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Na ja, die Arbeitslosigkeit in Sachsen lag 2005 bei 18,3%, heute bei 6,7%.

29.08.2018 20:44 Karl Großer 148

Tim Herden von der Karl-Marx-Uni Leipzig, was willst du uns erzählen ? Alltag im Osten auf ARD-Masche oder Alltag im Westen auf DDR-TV-Masche?

29.08.2018 19:41 nasowasaberauch 147

Ach Klaus, sei nicht so ängstlich, wenn die AfD in die Regierung kommt (und das wird sie früher oder später) geht die Welt nicht unter und die Sonne immer noch im Osten auf. Panik machen die, denen es um die Fleischtöpfe geht. Die Wirtschaft wird sich darum nicht scheren, weil es der um Umsatz und Profit geht. Wenn man an die grüne Steinewerferpartei denkt, da hat es auch etwas gedauert bis sie stubenrein war und nun zum Mehrheitsbeschaffer taugt. Geld regiert die Welt, egal wer in der Politik an der Täte ist.