Diesel-Debatte AfD: "Luft im Shutdown nicht sauberer" – Umweltbundesamt widerspricht

Hörbar leiser ging es auf den meisten Straßen kurz nach dem Shutdown zu. Viele arbeiteten ab Mitte März im Home-Office, auch die meisten Kinder sind zu Hause geblieben. Zu sauberer Luft habe das allerdings nicht geführt, sagt die AfD jetzt. Sind die Verbrennungsmotoren – insbesondere der Diesel – also gar nicht schuld an der dicken Luft? Darüber diskutiert am Donnerstag der Bundestag.

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos mit Dieselmotor.
Ist der Diesel schuld an der schlechten Luft? Bildrechte: dpa

Möchten Sie mal Aussagen hören, die sich widersprechen? Den Anfang macht Ute Dauert vom  Umweltbundesamt in Dessau. Ihre Abteilung: Beurteilung der Luftqualität. "Die Corona-Krise hat genau gezeigt, dass weniger Verkehr zu besserer Luftqualität in den Städten führt, insbesondere in Bezug auf die Stickstoffdioxidwerte."

Und hier Statement Nummer 2: "Aber wir haben jetzt gesehen: Selbst fast ohne Autos verändert sich der  Stickstoffdioxidgehalt in deutschen Städten nicht", sagt Marc Bernhard von der AfD, Mitglied des Bundestags. Aus seiner Sicht bringt es demnach nichts, Fahrverbote zu verhängen.

Bundestag diskutiert über Luft im Shutdown

In einem AfD-Antrag, der nun im Bundestag diskutiert wird, stellt Bernhard im Wesentlichen zwei Forderungen: Die Datenlage nach dem Shutdown neu zu bewerten und alle bereits erlassenen Fahrverbote aufzuheben. Die AfD geht also davon aus, dass die Luft im Shutdown so dreckig geblieben ist wie vorher – obwohl der Verkehr um 70 Prozent zurückgegangen sei.

Aus Sicht von Ute Dauert ist es falsch, Verbrennungsmotoren, insbesondere den Diesel, hier in Schutz zu nehmen. "So ganz grob gesagt sind Diesel-Pkws für 65 Prozent der NO2-Emissionen in den Städten in Deutschland verantwortlich."

Ganz zurückgegangen sei der Verkehr ja auch zu keinem Zeitpunkt der Corona-Krise – von 30 bis 50 Prozent weniger geht Dauert aus. Für das Umweltbundesamt ist die verkehrsärmere Corona-Zeit der wiederholte Beweis dafür, dass der Diesel eine Dreckschleuder ist. Allerdings: Ute Dauert sagt nicht, dass dieser Zusammenhang auch auf den ersten Blick sichtbar ist.

Auch andere Faktoren spielen eine Rolle

Man dürfe sich eben nicht nur die Zeit um den Shutdown anschauen. Und: Man müsse das Wetter betrachten: "Und dann gibt es wieder Wetterbedingungen, die dafür sorgen, dass sich die Schadstoffe anreichern. Und das ist etwas, was diese Messdaten immer – nicht nur in der Corona-Krise – überlagert."

Daher müsse man sich immer längere Zeiträume mit ähnlichen Wetterbedingungen ansehen und miteinander vergleichen. "Und das haben wir getan und das haben auch unsere Kollegen in den Ländern getan. Und wenn man sich das dann anschaut, dann sieht man eben diese Rückgänge, die so zwischen 15 und 40 Prozent in Bezug auf die Stickstoffdioxidkonzentration festgestellt wurden."

Die AfD hat Daten der Europäischen Umweltagentur ausgewertet: Sechs Wochen vor und nach dem Shutdown. Wer dreckige Luft sauberer machen wolle, müsse einen ganzheitlichen Ansatz fahren, sagt Marc Berhard:  "Man muss sich Heizungen ansehen, man Industrieanlagen sich anschauen." Das Auto sei "höchstens ein Faktor unter vielen".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2020 | 05:00 Uhr

12 Kommentare

ralf meier vor 6 Wochen

@Denkschnecke: Hallo, das man im obigen Artikel einleitend einen 'unkundigen' AFD Politiker zitiert, habe ich selbst schon kritisiert. Zu Ihrer Annahme, das Herr Bernardt die Zahlen selbst interpretiert hat, kann ich nichts Kundiges beitragen. immerhin beruft sich Herr Bernhardt wie auch der Vertreter des Bundesverkehrsministeriumauf überprüfbare Zahlen. Last not least betont ja auch die Vertreterin des Bundesumweltamtes, das es viele teils gravierende Faktoren für einen CO2 Anstieg gibt. Darunter fällt z.B. auch das gerade bei jungen Menschen beliebte Videostreaming. Eine Stunde davon erzeugt beim gegenwärtigen Energiemix so viel wie eine Stunde Autofahren. Hier könnten umweltbewußte Menschen aktiv einen großen Beitrag zur Co2 Senkung leisten, ohne das das so gravierende wirtschaftliche Folgen wie ein Fahrverbot hätte.
Siehe dazu: ZDF 28.11.2019 'Internet produziert so viel CO2 wie Flugverkehr'

DER Beobachter vor 6 Wochen

Und alle lieben sie. Neuerdings besonders die geblaubräunte Anhängerschaft fürs N-Wort. Meine mittlerweile erwachsen gewordenen Mädels liebten schon immer mehr die in der realen Welt lebenden anderen Mädels der Lindgreen...;)

nasowasaberauch vor 6 Wochen

Ich halte es eher mit der Leopoldina, die in der von Frau Merkel beauftragten Studie sagt, dass Feinstaub gefährlicher als NO2 sei und Prof. Köhler, der noch keinen an NO2 verstorbenen kennt.
Bezüglich Feinstaub ist die Aussage von Herrn Berhard nicht falsch. Der Autoverkehr ist für 5...8 µg/m³ verantwortlich und den Rest bei einer Schwankung von 10...150µg/m³ kommen von Industrie und hauptsächlich dem Wetter (Quelle LVZ v. 18./19.04. Prof. Klinger). Die Feinstaub - Meßwerte, die zu Eingriffen in den Verkehr führen können sind wissenschaftlich widerlegt. Einen besseren Großversuch als den Lockdown wird es nicht geben und das Umweltbundesamt sollte diesbezüglich die Grenzwerte überdenken und an die Gegebenheiten anpassen. Der verteufelte Diesel erzeugt weniger CO2, entsorgt Feinstaub im Partikelfilter und mit SCR-Kat emittiert er in der Abgasnorm Euro 6d Temp noch max. 80 mg NOx/km.