Archivierte Akten lagern in den Räumen der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin.
Auch künftig muss kein Bürger nach Koblenz zum Bundesarchiv fahren, um in die Akten schauen zu können. Bildrechte: dpa

Behördenumbau Stasi-Unterlagen kommen ins Bundesarchiv

In Berlin hat die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR die Arbeitsergebnisse der vergangenen zwei Jahre vorgelegt. Es war bereits der 14. Tätigkeitsbericht, der nach ihrem amtierenden Chef benannten Jahn-Behörde. Mit besonderer Spannung erwartete man das von Roland Jahn angekündigte Konzept über den weiteren Umgang mit den Stasiakten.

von Matthias Reiche, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Archivierte Akten lagern in den Räumen der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin.
Auch künftig muss kein Bürger nach Koblenz zum Bundesarchiv fahren, um in die Akten schauen zu können. Bildrechte: dpa

Gut möglich, dass es der letzte Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragen für die Stasiunterlagen war. Seine Behörde soll im Bundesarchiv aufgehen. Damit hat sich dann auch der Job für Roland Jahn als amtierender Chef erledigt: "Den Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen so wie er im Gesetz formuliert ist, wird es so nicht mehr geben. Die Stasiunterlagen werden dann vom Bundesarchiv verwaltet. Das Ganze wird das Stasiunterlagenarchiv im Bundesarchiv machen."

Akteneinsicht weiter möglich

Befürchtungen, dass damit der Zugang zu den Unterlagen eingeschränkt würde, seien unberechtigt, versichert Roland Jahn. Das Recht auf Akteneinsicht solle auch weiter uneingeschränkt gelten: "Die Dienstleistungen Aktenantrag, Akteneinsicht, Beratung und Informationen werden an den Außenstellen, an denen wir jetzt präsent sind, weiter erfolgen. Das heißt, der Mann aus Riesa, der momentan sich an die Außenstelle Dresden wendet, wird dies dort weiter tun. Dort kann seine Akteneinsicht erfolgen.

Über den Zeitplan der Umstrukturierung muss nun der Bundestag entscheiden. Und das möglichst schnell, sagt Roland Jahn. Denn es gehe auch um sehr viel Geld: "Wir wollen, dass so schnell wie möglich eine archiv-gerechte Lagerung sichergestellt ist. Dafür müssen Umbauten erfolgen."

Mitarbeiter behalten ihre Jobs

In naher Zukunft soll es dann auch möglich sein, den Antrag auf Akteneinsicht digital zu stellen und auch auf diesem Wege an die Unterlagen zu kommen, sagt Michael Hollmann.

Der Präsident des Bundesarchivs verspricht gleichzeitig, dass keiner der rund 1.400 Mitarbeiter der Stasiunterlagenbehörde arbeitslos würde: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir auf niemanden und seine Kompetenz verzichten können. Alle, die jetzt im Stasiunterlagenarchiv arbeiten, werden danach weiter im Bundesarchiv arbeiten." Das Stasiunterlagenarchiv werde im Bundesarchiv eine eigene Form annehmen, so wie das Militärarchiv oder das Filmarchiv.

Gleichzeitig soll am historischen Ort der ehemaligen Stasizentrale in Berlin Lichtenberg ein sogenanntes Kompetenzzentrum zum Erhalt der Akten entstehen. Dort sollen die zerrissenen Unterlagen rekonstruiert werden. In rund 15.000 Säcken lagern etwa 500 Millionen Papierschnipsel, die noch zusammengesetzt werden sollen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 20:57 Uhr

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4 Kommentare

14.03.2019 12:27 Graf von Henneberg 4

"...1.400 Mitarbeiter der Stasiunterlagenbehörde..." - das sind mindestens 1.300 Staatsbedienstete als Aktenverwalter zu viel. Das Zusammensetzten der Schnipsel kann z.B. von Behindertenwerkstätten übernommen werden.

14.03.2019 11:05 Willy 3

@ 2 und welches große Unrecht gibt es jetzt bei der Justiz, bei den Politiker u s w . ??

13.03.2019 23:47 Matthias Plattfisch 2

Mich interessieren noch immer Unterlagen, denn es gab nicht nur Küchenrezepte, sondern auch Unrecht. Leider haben einige Bereiche der STASI Unterlagen zerschreddern können.

13.03.2019 21:16 colditzer 1

"Dort sollen die zerrissenen Unterlagen rekonstruiert werden. In rund 15.000 Säcken lagern etwa 500 Millionen Papierschnipsel, die noch zusammengesetzt werden sollen. "

Gut, soll man machen.
Nur, wen interessiert 2080 die zusammengesetzte Akte des Küchenplanes des Standortes Wurzen vom 13.05.1985?