Windkraftanlagen ragen aus dem Morgennebel.
Lange galt Deutschland als Vorreiter in Sachen Windkraft - doch der Ausbau stockt. Bildrechte: dpa

Treffen in Hamburg Windkraft: Länder-Umweltminister lehnen 1.000-Meter-Abstand ab

Ein Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsminister Altmaier schreibt einen pauschalen 1.000-Meter-Abstand für Windräder von Wohnhäusern vor. Dagegen gibt es massiven Widerstand, auch von den Umweltministerien der Länder.

Windkraftanlagen ragen aus dem Morgennebel.
Lange galt Deutschland als Vorreiter in Sachen Windkraft - doch der Ausbau stockt. Bildrechte: dpa

Die Umweltminister der Länder haben sich auf ihrer Herbsttagung in Hamburg einstimmig gegen den von der Bundesregierung geplanten Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohngebieten ausgesprochen.

Die von der Bundesregierung geplante Vorschrift, wonach neu gebaute Windräder mindestens 1.000 Meter von Wohnbebauung entfernt sein müssen, sei "ein falsches Signal für den aktuell ohnehin fast zum Erliegen gekommenen Ausbau der Windenergie an Land", heißt es in dem Beschluss nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums.

Bund fährt "Windkraft an die Wand"

"Die Windkraft an die Wand zu fahren - das kann nicht der Weg sein, wenn wir Klimaschutz ernst nehmen", sagte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller.

"Die Länder wissen um die Bedeutung des Windenergieausbaus für Energiewende und Klimaschutz. Und sie erwarten von der Bundesregierung eine Politik, die dieser Bedeutung gerecht wird", erklärte Untersteller.

Ausbau könnte zum Erliegen kommen

Ein Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht vor, dass der Mindestabstand von 1.000 Metern ab mehr als fünf Häusern gelten soll, und der Abstand auch von Häusern gehalten werden muss, die erst noch gebaut werden könnten.

Für neue Windräder bliebe Berechnungen zufolge dann kaum noch Platz übrig. Und bestehende Räder, die dichter als 1.000 Meter an Wohnhäusern stehen, dürften nicht mehr modernisiert werden. Die Branche befürchtet deshalb, dass es auf längere Sicht sogar weniger Windräder in Deutschland geben wird als derzeit.

Da Deutschland gleichzeitig den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030 auf 65 Prozent erweitern will, sind Altmaiers Pläne auch in der Großen Koalition umstritten. Bundesumweltministerin Svenja Schulze lehnt die Vorlage des Wirtschaftsressorts ab und kündigte bereits Gesprächsbedarf an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. November 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 13:54 Uhr

51 Kommentare

Chrisbob vor 3 Wochen

Vor pauschaler Kritik empfehle ich immer einen Blick in die Primärliteratur. Auszüge aus der Zusammenfassung:

* Die vergleichende Auswertung der vier Studien – mit mehr als 1.300 Anwohnern von mehr als 20 WEA-Standorten – sowie einige internationale Studien zeigen übereinstimmend: Ein bedeutsamer Zusammenhang mit dem Abstand lässt sich weder für die Akzeptanz noch für die Stresswirkungen von WEA nachweisen, wenn der geltende Immissionsschutz eingehalten wird.

* Es gibt keinen Hinweis, dass ab einem bestimmten Abstand die Akzeptanz deutlich positiv bleibt und keine Beeinträchtigungen mehr nachweisbar sind. Dieses Ergebnis mag zunächst kontraintuitiv erscheinen. Die Erklärung liegt in den bestehenden Immissionsschutzrichtlinien, die offensichtlich bereits zu einem ausreichenden Abstand von WEA zu Wohnbebauungen führen. Sie legen Richtwerte für zulässige Geräuschpegel und Schattenwurfdauer fest, aus denen sich u. a. der einzuhaltende Abstand ergibt.

MDR-Team vor 3 Wochen

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ElBuffo vor 3 Wochen

Die Kosten hat natürlich der Anlagenbetreiber zu tragen. Das meisten lässt sich prima recyceln. Ist ja recht viel Beton und Metall verbaut. Die Verbundwerkstoffe werden sich in den Ofen geworfen. Was passiert eigentlich mit dem Zeug aus dem Flugzeug-, automobil- oder Bootsbau, wo das ja auch schon Jahrzehnte verwendet wird?
28 Cent waren natürlich absolute Phantasiepreise. Und genau das wird die wohl ankotzen, dass da nun langsam immer mehr aus dieser Förderung rausfallen. Da überlegt man sich dreimal öfter, ob man irgendwo so ein Ding in die Landschaft stellt, bei vielleicht 15% Auslastung der installierten Leistung.