Eine Straße in Aschersleben, 2014
Eines der Probleme, mit denen sich die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" beschäftigen wird: Leerstand auf dem Land. Bildrechte: dpa

Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" Ideen zur Aufwertung ländlicher Regionen gesucht

Wie kann man Nachteile für Menschen in strukturschwachen Regionen verhindern? Was tun gegen Wohnungsnot in Städten und Leerstand auf dem Land? Auf die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" der Bundesregierung wartet viel Arbeit. Sie tritt an diesem Mittwoch erstmals zusammen.

Eine Straße in Aschersleben, 2014
Eines der Probleme, mit denen sich die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" beschäftigen wird: Leerstand auf dem Land. Bildrechte: dpa

Ungerechtigkeit aufgrund unterschiedlicher regionaler Entwicklungen nimmt nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in Deutschland zu. In einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt Giffey: "Wenn aus regionalen Unterschieden schwerwiegende Nachteile werden, ist es nicht mehr gut." Die Kluft zwischen reichen und armen Regionen werde immer größer. Dagegen helfe keine Heimatlyrik, sondern nur politisches Handeln, erklärte Giffey.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner, CDU
Bundesagrarministerin Julia Klöckner, CDU Bildrechte: dpa

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) warnte vor pauschalen Lösungen. Gießkannenpolitik und eine Antwort für alle passten nicht, sagte Klöckner der Deutschen Presse-Agentur.

Das zeige allein das Beispiel Wohnen. So werde in Städten viel über Wohnraumknappheit geredet. Dagegen gebe es auf dem Land Probleme wie Leerstand.

Zwei Jahre Zeit für Vorschläge

Wie in Zukunft Ressourcen und Möglichkeiten für alle Menschen in Deutschland gerecht verteilt werden können, damit beschäftigt sich die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" der Bundesregierung, die an diesem Mittwoch erstmals zusammen tritt. Sie soll bis 2020 Vorschläge machen, wie man finanzschwache Kommunen besser fördern und strukturschwachen Regionen aufhelfen kann. Klöckner und Giffey sind Co-Vorsitzende der Kommission. Vorsitzender ist Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

Vertreten sind in der Kommission alle Bundesministerien, die Länder sowie kommunale Spitzenverbände. Es soll sechs Arbeitsgruppen geben: Kommunale Altschulden, Wirtschaft und Innovation, Raumordnung und Statistik, Technische Infrastruktur, Soziale Daseinsvorsorge und Arbeit sowie Teilhabe und Zusammenhalt der Gesellschaft.

Abwanderung führt zu Ausdünnung auf dem Land

Welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt, zeigt der neue Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit, den die Bundesregierung an diesem Mittwoch beschließen will. Demnach verlieren die ländlichen Regionen im Osten zunehmend den Anschluss an die Städte. Ein Grund: Die ostdeutschen Groß- und Universitätsstädte ziehen vor allem junge und gut qualifizierte Menschen an, die zuvor im ländlichen Raum gelebt haben. Die Abwanderung führe zu einer Ausdünnung ländlicher Regionen. Zudem sei der Osten deutlich stärker vom demografischen Wandel betroffen als der Westen.

Die Bundesregierung erwartet dem Bericht zufolge für die ostdeutschen Flächenländer bis 2030 einen weiteren Rückgang der Bevölkerung um rund 800.000 Personen. Unter der Voraussetzung einer kontinuierlichen demografischen Entwicklung und trotz stärkerer Zuwanderung aus dem Ausland werde die Bevölkerung um 6,4 Prozent zurückgehen, heißt es im Jahresbericht 2018.

In den westdeutschen Flächenländern wird für den gleichen Zeitraum dagegen mit einer Zunahme um etwa 700.000 Personen oder 1,1 Prozent gerechnet, in den Stadtstaaten sogar um sieben Prozent. Dennoch war die Geburtenziffer mit durchschnittlich 1,64 Kindern je Frau in den neuen Ländern höher als im Westen mit 1,6 Kindern pro Frau.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2018 | 03:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 06:52 Uhr

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15 Kommentare

27.09.2018 20:17 Fragender Rentner 15

@pkeszler zu 12

Die können sich diese Mieten in den größeren Städten eben nicht leisten die du im 2. Abschnitt erwähnst.

27.09.2018 15:47 Fragender Rentner 14

Das hatte man auch in den 1990er Jahren mit den Rußlandaussiedlern versucht sie im ländlichen Raum anzusiedeln nur nach einer gewissen Frist waren sie auch wieder weg.

26.09.2018 19:52 Lena Ria 13

Man braucht also nochmal 2 Jahre um festzustellen, dass die Infrastruktur dringend verbessert werden muss. Die Verkehrswege sind marode, die Mobilverbindung ist marginal und die Internetverbindung ist jämmerlich. Logisch, dass sich so junge Menschen in die Ballungszentren flüchten. Und logisch, dass sich so keine Unternehmen ansiedeln und folglich keine Arbeitsplätze generiert werden und ebenso logisch, dass dadurch auch der Handel und die Gastronomie nicht blühen können.

26.09.2018 17:39 pkeszler 12

@Fragender Rentner 11: "Was da wohnen noch Menschen? :-(((
Sind die noch nicht alle im Westen? :-((("
Nur noch die Alten und die Kranken sind geblieben. Und die Jungen kommen hoffentlich mal vorbei und schauen nach ihnen.

26.09.2018 15:49 Fragender Rentner 11

Was da wohnen noch Menschen? :-(((

Sind die noch nicht alle im Westen? :-(((

26.09.2018 13:40 Gaihadres 10

@Nr.7: Haben Sie auch Lösungen dafür "wie" man das bewerkstelligen und/oder bezahlen soll? Denn das ist ja das eigentliche Thema. Was den Menschen fehlt ist kein Geheimnis und jedem bekannt - nur kann man einen Arzt eben so wenig an einen Ort zitieren, wie kostendeckende Einkaufsmöglichkeiten aus dem Boden stampfen. Die Bürger wollen natürlich auch ein Mitspracherecht - solange sie nicht für etwas zahlen sollen/müssen wird viel gefordert. Da aber die Kommunen keine eigenen Steuern erheben dürfen bleibt vieles ungedeckt - zum Leidwesen der Menschen.

26.09.2018 13:01 Bürgerin 9

Landwirtschaft stärken und ausbauen, schnelles Internet v.a. auf dem Land, damit sich Firmen ansiedeln können, die v.a. darüber arbeiten und nicht auf Transportwege und Rohstoffe angewiesen sind.

26.09.2018 12:20 Erst denken, dann Handeln 8

- Landes und Bundesinstitutionen sollten von den Großstädten in Klein und Mittelstädte verlagert werden.
- Verkehrsanbindungen sollten verbessert werden
- Ansiedlungen von Unternehmen in Strukturschwachen Regionen sollten gefördert werden
- schnelles Internet muss aufs Land

26.09.2018 11:40 Normalo 7

ÖPNV stärken. Schulen im Dorf lassen. Geburts- und Wohnprämien verteilen. Ärzte ansiedeln. Einkaufsmöglichkeiten bieten. Wirtschaftliche Förderung anbieten. Vereine stärken. Feste bewerben.
Das fünfstellige Beraterhonorar bitte auf mein Konto überweisen ;)

26.09.2018 11:15 pkeszler 6

@andreas 2: "Wenn Firmen sich nur noch an Autobahnen und deren Kreuzen ansiedeln"
Das ist eigentlich bei einer modernen Wirtschaft völlig normal. Große Firmen brauchen viel Platz und günstige Verkehrsanbindungen, die in kleineren Orten nicht vorhanden sind oder nicht die entsprechenden Gewerbegebiete haben. Und heute, wo fast jeder ein Auto hat, dürfte das nicht das Problem sein, warum der Osten benachteiligt wird.